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13.07.2006
 

"Poseidon"-Regisseur Petersen

"Ich dachte, es wird schon gutgehen"

Nach fünf Blockbustern hintereinander erlebte Wolfgang Petersen mit "Poseidon" eine Niederlage an der US-Kinokasse. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der 65-jährige Regisseur über mögliche Fehler, seine persönlichen Konsequenzen und den Fluch des "Da Vinci Code".

SPIEGEL ONLINE: Herr Petersen, "Poseidon" handelt von einem sinkenden Schiff. Auch Ihr Film ist an den US-Kinokassen untergegangen.

Petersen: Er ist nicht gut gelaufen, das stimmt. Aber international sieht das Ganze um einiges besser aus. Die Erfahrung habe ich auch schon bei "Troja" gemacht. Das ist also nichts Neues.

Regisseur Petersen (bei den Dreharbeiten zu "Poseidon"): "Riesige Begeisterung"
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DPA

Regisseur Petersen (bei den Dreharbeiten zu "Poseidon"): "Riesige Begeisterung"

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem – "Poseidon" dürfte es schwer haben, seine Produktionskosten von rund 160 Millionen Dollar im Kino einzuspielen. Woran liegt das?

Petersen: Ich glaube schon, dass wir das Produktionsbudget am Box Office hereinholen. Natürlich war das Timing des US-Starts äußerst unglücklich. "Mission Impossible 3" und der "Da Vinci Code" haben uns ganz schön überrollt. Und danach kam auch noch "X-Men 3", der ebenfalls sehr gut lief. Ich hatte schon frühzeitig versucht, das Studio zu einem anderen Datum zu bewegen. Aber Manager lassen sich nur schwer von solchen Terminen abbringen. Das sieht immer so aus, als hätte man Angst oder Probleme.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben dem Hollywood-Studio Warner Bros. in den letzten Jahren eine riesige Erfolgsserie beschert. Das müsste Ihnen doch eigentlich einen gewissen Einfluss sichern.

Petersen: Ich habe einfach nicht genügend Widerstand geleistet. Wenn du den Erfolg gewöhnt bist, denkst du dir: Es wird auch hier schon wieder gut gehen.

SPIEGEL ONLINE: Umso größer war die Überraschung, als es nicht gut ging?

Petersen: Ich hatte es schon befürchtet. In den Wochen vor dem Start ermittelt das Studio mit Umfragen, wie stark das Interesse für einen Film ist. So wussten wir, wie sehr wir von Tom Cruise und Tom Hanks überschattet werden. Das konnten wir nicht mehr umbiegen.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht hätte Ihr Film auch ein paar Stars gebraucht.

Petersen: Ja, aber das lehnte ich bewusst ab. Das passte nicht zur Natur der Geschichte. Der wahre Star war das Konzept. Ich bin mir auch nicht sicher, wie viel uns Stars gebracht hätten. Die Amerikaner sind momentan in einer psychologischen Stimmung, in der sie reinen Eskapismus brauchen, also keine Desaster-Szenarien, die ihnen auf den Magen schlagen.

SPIEGEL ONLINE: Wusste man das nicht auch schon vor Drehbeginn?

Petersen: Ich ging schon davon aus, dass sich auch das US-Publikum für solche Geschichten interessiert. Immerhin kann jeden von uns so ein Schicksal ereilen. Sicher war ich mir zwar nicht, aber was ist im Filmgeschäft schon sicher. Ich mache jedenfalls nie einen Film, bei dem ich im Vorhinein weiß, dass es Probleme mit dem Publikum geben wird. Abgesehen davon: Als Hurrikan Katrina zuschlug, steckten wir längst in den Dreharbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Sie setzen - wie Ihre Konkurrenten - auf große Schauwerte. Hätten Sie vielleicht die Charaktere von "Poseidon" stärker herausarbeiten müssen, um dem Film mehr Durchschlagkraft zu geben?

Petersen: Das haben wir getan. Aber beim Schnitt habe ich das Tempo des Films dann doch mehr angezogen. Es widerspricht einfach der Logik der Situation, dass sich Leute mitten in einem Schiffsuntergang hinsetzen und über ihr Leben reden. Normalerweise zucken Schauspieler zusammen, wenn ihre Szenen gekürzt werden, aber hier hatten sie Verständnis dafür. Ich gebe zu, es war eine schwierige Entscheidung, und ich habe dafür auch einige Kritik bekommen. Aber ich finde sie nach wie vor richtig.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind also mit "Poseidon" zufrieden?

Petersen: Absolut. Ich habe den Film wie alle Beteiligten mit einer riesigen Begeisterung gemacht. Normalerweise kannst du schon beim Dreh spüren, dass etwas nicht richtig läuft. Und hier war das überhaupt nicht der Fall. Ich halte "Poseidon" für einen überaus packenden Film – im Prinzip hätte er auch in den USA wesentlich mehr Zuschauer finden müssen.

SPIEGEL ONLINE: Wie stark geht es Ihnen persönlich nah, dass es nicht geklappt hat?

Petersen: Sehr. Für mich gibt es nichts anderes auf der Welt als Filmemachen. Darin investiere ich meine ganze Leidenschaft. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das ist mir egal.

SPIEGEL ONLINE: Gibt das Studio eigentlich zu, dass der Starttermin nicht so gut gewählt war?

Petersen: Niemand sagt es direkt. Schuldzuweisungen gibt es da keine. Aber wenn ich mit den Managern spreche, merke ich schon, dass sie im Nachhinein die Sache etwas anders sehen. Da fallen schon Sätze wie "Wer hätte gedacht, dass 'Da Vinci Code' so ein Riesending wird?"

SPIEGEL ONLINE: Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus diesem Verlauf der Dinge?

Petersen: Erstmal werde ich künftig meinen Instinkten folgen und mit Nachdruck für ein Startdatum kämpfen, das mir richtig erscheint. Das große Spiel, das mit solchen Filmen verbunden ist, möchte ich künftig stärker bestimmen. Andererseits bin ich nicht mehr auf Gedeih und Verderb auf den nächsten großen Hit aus. Ich werde ganz sorgfältig nach einem Stoff suchen, der einen wirklich herausragenden Film ergibt. Das ist meine einzige Maxime. Aus der Euphorie des Drehs von "Poseidon" hatte ich mir bereits Studiohallen bei Warner Bros. reserviert, um im Herbst einen großen Sommerfilm für 2007 zu machen. Aber das habe ich inzwischen abgesagt. Ich lasse mir die notwendige Zeit, um mein nächstes Projekt zu finden. Die Es-wird-schon-wieder-klappen-Haltung habe ich aufgegeben.

Das Interview führte Rüdiger Sturm

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