Berlin - Der Film des Regisseurs Mark Dornford-May verlegte die Oper "Carmen" in ein südafrikanisches Township. Mit der Adaption der Bizet-Oper setzte sich bei den Goldenen Bären ein absoluter Außenseiter durch. Jury-Präsident Roland Emmerich und Jury-Mitglied Franka Potente gaben die Entscheidung der Internationalen Jury heute in Berlin bekannt. Besetzung und Mitarbeiter der Opernverfilmung reagierten begeistert auf den überraschenden Sieg. "Ich habe getanzt und gesungen", sagte die Sängerin Noluthando Boqwana. "Ich kann noch gar nicht sagen, was ich fühle." Der Goldene Bär bedeute einen großartigen Durchbruch für die südafrikanische Filmindustrie.
Der in Großbritannien geborene Regisseur Dornford-May lebt seit 2000 in Südafrika. Dort gründete er eine Schauspielakademie und inszenierte Theaterstücke und Opern. Die Rolle der "Carmen" übernahm die Opernsängerin Pauline Malefane, die auch an dem Drehbuch mitwirkte. "Carmen" arbeitet in dem Kap-Township Khayelitsha als Zigarettendreherin. Sie und ihre Kolleginnen verdrehen den Männern mit üppigen Formen und starkem Willen den Kopf. Dornford-May übertrug die Hauptmotive der Oper auf den Film, zeigte aber zugleich auch die Armut der Townships.
Marc Rothemund erhielt für die Regie des Films "Sophie Scholl - Die letzten Tage" den Silbernen Bären. Hauptdarstellerin Julia Jentsch wurde als beste Schauspielerin ebenfalls mit einem Silbernen Bären bedacht. In dem Film geht es um die letzten Tage im Leben der 1943 hingerichteten Widerstandskämpferin und Mitbegründerin der Weißen Rose. Bei den Filmfestspielen hatte Jentsch ("Die fetten Jahre sind vorbei") bereits viel Lob für ihre Darstellung bekommen. Bei der heutigen Verkündung erhielt sie großen Applaus der internationalen Presse. Sie selbst nahm den Preis sichtlich bewegt entgegen. "Überglücklich", aber auch sichtlich verlegen und aufgeregt reagierte Jentsch, als Jury-Mitglied Franka Potente den Preis bekannt gab. Jentsch bedankte sich für "die wunderbaren Reaktionen nach der Premiere des Films" auf der Berlinale. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) gratulierte mit den Worten, Jentsch und Rothemund repräsentierten "in ganz hervorragender Weise die großen Stärken des deutschen Films". Jentsch nahm den Preis bereits nach der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung in Empfang, weil sie bei der offiziellen Verleihung nicht dabei sein kann. Die Schauspielerin soll am Abend bei den Münchner Kammerspielen auf der Bühne stehen.
Als bester Hauptdarsteller wurde der 19 Jahre alte Amerikaner Lou Taylor Pucci für seine Rolle in "Thumbsucker" mit dem Silbernen Bären geehrt. Der Große Preis der Jury - Silberner Bär ging an den chinesischen Film "Peacock" ("Kong Que"). Der Silberne Bär für eine herausragende künstlerische Leistung ging an den taiwanesischen Regisseur Tsai Ming Liang für seinen Film "The Wayward Cloud" ("Tian bian yi duo yun"). Der Film wurde zugleich auch mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet, der in Erinnerung an den Gründer der Berlinale Beiträge ehrt, die "neue Perspektiven eröffnen".
Den AGICOA-Preis Der Blaue Engel für den besten europäischen Film erhielt der zunächst als Berlinale-Favorit gehandelte Film "Paradise Now" des palästinensischen Regisseurs Hany Abu-Assad. Der Preis ist mit 25.000 Euro die am höchsten dotierte Auszeichnung der Festspiele.
Der Silberne Bär für die beste Filmmusik ging an Alexandre Desplat für die Musik zu dem französischen Film "Der Schlag, der mein Herz verspielte" ("De battre mon coeur s'est arreté")
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