Mittwoch, 10. Februar 2010

Kultur



Berlinale 2007

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
08.02.2007
 

Berlinale-Eröffnung

Die Piaf gibt den Ton an

Das klingt nach einem angemessenen Auftakt: Die Berlinale startet mit dem Biografiefilm "La Vie en Rose" über Edith Piaf. Der Spatz von Paris singt heute Abend für die Hauptstadt.

Berlin - Sie ist nicht nur in Frankreich eine Legende: Lieder wie "Non, je ne regrette rien" und "Milord" sind weltberühmt. Auch fast 44 Jahre nach ihrem Tod ist der Name Edith Piaf Synonym für französische Chansons. Doch hinter der glänzenden Fassade steckte eine gebrochene Frau, die mit Krankheiten und Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte.

Piaf-Darstellerin Cotillard als Edith Piaf in "La vie en Rose"
Zur Großansicht
berlinale.de

Piaf-Darstellerin Cotillard als Edith Piaf in "La vie en Rose"

Regisseur Olivier Dahan hat das Leben der berühmtesten Sängerin Frankreichs anrührend auf die Leinwand gebracht. "La Vie en Rose" mit Marion Cotillard, 31, in der Hauptrolle wird heute Abend die 57. Internationalen Filmfestspiele in Berlin eröffnen.

Edith Piaf wurde am 19. Dezember 1915 als Edith Giovanna Gassion in ärmlichen Verhältnissen in Paris geboren. Sie wuchs bei ihrer Großmutter auf, die ein Bordell führte. Die Prostituierten sollen sich rührend um das kränkliche Mädchen gekümmert haben (Nach einer Hirnhautentzündung erblindete Edith Piaf sogar vorübergehend.) Doch die Idylle in der Ersatzfamilie währte nicht lange. Ediths Vater, Louis Gassion (Jean-Paul Rouve), der bei einem Wanderzirkus arbeitete, holte seine Tochter zurück und nahm sie gegen ihren Willen mit auf Tour.

Als Jugendliche sang sie mit ihrer Freundin Momone (im Film: Sylvie Testud) auf der Straße, bis der Kabarettbesitzer Louis Leplée (Gérard Depardieu) sie entdeckte und den Grundstein für ihre Karriere legte. Die Piaf zog mit ihrer Stimme alle in den Bann, wurde gefeiert und hofiert. Schnell gewöhnte sie sich an den Glamour des Showbiz, ließ keine Party, keinen Drink aus. Und sie verliebte sich in den Boxer Marcel Cerdan (dargestellt von Jean-Pierre Martins), der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Die Piaf tröstete sich mit Drogen, pendelte später zwischen Krankenbett und Rampenlicht.

"La Vie en Rose" zeigt den "Spatz von Paris" als niedliches Mädchen, cholerische und herrschsüchtige Diva und als bedauernswerte kranke Frau. Mit 47 Jahren, kurz vor ihrem Tod, sieht die einst gefeierte Sängerin Jahrzehnte älter aus.

Der Film erzählt nicht chronologisch, springt zwischen den Zeiten hin und her, präsentiert die Piaf als Kind, als gebrochene Frau, als wilden Teenager, kurz vor ihrem Tod, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Singend auf der Bühne zeigt Dahan ("Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse") seine Hauptdarstellerin eher selten. Ein Abspulen alter Hits in "La Vie en Rose" kam nicht in Frage, es geht vielmehr um die private Person hinter der Star-Persona.

Cotillard ("Taxi", "Ein gutes Jahr") verkörpert den französischen Nationalmythos eindrucksvoll und facettenreich: Ihr sanftes, verschämtes Lächeln kann blitzschnell in einen Wutausbruch umschlagen. Nie gibt die fragile Sängerin im schwarzen Kleid ihre gebückte, etwas unbeholfen wirkende Haltung auf, schwankt zwischen Naivität und Neurose.

Dahan hat mit "La Vie en Rose" einen bewegenden Film auf die Leinwand gebracht, der die Institution Piaf nicht verklärt - im Gegenteil. Auf die Frage, ob sie mit der Piaf hätte befreundet sein können, antwortete Cotillard bei der Vorstellung des Wettbewerbs-Films heute allerdings: "Da habe ich überhaupt keinen Zweifel dran."

Ihre Rolle habe sie auch nach Drehschluss nicht so schnell ablegen können. "Es hat ein bisschen gedauert, wieder ich selbst zu werden", sagte sie. "Wenn Sie vier Monate im Entenschritt gelaufen sind, brauchen Sie ein wenig Zeit, um wieder normal zu gehen."

Nadine Emmerich/ddp

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH













Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern