Los Angeles/Hamburg - "Poseidon Inferno", 1972 von Ronald Neame gedreht, ist einer der großen Katastrophenfilme der Siebziger. Gene Hackman als vom Glauben abfallender Priester, Shelley Winters als übergewichtige Ex-Wettkampfschwimmerin, die der kleinen Gruppe Überlebender an Bord eines gekenterten Luxusliners das Leben rettet - der Stoff, aus dem die Kinolegenden sind.
Das dachte sich wohl auch Wolfgang Petersen, der sich mit seinem Remake "Poseidon" nach "Das Boot" und "Der Sturm" erneut den Fährnissen des Ozeans aussetzte. Statt Gene Hackman gibt es die Ex-Klapperschlange Kurt Russell als Anführer des Survivor-Trupps zu sehen. Die spektakuläre Flutwelle, die das Kreuzfahrtschiff auf den Kopf stellt, konnte man indes schon im Trailer bewundern.
Vielleicht erklärt diese Vorwegnahme des größten Spezialeffektes auch den mangelnden Erfolg an der Kinokasse. Denn "Poseidon", am Freitag in Nordamerika und Kanada gestartet, konnte bis Sonntagabend nur geschätzte 20,3 Millionen Dollar umsetzen. Solide, aber zu wenig, gemessen am 150-Millionen-Dollar-Budget des potenziellen Blockbusters.
Den Spitzenplatz der Box-Office-Charts verteidigte Tom Cruise als Agent Ethan Hunt in "Mission: Impossible III" mit 24,5 Millionen Dollar Umsatz in der zweiten Woche. Das Action-Spektakel von TV-Regisseur JJ Abrams büßte gut 49 Prozent seines Vorwochen-Umsatzes ein.
Überhaupt war es das erste Wochenende seit knapp zwei Monaten, an dem die Ticketverkäufe in den USA unter Vorjahresniveau sanken. 13,5 Prozent niedriger als 2005 lagen die Umsätze der Top 12, ein Rückschlag für die Branche, die nach sieben Wochen Umsatzsteigerung glaubte, die Talsohle der Kinoflaute durchschritten zu haben.
Weitere Neustarts des Wochenendes liefen ebenfalls mit mageren Ergebnissen an: Die turbulente Wohnmobil-Komödie "RV" schaffte es trotz Hauptdarsteller Robin Williams und Regisseur Barry Sonnenfeld ("Men in Black") nur auf Rang drei und spielte 9,5 Millionen Dollar ein. Die romantische Komödie "Just My Luck" mit Teenager-Idol Lindsay Lohan spielte gar nur 5,5 Millionen Dollar ein und landete auf Platz vier. Rang fünf ging an das in der Vorwoche gestartete Gothic-Drama "An American Haunting" mit Donald Sutherland und Sissy Spacek.
Gespannt wartet die Kinoindustrie nun auf den Start weiterer Blockbuster-Kandidaten. Die lassen nicht lange auf sich warten: Bereits am Freitag treten in den USA zwei weitere Publikumsmagneten gegeneinander an: Ron Howards Bestseller-Verfilmung "The Da Vinci Code" mit Tom Hanks und der neue Dreamworks-Animationsfilm "Over the Hedge" ("Ab durch die Hecke"), die Geschichte eines durchgeknallten Waschbären und seines Partners, einer Schildkröte - unter anderem mit den Stimmen von Bruce Willis und William Shatner.
Auch in den deutschen Kinos herrschte eher Flaute am vergangenen Wochenende. "Mission: Impossible III" blieb geschätzten 245.000 Besuchern die Spitzenposition der Kinocharts, wartet aber immer noch auf den großen Besucherandrang, der jedoch eine Woche vor "Da Vinci Code" kaum noch kommen wird. Nach 10 Tagen kommt der Actionfilm laut "Blickpunkt: Film" auf insgesamt rund 700.000 Besucher.
Der Animationsfilm "Ice Age 2 - Jetzt taut's" war an seinem sechsten Wochenende immer noch gut für etwa 130.000 Zuschauer und schaffte es damit als erster Film seit "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" (2004), die Acht-Millionen-Zuschauer-Hürde zu nehmen. Als bester Neustart setzte sich die mit 310 Kopien gestartete Computerspielverfilmung "Silent Hill" auf Platz drei durch: Geschätzte 110.000 Kinogänger reichten aus, um den zweiten größeren Neustart der Woche, "Asterix und die Wikinger", auf Rang vier zu verbannen. Der Zeichentrickfilm lockte mit 516 Startkopien rund 105.000 Besucher. "Scary Movie 4" beschließt die Top Fünf mit knapp 70.000 Zuschauern. Etwa 1,1 Millionen Tickets wurden in Deutschland verkauft.
bor/AP
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