Es wird schon eine Weile her sein, seit Jess Francos Werk "Die Sex Dämonen" mit Anne Libert, Britt Nichols und Rosa Palomar zum letzten Mal ein wirklich breites Publikum fand. Das als Softsex-Horrorfilm klassifizierte Machwerk aus den frühen Siebzigern gilt als krudes Plagiat von Ken Russells "The Devils". Das Publikum des Brussels International Festival of Fantastic Film, das am Freitag begann und noch bis zum 25. März laufen wird, wird das wohl kaum abschrecken. Im Gegenteil: Trash ist Kult in diesen Kreisen.
So wirbt die Webseite des trashverliebten Events dann auch mit den besonderen Stärken und Qualitäten des Filmes, die bei einem "normalen" Festival wohl zum sofortigen Ausschluss führen würden: "Der Film verrührt Folter mit voll frontaler Nacktheit, als die Töchter einer verfluchten Hexe, von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt, das örtliche Kloster mit blasphemischen sexuellen und satanischen Taten entweihen. Eine der Schwestern offenbart gar ihr Talent für den 'Todeskuss', der Männer im Sinne des Wortes in billige Plastikskelette verwandelt."
Das ist wahrhaft schaurig, und so soll das auch sein: 150 Filme von harmloser Science Fiction bis zum Kettensägenmassaker haben die Organisatoren zusammengetragen, von Meisterwerken des Genres bis zu Filmen, die mit dem Begriff "B-Movie" äußerst schmeichelhaft beschrieben wären. Hauptsache seltsam, abseitig, die Phantasie auf Reisen schickend - für fünfzehn Tage wird Brüssel zu einem Mekka für Klein-Klingonen und Teilzeitvampire.
Es sind jedoch besonders die dunklen Filme, die abseitigen Horrorstreifen mit grottigem Gruft-Appeal, die es den Festival-Machern angetan haben. Zu den Stargästen des Festivals gehören neben Autoren und Regisseuren des blutigen Genres wie Tobe Hooper ("Poltergeist", "Texas Kettensägen Massaker") aber auch eher am Mainstream orientierte Größen wie Michael Ironside ("Starship Troopers", "Top Gun").
Und wie sich das für ein ordentliches Filmfestival gehört, besteht auch hier das Programm aus einem Wettbewerbs- und einem Unterhaltungsteil. Für die Produzenten neuer Horror- und Fantasyfilme geht es dabei um den "Raven-Award", der am Ende vergeben wird. Schwerpunkt des Unterhaltungsprogramms ist eine Retrospektive über - sagen wir mal - Religion, die den viel versprechenden Titel "Oh, mein Gott!" trägt.
Keine Frage: So richtig ernst nehmen sich diese Kulturschaffenden nicht, denn natürlich wird hier alles mit einem Augenzwinkern serviert. Ganz anders als bei anderen Filmfestivals ist auch das kulturelle Rahmenprogramm. Ein Höhepunkt dürfte da der Bodypainting- und Make-Up-Wettbewerb sein, der das Festival bis zum 23. März täglich begleitet und ein echtes Mitmach-Event ist: Eine Startgebühr gibt es nicht, teilnehmen darf von 18 bis 23 Uhr jeder, und am Ende gibt es etwas zu gewinnen - Make-Up natürlich.
Alles weitere zu diesem schrillen Event ist der Webseite des Festivals zu entnehmen
Frank Patalong
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