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09.08.2006
 

"Open Water 2"

Horror, Marke Deutschland

Von Bert Rebhandl

Der Weltmarkt ist so offen wie das Meer: Mit dem Low-Budget-Thriller "Open Water 2", in dem sechs Leute ins Wasser fallen und nicht mehr zurück ins Boot können, lernt auch der Filmstandort Deutschland die Lektionen der Globalisierung.

Drei Paare und ein Baby sind die Passagiere einer Yacht, die gemütlich durch die Karibik treibt. Die Segel sind eingeholt, der Alkohol fließt in Strömen, die Sonne scheint satt. Da ist der Draufgänger Dan (Eric Dane), dem vermeintlich das Boot gehört. Seine Freundin Michelle (Cameron Richardson) trägt den knappsten Bikini. Zach (Niklaus Lange) ist der sportliche Typ, seine Freundin Lauren (Ali Hillis) teilt seinen Bewegungsdrang. Nur Amy (Susan May Pratt) ist widerwillig auf dem Boot. Sie hat erst vor kurzer Zeit ihr Baby Sarah auf die Welt gebracht. Ihr Ehemann James (Richard Speight jr.) ist ein Softie und – in den Augen von Dan, der früher einmal Amys Freund war – nur eine Zweitbesetzung.

Ein kleiner Törn lockert aber auch die Stimmung von ängstlichen Menschen, und so ist die Party bald in vollem Gang. Zur Abkühlung tut ein Sprung ins Wasser gut. Die zögernde Amy wird einfach hineingeworfen. Es ist der entscheidende Moment in Hans Horns Thriller "Open Water 2". Denn die jungen Leute vergessen, die Leiter auszufahren, auf der sie wieder zurück an Bord könnten. Nach kurzer Zeit schon begreifen sie, dass sie in einer schrecklichen Lage sind: Über einen Meter ragt die nassglatte Bordwand vor ihnen in die Höhe. Sie haben keine Möglichkeit, sich hochzuziehen. Rundherum erstreckt sich endlos der Ozean. In der Kabine schläft das Baby Sarah friedlich – doch wie lange noch?

"Open Water 2" ist ein typischer Low-Budget-Film, mit einem Drehbuch, das sich auf das Notwendigste beschränkt, und Darstellern, die sonst in Filmen mit Titeln wie "Painkiller Jane" auftreten oder sich mit Nebenrollen in TV-Serien wie "CSI: Miami" oder "Entourage" durchbringen. Ungewöhnlich ist allenfalls, dass es sich hier um einen deutschen Film handelt, mit einem Regisseur von der Filmhochschule München, einer Münchner und einer Berliner Produktionsfirma, gedreht und vertrieben auch mit Hilfe von Subventionen des halböffentlichen Filmförderungsfonds Bayern.

Sieben Jahre hat Hans Horn nach seinem Kurzfilm "Easy Day", in dem immerhin Franka Potente mitgespielt hat, in Hollywood zugebracht. Außer einem zwischenzeitlichen Engagement in der Heimat – er drehte den TV-Thriller "Der Bunker" für ProSieben – ist dabei wenig herausgekommen. Inzwischen hat sich aber auch in Deutschland die Filmlandschaft ein wenig verändert. Die Produzenten haben das Potential von kleinen Formelfilmen erkannt, bei denen es nicht auf Originalität ankommt, sondern darum, möglichst effizient mit bekannten Motiven und Standardsituationen der Genres umzugehen. Wenn man so will, hat das deutsche Kino den B-Film wieder entdeckt, dieses Mal mit Absicht und Methode und nicht mit dem Ungeschick, das so manchen deutschen Spannungsfilm der jüngeren Zeit prägte.

"Open Water 2" hieß ursprünglich "Adrift". Weil die Geschichte aber "Open Water" von Chris Kentis, einem amerikanischen Low-Budget-Film aus dem Jahr 2004, stark ähnelte, entschlossen sich die amerikanischen Verleiher, die Hans Horns Salzwasserstrapaze inzwischen gekauft haben, einfach so zu tun, als handle es sich um ein Sequel. Bei Chris Kentis wurde ein Taucherpaar auf hoher See vergessen und später von Haien entdeckt, die im Verhältnis zu Steven Spielbergs Blockbuster "Der weiße Hai" stark nach Badewanne aussahen. Als Hans Horn schon vor längerer Zeit einem Produzenten von seiner Idee zu "Adrift" erzählte, bekam er als Antwort: "Das ist zu wenig für einen Film."

Deutsche Filmproduzenten, die auf den internationalen Markt drängen, sehen das anders. Orange Pictures in München haben schon auf jede erdenkliche Weise versucht, aus der Enge des hiesigen Markts auszubrechen. Von "Dead Fish", einem 15-Millionen-Dollar-Projekt mit Gary Oldman, ist die große Breitenwirkung nicht ausgegangen, und auch von einem Vorhaben über einen brasilianischen Straßenfußballer muss sich erst erweisen, ob es von der WM-Euphorie noch etwas mitnehmen kann. Mit "Open Water 2" erst wurde das Feld erreicht, in dem sich Rentabilität mit Recycling am besten verträgt: Horror im weitesten Sinn ist derzeit das Investorengenre. Was vor Jahren noch "dummes Geld" aus Deutschland war, das wahllos in amerikanische Produktionen floss, findet inzwischen gezieltere Verwendung.

So belanglos "Open Water 2" als Film ist, so interessant ist er als Produkt: Die Belieferung mit Dutzendware ist keine Einwegkommunikation mehr. Was an B- bis Z-Filmen lange Jahre fast ausschließlich aus den USA kam (und in den Nachtschienen der Privatsender endgelagert wurde), wird nun auch von Deutschland aus in die Welt geliefert: Malta ist die neue Karibik, Englisch das Esperanto des Genrekinos, nur für Til Schweiger gab es in diesem Fall keine Rolle als Vorzeigedeutscher im globalen Showbiz. Er hätte das Budget von "Open Water 2" auch deutlich gesprengt.

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