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16.12.2005
 

Lehrstück "King Kong"

Zeig Größe, Hollywood!

Von Daniel Haas

Es war ein übles Jahr für Hollywood: Die erhofften Zuschauermassen blieben weitgehend aus, die Kassen leer. Alle Hoffnungen richten sich nun auf "King Kong". Doch statt sich mit der Bestie nur zu sanieren, sollten die Studiobosse von Peter Jacksons Film lernen: wie man auf grandiose Art bescheiden bleibt.

"Size does matter - Größe spielt doch eine Rolle" lautete der Werbeslogan von "Godzilla", und weil der Film so kleinlich war, was Unterhaltungswert und Humor anging, wirkte der Satz am Ende wie ein zynischer Kommentar zur Großmannssucht des Hollywoodbetriebs. Die Dramaturgie wurde von jedem drittklassigen Videospiel übertroffen, die Darsteller wirkten gelangweilt, das Monster zertrampelte pflichtgemäß New York, war aber wenig furchteinflößend.

Peter Jackson hat diesen Fehler vermieden: zu glauben, dass Größe die einzige Hauptrolle spielt auf der Leinwand. Auch wenn sein Film eine gigantische Summe verschlungen hat (207 Millionen Dollar) und neben dem Riesenaffen auch Saurier und Monsterinsekten zum Einsatz kommen, sind die Dimensionen seiner Kreaturen nie Selbstzweck wie in Roland Emmerichs misslungenem Echsenfilm von 1998. Größe ist für den Kinoschöpfer des "Herr der Ringe"-Kosmos ein Thema, das sich dramaturgisch nutzen und durchspielen lässt - und mit dem man das eigene, tendenziell größenwahnsinnige Verfahren kommentieren kann.

Jackson weiß sehr wohl, dass sich sein "King Kong" filmhistorisch in der Gesellschaft von Giganten bewegt, ist aber nicht so borniert zu denken, er müsse sie überragen. Stattdessen erweist er allen Großen des Blockbusterfachs Reverenz: "Titanic" mit herrlich nostalgischen Schiffszenen, "Jurassic Park" mit atemberaubenden Dinosaurierkämpfen und natürlich dem "King Kong"-Original von 1933.

Größe ist in diesem Szenario keine Sache von Rekorden: Was heute das Maximum an produktionstechnischer Raffinesse ist, kann schon morgen veraltet wirken, das muss einem Regisseur klar sein, der in seinen neuseeländischen Studios täglich die Tricktechnik vorantreibt. Das Große lädt sich nur dann mit Bedeutung auf, wenn man es in Beziehung setzt und seine Relativität durchspielt. Nirgendwo ist dies besser gelungen als in den Verfolgungsjagden von Jacksons "King Kong". Sie wirken wie Kraftdemonstrationen des Effekte-Teams, doch gerade hier, wo das Geschehen ganz im Spektakel aufgeht, thematisiert der Film seine Methode.

Da bricht eine Stampede von Diplodocus-Sauriern los; die eigentlich bräsigen langhalsigen Riesentrampler galoppieren durch eine enge Felsenschlucht. Die Helden drohen zwischen den säulenartigen Beinen zertrampelt zu werden. Doch weil die Menschen sehr klein sind im Vergleich zu den massigen Urtieren, können sie sich in wildem Slalom zwischen den auf und ab sausenden Saurierhufen bewegen.

Dies können aber auch die mannsgroßen Kampfechsen, die schon in "Jurassic Park" für Schrecken sorgten und die Jackson zusätzlich ins Rennen schickt. Sie versuchen, die Menschen zu schnappen, müssen aber ebenfalls den Saurierbeinen ausweichen. Das Kleine, Größere und Größte geraten so in ein Verhältnis, das eine entscheidende Prämisse nicht nur filmischen Erzählens deutlich macht: Spannung ist immer eine Frage der Perspektive; mit den Größenordnungen verschieben sich auch die Grenzen zwischen Freund und Feind, Gefahr und Sicherheit.

Noch furioser die Szene, in der die Heldin von einem Monsterlurch mit Reißzähnen gejagt wird. Sie flüchtet in einen hohlen Baumstamm, in den das Biest nicht eindringen kann. In der Baumröhre aber kriecht ein armlanges Insekt über die Verfolgte - vom Regen in die Traufe. Dann verschwindet das Monster plötzlich - geschnappt von einem Tyrannosauros Rex. Vom Großen zum Kleinen zum Größten führt die Reihe dieser Schreckmomente, die von einer wunderbaren Pointe gekrönt wird: Die Heldin schmiegt sich an einen Felsvorsprung, um unentdeckt zu bleiben, doch die Gesteinsformation entpuppt sich als Stirnpartie eines Saurierkopfs - Tyrannosaurus Nummer zwei.

Man darf sich dem Zwang zur Maßlosigkeit, der Hollywood seit Entstehung des Blockbusters umtreibt, nie ganz unterordnen, das zeigen diese Szenen. Man muss ihn vielmehr ausbalancieren mit Selbstironie, dann wird er nicht hohl und aufdringlich, sondern ein kreativ anspruchsvolles Stilprinzip. Große Wirkung wird nicht durch Anhäufung von Schauwerten erreicht, sondern durch genaues Maß- und Bezugnehmen. In diesem Sinne ist Jacksons "King Kong" ein bescheidener Film - nicht nur, weil er den Affen im Vergleich zum Original um die Hälfte verkleinert hat (damals warb das Studio mit 15 Metern, Jacksons Kong soll siebeneinhalb Meter groß sein).

"Das Wichtigste war, das Publikum von Kong gepackt zu wissen, denn dann wäre es ihm egal, ob er zwölf oder sechs Meter groß war", sagte Merian C. Cooper, der Schöpfer des "King Kong"-Klassikers. Dieses Ergriffensein stellte sich beim Publikum in diesem Jahr bei den so genannten großen Filmen allerdings immer weniger ein: Ridley Scotts 150 Millionen teures "Königreich der Himmel" erwirtschaftete gerade mal ein Drittel seines Budgets. "Sin City", Robert Rodriguez' Tummelplatz für Superstars, kam nur auf enttäuschende 75 Millionen; "Verliebt in eine Hexe" mit Kritikerliebling Nicole Kidman zauberte nur 62 Millionen in die Kinokassen.

Das Publikum verteilte seine Gunst auf kleinere Genrefilme ("Saw 2") oder Dokumentationen ("Die Reise der Pinguine") und genoss darüber hinaus die Möglichkeiten der DVD mit Special Editions und Bonus-Material. Die Studios verdienen deshalb mittlerweile mehr mit Videos und DVDs als mit den regulären Filmstarts; nur noch ein Fünftel des Umsatzes entfallen auf die Kinos selber. Das selbstherrliche Auftreten der Blockbustermonster verkennt, dass die Zuschauer selbständiger, wählerischer und durch die digitalen Medien kreativer im Umgang mit dem Medium Film geworden sind. Wer zwischen Special Features, Interviews und Lieblingsszenen auf seiner DVD hin und herzappt, ist mit schwerfälligen Langweilern nicht mehr zufrieden.

Wenn der Blockbuster auf der großen Leinwand überleben will, muss er wie Jacksons Film Großes wollen, ohne maßlos zu sein; sein Prinzip auf die Spitze treiben und dabei gleichzeitig mit Witz konterkarieren. Der Übertrumpfungswahn hat ausgespielt: Es gibt schließlich immer einen noch größeren Jäger, der einem das kostbarste aller Beutestücke streitig machen will - das Publikum.

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insgesamt 76 Beiträge zum Forum...
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23.01.2010 von sitiwati: nachgemaches

ist eben nur nachgemachtes, letztes kam der SCHAKAL, neu, 10 min AUS Knopf! mehr...

18.01.2010 von takeo_ischi:

Mindestens einmal im Jahr auf Pro7. Ansonsten auf DVD oder Video on demand. War aber recht enttäuschend und langweilig, bis auf ein paar Donkey Kong vs. Jurassic Park Metzeleien... Das Original war besser. mehr...

06.03.2006 von VUPR:

Die Umsetzung ist sicherlich sehr zeitgemäß. Es ist teuer, es ist gigantisch, es wird ein riesiger Werbeaufwand betrieben. Meiner Meinung nach hat Jackson den Film gemacht, weil er die Botschaft gut findet, die ungefähr so [...] mehr...

06.03.2006 von charcharinus:

Überhaupt nicht. Was sollen auch immer wieder diese "Remakes". Gibt es keinen anderen Stoff, kein anderes Thema mehr, dass zu verfilmen sich lohnen würde? mehr...

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