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19.02.2005
 

Berlinale-Tagebuch

Was Will man mehr

Von Daniel Haas

Am Ende wurde geflirtet, bis der Arzt kommt: Will Smith alias "Hitch – der Date Doctor" war in der Stadt und becircte mit viel Humor Fans und Journalisten. Dennoch war auch am vorletzten Tag der Berlinale Zeit für ernste Töne – und furiosen Camp.

Will Smith in "Hitch": Soloshow für Hollywoods neuen Frauenheld
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Will Smith in "Hitch": Soloshow für Hollywoods neuen Frauenheld

Und dann kam Will, der Prinz von Belair, und wurde für einen Abend zum König von Berlin. Der Film: eine Soloshow für Hollywoods neuen Frauenheld. Die Pressekonferenz: eine Ein-Mann-Performance für Mr. Smith, der die Journalisten in ausgelassene Fans verwandelte.

Das Hollywood-Märchen "Hitch" lief außer Konkurrenz und war leichteste Romanzenkost - genau das Richtige, so kurz vor Feierabend an diesem letzten Tag vor der Preisverleihung. Die von Andy Tennant inszenierte Komödie präsentiert Will Smith als Date-Doktor, der desolaten Single-Männern zum großen Liebesglück verhilft. Natürlich ist der charmante Kuppler in Herzensdingen selber höchst therapiebedürftig. Wie schön, dass eine resolute Schöne in Gestalt von Eva Mendes zum Happy End verhelfen kann.

"Hitch": "Say Yeah!"
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"Hitch": "Say Yeah!"

"Say Yeah!", rief Smith ins Publikum, "Yeah!" echote es zurück. Die Welt als Will und Vorstellung: Man ließ es sich gefallen, hatte Spaß am perfekt inszenierten Narzissmus made in Hollywood. Dass "Hitch" die kapitalistische Machbarkeitsmaxime rigoros aufs Private projiziert und unter dem Vorwand der Toleranz die gängigen Selbstoptimierungsgebote verkauft - egal. Smith, Mendes und "King of Queens"-Star Kevin James ulkten sich in einen Gute-Laune-Furor; Ideologiekritik hätte hier gewirkt wie ein schlechter Witz.

In "Angeklagt" hingegen war für Humor kein Platz: Der dänische Wettbewerbsbeitrag thematisierte Inzest und wie er Menschen zerstört. Ein Familienvater kommt vor Gericht, die Anklage: sexueller Missbrauch der zwölfjährigen Tochter. Ist der liebevolle Ehemann tatsächlich schuldig? Oder ist der Vorwurf nur eine neue Erfindung des Mädchens, das als notorische Lügnerin gilt? In stillen, beklemmend suggestiven Bildern entwickelt "Angeklagt" ein Szenario, dass den Zuschauer mehr und mehr verunsichert.

"Night watch": Russischer Vampirfilm
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"Night watch": Russischer Vampirfilm

Wem soll man glauben? Wer ist Opfer, wer Täter? Sie könne Fiktion und Wirklichkeit nicht unterscheiden, heißt es von der Tochter einmal, und diese Wahrnehmungsgefährdung mutet "Angeklagt" auch seinem Publikum zu. Die Enthüllung am Ende wirkt deshalb um so brutaler: Jakob Thuesens Drama ist im besten Sinne schonungslos, eine grausam nüchtern inszenierte und dabei zutiefst engagierte Bestandsaufnahme verbrecherischer Verhältnisse.

Gegenüber dem Horror des familiären Schuldzusammenhangs wirkte der globale Schrecken aus "Night Watch" regelrecht amüsant. Der russische Vampirfilm lässt zwei Banden von Damönen aufeinander los; der Streitwert ist nichts Geringeres als das moralische Gleichgewicht der Welt. Da sind die Nightwatchers, eine Clique von Hellsichtigen und Gestaltwandlern, die die Tagwelt vorm Einbruch des Bösen bewahren. Und deren Pendant, die Daywatcher: Hexen und Vampire, die dafür sorgen, dass nicht zu viele sonnige Gemüter auf Erden wandeln. "Nightwatch", im Moskau der neunziger Jahre angesiedelt und in Berlin einer der Höhepunkte der Panorama-Special-Reihe, ist furioser Camp, eine Mischung aus "Blade", "Buffy" und "Die fabelhafte Welt der Amélie".

"Night watch": Mischung aus "Blade", "Buffy" und "Die fabelhafte Welt der Amélie"
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"Night watch": Mischung aus "Blade", "Buffy" und "Die fabelhafte Welt der Amélie"

Die Entscheidung, den Film im "International" zu zeigen, hatte Stil: Von den Moskauer Straßenschluchten ist es nur ein kleiner Schritt zur prachtvollen Ödnis der Karl-Marx-Allee, wo das einstmalige Renommierkino einen einsamen Platz bewacht. "Night Watch" passte ebenso perfekt zu seinem Aufführungsort wie "Hitch" zum kalten Glamour der Cinemaxx-Paläste - bei der Berlinale bekommt jeder Film, was er verdient. Und das Publikum genießt die Gewissheit, dass neben Finsterlingen und Sunnyboys genügend Zeit bleibt für ein Kino, das mutig im Bilde ist.

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