Weil der Mörder made in Germany nicht zur Verfügung stand, hat man jetzt einen aus Amerika: Ursprünglich sollte Tom Tykwers "Das Parfüm" die 63. Filmfestspiele eröffnen, die Verfilmung von Patrick Süßkinds Beststeller mit einem olfaktorisch hochbegabten Frauenkiller als Helden. Bernd Eichinger wollte den Film aber nicht dem Festivalbetrieb aussetzen, und so startet man am Lido heute abend mit "Die schwarze Dahlie".
Der Ersatz ist mehr als adäquat: Regie geführt hat Thriller-Altmeister Brian DePalma, in den Hauptrollen sind Josh Hartnett, Aaron Eckhart und Scarlett Johansson zusehen. Die "FAZ" sprach von einem Glücksfall für Venedig, und Glück kann die Lagunenstadt auch brauchen. Denn Mostra-Chef Marco Müller bekommt Konkurrenz aus Rom: Dort will man dieses Jahr ein eigenes Filmfest starten, ausgestattet mit einem großen Etat, der noch unter Berlusconi beschlossen wurde. Dessen Kulturpolitikern war das kunstsinnige Venedig nie staatstragend genug - deshalb der opulente Zuschuss für die Ewige Stadt.
Müller unkte gehässig, in Rom würden nur die Filme laufen, "die man weder in Cannes noch in Venedig haben wollte", italienische Zeitungen bauschten die Situation bereits zum "Krieg der Festivals auf". Tatsächlich liegen die beiden Veranstaltungen "zeitlich doch sehr nahe beieinander", wie Kulturminister Francesco Rutelli zugeben musste. Der Politiker wird deshalb noch diese Woche zu einer Krisensitzung an den Lido kommen.
Weitaus glamouröser sind die Stars, die man in Venedig erwartet, die großen Regisseure und ihre Filme: David Lynchs neues Werk "Inland Empire" wird zu sehen sein, Oliver Stones "World Trade Center", Neil LaButes "Wicker Man" mit Nicolas Cage und Ellen Burstyn in den Hauprollen. Die Nebenreihe präsentiert unter anderem Spike Lees New-Orleans-Doku "When the Levees Broke", auch ein neuer Film von Alain Robbe-Grillet soll laufen. 21 Wettbewerbsbeiträge sind angekündigt, vier stammen aus den USA, kein einziger aus Deutschland. Dafür geht Thailand zum ersten Mal ins Rennen um die Löwen.
Wird Rom dem ältesten noch bestehenden Filmfestival der Welt den Rang ablaufen? Viel wahrscheinlicher ist, dass, wie die "Berliner Morgenpost" mutmaßte, eine andere Bedrohung die Biennale nachhaltig schädigt: "Videopiraterie und Terroristen".
dan
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