Von Elmar Biebl
Bizarre Rollen sind ihr Leibgericht. Der Part der kleinen Wednesday in der Gruselkomödie "Addams Family" brachte sie auf den Geschmack. Nach Häppchen in "Meerjungfrauen küssen besser" und "Der Eissturm" folgte als Hauptspeise die schwarze Komödie "The Opposite of Sex". In "Buffalo '66" gibt sie sich als Ehefrau ihres Kidnappers aus (virtuos gespielt von Vincent Gallo, der erstmals auch Regie führte), damit dieser bei seinen ahnungslosen Eltern eine gute Figur macht. Christina Ricci, die von US-Gazetten als "pummelige Diva mit starkem Sex-Appeal" klassifiziert wurde, entzieht sich bewußt jedem Klischee. Auch dem einer Außenseiterin.

Christina Ricci in einem New Yorker Hotel
Ricci: Nein. So einen normalen Part, den kann jede andere Schauspielerin in meinem Alter spielen. Das fände ich langweilig.
SPIEGEL ONLINE: Das schließt offenbar auch Ihr Privatleben ein. Leben nicht fast alle Ihre gleichaltrigen Kolleginnen mit einem Schauspieler oder einem Musiker zusammen?
Ricci: Stimmt, mein Freund ist der Ex-Mitbewohner meiner besten Freundin. Aber was hat das schon zu sagen? Viele Schauspielerinnen sind doch nur wegen der Publicity mit einem Promi zusammen. Das muß man nicht nachmachen.
SPIEGEL ONLINE: Was ist für Sie das Wichtigste in einer Liebesbeziehung?
Ricci: Vertrauen. Vielleicht, weil ich eine mißtrauische Person bin. Um jemanden lieben zu können, muß ich ihm voll und ganz vertrauen.
SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ricci:Ich gehe ins Kino, lese und schlafe viel oder ich gehe schwimmen. Das ist auch der Grund, warum ich von New York nach Los Angeles umgezogen bin. In New York konnte ich mir keinen Pool leisten.
SPIEGEL ONLINE: Stört es Sie, daß die Medien Sie als "pummelige Diva mit starkem Sex-Appeal" beschreiben?
Ricci. Nein, gar nicht. Aber ich halte mich nicht für sexy. Und sicherlich bin ich auch nicht so launisch, daß ich es verdient hätte, als Diva abgestempelt zu werden. Ich werde nur sehr selten wütend. Ist das mal langsam klar, verdammt noch mal? (lacht)
SPIEGEL ONLINE: Worüber regen Sie sich denn auf?
Ricci: Ach, über alles Mögliche: über Stau im Verkehr, über Gedränge in den Straßen, über die Sommerhitze, vor allem aber über Leute, die mir beim Rauchen sagen, ich würde davon Lungenkrebs bekommen.
SPIEGEL ONLINE: Ihre Begeisterung für den Leinwandkollegen Vincent Gallo teilen nicht viele in Hollywood.
Ricci: Weil er sehr eigenwillig und ehrlich ist. Er sagt jedem ins Gesicht, was er denkt und was ihm gegen den Strich geht. So etwas ist in Hollywood unerhört. Vincent ist der talentierteste Mann, dem ich bislang begegnet bin. In "Buffalo '66" hat er die Hauptrolle gespielt, Regie geführt und sogar die Musik für den Soundtrack geschrieben. Außerdem hat er den Filmtrailer geschnitten, das Plakat entworfen und notgedrungen auch die Aufgaben der Produzenten übernommen. Das muß ihm einer der Kritiker erst mal nachmachen!
SPIEGEL ONLINE: Sie ziehen gern über Teenagerfilme her. Soll das zeigen, daß diese Zeit hinter Ihnen liegt?
Ricci: Nein, aber Filme, die ausschließlich ein junges Publikum ansprechen, sind meistens wirklich albern. Mädchen werden als hilflose Opfer dargestellt: schwach, naiv, oberflächlich. In Wirklichkeit sind Jugendliche in diesem Alter alles andere als schwach.
SPIEGEL ONLINE: Sind die Filmemacher böswillig, oder wissen sie einfach nicht Bescheid? Ricci: Ich weiß es nicht, aber das Phänomen zieht sich durch alle Medien: Das Publikum wird für dumm gehalten und deshalb glaubt man, dumme Inhalte produzieren zu müssen. Als Ergebnis schauen sich dann jede Menge schlaue Leute dumme Filme an. Es ist doch lächerlich Jugendliche so darzustellen, als ob ihre größte Sorge die Wahl der "richtigen" Kleider sei.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich schon als Kind zur Schauspielerei berufen gefühlt?
Ricci: Auf alle Fälle. Mein größtes Problem als junge Schauspielerin war, daß ich von den Medien nicht ernst genommen wurde. Generell schert sich die Presse wenig um junge Darsteller. Weil sie minderjährig sind, dürfen junge Talente nicht als sexy vermarktet werden. Und ganz ohne Sex kommt heute kaum ein Magazin-Cover aus. Als ich achtzehn wurde, bekam ich mit einem Schlag jede Menge Anfragen von Journalisten.
SPIEGEL ONLINE: Letzte Frage: Wie finden Sie Leonardo DiCaprio?
Ricci: Ich mag ihn und er tut mir wirklich leid. Der arme Kerl wird regelrecht gehetzt von seinen Fans und den Paparazzi. Letztens soll ein Fotograf von "Playgirl" sich in den Büschen vor seinem Haus versteckt und ihn heimlich in seinem Schlafzimmer fotografiert haben. Auf seinem Urlaubsplan stehen nur noch einsame Inseln. So berühmt will ich nie sein.
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