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Filmrevolution Die Formel für den perfekten Film

2. Teil: Lesen sie im zweiten Teil, wie überschätzt Stars werden

Die ersten Bewährungsproben auf die Formel, die vor mehr als drei Jahren stattfanden, fielen jedoch erstaunlich gut aus; es waren erst Fernsehstoffe, dann Filmprojekte, und immer kam heraus, dass die Produzenten zweistellige Millionenbeträge hätten sparen können, wenn sie dem Orakel gefolgt wären. Das Interesse wuchs in einer Branche, die seit Jahrzehnten auf Stars schwört und einen historisch gut dokumentierten Hang zu finanziellen Exzessen hat. "Was unser System ausmacht", sagt Copaken mit der Selbstgewissheit des erfahrenen Anwalts, "ist seine unbarmherzige Objektivität. Hollywood ist ein komplexes Gebilde mit Verpflichtungen und wechselseitigen Abhängigkeiten. Angst kommt der rationalen Analyse oft in die Quere. Wir dagegen konzentrieren uns ganz auf die Wahrheit eines Drehbuchs."

Es waren dann aber wohl weniger Wahrheit und Objektivität, welche die Studios neugierig machten. Es war vor allem verlockend, dass die langen Untersuchungsberichte, die Copaken immer selbst schreibt, nur kleine, unscheinbare Verbesserungsvorschläge enthielten, die nicht viel Geld kosten, wohingegen Hollywood siechen Drehbüchern am liebsten durch einen großen, teuren Star aufhilft. "Aber ein Star", sagt Copaken, "kann ein schlechtes Drehbuch nicht retten. Schauen Sie sich nur die fünfzig erfolgreichsten Filme an, viele von ihnen wurden mit Schauspielern gemacht, die zu der Zeit noch gar keine Stars waren."

Aber ist ein Drehbuch nicht bloß eine Blaupause? Fügen ihm nicht Regisseur, Schauplatz und eben ein Leonardo DiCaprio oder eine Julia Roberts etwas hinzu, was erst den Erfolg ausmacht? Hat nicht der falsche Regisseur schon oft ein gutes Drehbuch ruiniert? Die Männer von Epagogix lächeln bei solchen Fragen wissend. Man bestreite ja die Macht der Stars gar nicht, es ginge nur um die vernünftige Proportion ihrer Gagen zum Budget und zum prognostizierten Erfolg des Films. Und als habe er die Fragen erwartet, erinnert Meaney an Schwarzenegger, an seinen Appeal als Actionheld, an seine Ausflüge ins Komödienfach, an seine schwindende Popularität – so etwas berücksichtige das System natürlich, es werde ja ständig mit neuen Daten gefüttert.

Paradies für Investoren

Das heißt, setze ich nach, die Formel kann also auch die Wahl eines bestimmten Schauspielers in Dollars taxieren? Natürlich ist die Antwort ein kunstvolles Ausweichmanöver. Einen geeigneten Typus könne man vielleicht ermitteln, sagt Meaney und wählt als Beispiel den "Paten": "Wir können uns den Film nur mit Brando und Pacino vorstellen, aber wer sagt denn, dass nicht auch de Niro oder jemand ganz anderes den Part von Pacino mit demselben Erfolg hätte übernehmen können?" Im Kern, fügt er hinzu, "geht es immer nur um die Story". Ein Steven Spielberg, man hat es oft genug gehört, sagt in Interviews auch nichts anderes.

So laufe ich im Gespräch immer wieder gegen eine von Höflichkeit gepolsterte Wand. Meaney verrät auch, dass er mich vor dem Besuch gegoogelt habe, und deutet an, dass er meine Vorlieben ahne. Es ginge ja nicht darum, sagt er deshalb unaufgefordert, nur Drehbücher zu kapitalintensiven Blockbustern zu prüfen; man müsse seine Investitionen vernünftig streuen und kleineren Filmen ein angemessenes Budget geben. "Die Revenue optimieren", nennt Copaken das. Und das große Ziel? Hollywood zu einem Paradies für Investoren zu machen? Da nicken sie zustimmend.

Als Sean Verity sich verabschiedet hat, reden wir noch über Filme und Fußball, wobei Meaney erwähnt, dass Verity auch an der Finanzierung von Fußballvereinen mitgewirkt habe, und Meaney meint, dass angesichts der Summen, die inzwischen bewegt werden, auch im Fußball ein wenig Risikomanagement nicht schaden könnte. Erst das Kino, dann das Wetter, dann der Fußball. Da ist es auch nicht mehr weit bis zur Weltformel.

Die Filmflüsterer

Und während ich mich durch den Londoner Nachmittagsverkehr kämpfe, bleibt das Rätsel: Wer sind diese Männer von Epagogix, deren Firmenname von Aristoteles stammt, bei dem Epagoge den Weg induktiven Lernens bezeichnet – "Experience. Knowledge. Prediction" steht auf der kargen Firmenhomepage. Sind sie kühle Rechner, die eine für ihr enigmatisches Geschäftsgebaren bekannte Branche Effizienz lehren wollen? Genies, welche die Geheimformel gefunden haben, wonach die Branche seit Jahrzehnten sucht? Oder sind sie gerissene Geschäftsleute, die Hollywoods latente Heilserwartungen geschickt für sich auszunutzen wissen, ohne dass man deshalb von Schwindel sprechen könnte? Wunderheiler, Filmflüsterer, die strotzende Gesundheit für kränkelnde Drehbücher versprechen?

Schwer zu sagen. Sicher ist nur: Wenn Epagogix mit der Formel Erfolg hat, wenn immer mehr Kunden sie anwenden, dann wird die Filmbranche, wie wir sie kennen, nicht wiederzuerkennen sein. Es wäre so etwas wie eine friedliche Revolution. Wenn, wie gesagt, wenn die Formel funktioniert.

Mit freundlicher Genehmigung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"

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