Bukarest – Die Bewohner des rumänischen Dorfes Glod wohnen in Holzhütten, es gibt keinen Wasseranschluss und keine Kanalisation – eine kräftige Finanzspritze wäre bitter nötig.
Ein berühmtes Anwaltsduo will dafür sorgen, dass der Traum vom großen Geld Realität wird: Michael Witti aus München und Ed Fagan aus New York vertreten jetzt zwei der Einwohner vor Gericht und wollen, so sie Recht bekommen, 30 Millionen Dollar Schadensersatz für ihre Mandanten erstreiten. Dass sie das nicht ganz uneigennützig tun, liegt auf der Hand, denn aufsehenerregende Prozesse, bei denen es um sehr viel Geld geht, sind ihre Spezialität: Sie waren oder sind an so lukrativen Prozessen wie dem Verfahren um die Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter, die Patientenklage gegen Lipobay oder bei der Nazi-Gold-Klage gegen deutsche Großbanken beteiligt. Auch die Opfer des Seilbahn-Unglücks von Kaprun vertreten sie vor dem Europäischen Gerichtshof.
Die Kläger sind Spriridon Ciorobea, der im Film als "Schweißer und Abtreibungsgynäkologe" vorgestellt wird und Nicolae Todorache, der als "Dorfvergewaltiger" bezeichnet wird. Beide Männer hatten als Statisten mitgewirkt und klagen nun darüber, nicht ausreichend über den Inhalt des Filmes informiert worden zu sein. Die Produktionsfirma hätte ihnen erklärt, sie würden einen Dokumentarfilm drehen, der ihr Dorf vorstelle – dass sie in einem Spielfilm mitwirken, sei ihnen nicht bekannt gewesen.
Ciorobea ist im Film nur kurz zu sehen. Todorache, dem eine Hand fehlt, hatte Borat eine Gummifaust von seiner Reise in die USA mitgebracht. Der Dorfbewohner sagt, er habe erst später erfahren, dass es in Wahrheit ein Riesen-Dildo war, der ihm an den Stumpf seines Armes montiert wurde und mit dem er in der Schlusssequenz des Films umherwedelt.
Am 4. Dezember soll der Prozess vor dem Bundesgericht in New York eröffnet werden. Insgesamt sechzehn Parteien müssen sich dort verantworten - neben Twentieth Century Fox, Produktionsfirmen, Produzenten und Drehbuchschreiber. Es soll aber nicht nur um Schadensersatz gehen, sondern darum, dass sich die Filmproduzenten bei allen Roma entschuldigen.
amg/dpa
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