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14.11.2006
 

Woody Allens "Scoop"

Alter, wie amüsant

Von Daniel Haas

Schon komisch, wenn Woody Allen einen abgetakelten Magier auf Mördersuche spielt: Seine Gags können uns immer noch verblüffen – vor allem, wenn ihm eine zauberhafte Scarlett Johansson assistiert.

"Älter werden ist nichts für Feiglinge", soll Mae West einmal gesagt haben. Ist Woody Allen demnach ein Held der Methusalem-Generation? Einer, der mutig die schönsten Jungstars unter 30 für seine Filme verpflichtet, an deren Seite er umso trister und abgebauter wirken muss? Oder ist er ein Angsthase, der sich mit Filmen wie "Scoop" versichert, dass er immer noch sexy ist - vielleicht nicht körperlich, dafür aber rhetorisch, was für den intellektuellen Quassler Allen seit jeher die erotischste Form des Austauschs war?

Vielleicht liegt hierin die Raffinesse dieses Films: dass sich Amerikas größter Komödienregisseur endgültig aufs Altenteil befördert, in dem er einen tattrigen Bühnenmagier spielt, dessen vornehmliches Talent nicht im Zaubern, sondern im Zaudern besteht. Und dass er dabei doch der Mann an Scarlett Johanssons Seite ist, die als aufstrebende Jungjournalistin den alten Zausel nicht nur als Helfer und Sidekick braucht, sondern vor allem als Partner fürs Plappern und Plaudern und Witzemachen.

Natürlich gibt es einen romantischen Helden in "Scoop", einen reichen Earl (Hugh Jackman), den Sid Waterman (Allen) und Sondra Paretsky (Johansson) des Mordes überführen wollen. Die Idee eingeflüstert hat ihnen ein toter Reporter, der Sondra in einer von Sids Zaubershows erschien. Sondra verknallt sich in den Aristokraten, und Sid hat am Ende alle Mühe, seine Schutzbefohlene vor dem bösen Blaublütler zu retten.

Die Chemie von Johansson und Jackman hat die Qualität eines Pups im Fahrstuhl: Man kann über soviel lieblose Regie nur die Nase rümpfen. Dafür sind Allens und Johanssons Szenen hinreißend, auch wenn Hollywoods neues Supergirl weniger komisches Talent hat als Drew Barrymore, Christina Ricci oder Jennifer Tilly, die Allen ebenfalls für sein Komödienkino verpflichtete.

Der Theaterveteran Waterman jedenfalls findet im investigativen Drive der schönen Sondra den perfekten Widerpart für seinen eloquenten Altersstarrsinn. Dieser Stadtneurotiker muss nicht mehr den Körper der Frau erobern, sondern den eigenen verteidigen: "Aufregung? Aufregend ist ein Dinner ohne Sodbrennen", wehrt sich Sid gegen die Zumutungen des Detektivseins; den Vorwurf der Altersträgheit lässt er nicht gelten. "Ich nehme nie zu, meine Angstneurose hat die Wirkung von Aerobic!"

Früher quatschten sich die Allen'schen Helden mit solchen Gags um Kopf und Kragen und manchmal auch ins Bett einer Umschwärmten, heute sind sie die auf Pointen eingedampften Resumees einer Künstler- und Komikervita, die mit einem großen Vanitas überschrieben ist. "Das Problem ist die Beliebigkeit und die zeitliche Begrenztheit unserer Existenz", erklärte der Regisseur unlängst in einem Interview. "Alle Menschen, die wir lieben, werden wir verlieren oder sie uns."

Fatalismus gibt also den Ton an, deshalb hat diese Varieté-Schnurre einen Galgenhumor, der Komödien wie "Im Bann des Jade Skorpions" und "Hollywood Ending" noch fremd war. Die Besetzung von Johansson verstärkt diesen Effekt erheblich: Neben dem Sexsymbol wirkt Allen wie einer der Morituri der Kinogeschichte, ein Mitspieler auf Zeit.

Doch der Regisseur will das Feld noch lange nicht räumen, ein weiterer London-Film ist geplant (er wird nach "Matchpoint" und "Scoop" Allens englische Phase beschließen); anschließend soll in Barcelona gedreht werden, angeblich mit Penelope Cruz. Um den "erbärmlichen, übelriechenden, nicht funktionierenden Krüppel", wie der Schriftsteller Philip Roth den alt werdenden Mann beschreibt, sollen sich andere kümmern. Allen gibt den Künstler-Greis, aber immer noch mit so viel verbalem Sex-Appeal, dass Hugh Jackman dagegen auf geriatrische Weise öde wirkt.

Woody Allen wird am 1. Dezember 71, jetzt kommt er auch auf der Leinwand in die Jahre. Der Regisseur ist alt geworden. Und mutig.

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