Robert De Niro ist ein großer Schauspieler und ein begabter Regisseur. Ersteres demonstrierte der 63-jährige New Yorker in berühmten Filmen wie "Taxi Driver", "Raging Bull" oder "Der Pate II", letzteres gerade dieser Tage mit seinem CIA-Epos "Der gute Hirte". De Niro, dafür ist er in der Filmbranche bekannt, tut viel Gutes - nach dem 11. September gründete er ein Kino-Festival, um dem New Yorker Stadtviertel Tribeca wirtschaftlich auf die Beine zu helfen - und redet nicht drüber. Interviews, so er sie gibt, bestreitet er mit einsilbigen Antworten, sein Privatleben ist tabu, außerdem Themenbereiche wie Religion, Politik und Familie. Robert De Niro ist der wohl privateste Star, den man sich vorstellen kann - selbst "Vanity Fair" brauchte kürzlich gleich vier Anläufe, um mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Umso mehr erklärt sich die Begeisterung, mit der De Niro am Wochenende in Berlin empfangen wurde. Er war gekommen, um "Der gute Hirte" auf der Berlinale vorzustellen, setzte sich in Round-Table-Runden und stellte sich sogar den Fragen der Journalisten auf einer Pressekonferenz. Die präzisen wie desillusionierenden Antworten der schüchternen Schauspiel-Ikone sind schon jetzt legendär. Auf die Frage, warum haben er die Geschichte des Films auf diese Weise und nicht anders erzählt habe, sagte De Niro schlicht: "Weil der Drehbuchautor sie so geschrieben hat"
Man lege ihm das nicht als Arroganz oder Boshaftigkeit aus: Wahrscheinlich findet er, dass es zu solchen Dingen einfach nicht mehr zu sagen gibt. Das ist zwar einerseits schlecht fürs Geschäft mit Soundbites und O-Tönen, wie es in der Branche heißt, andererseits steigert solche Zurückhaltung auch den medialen Marktwert.
Lang erwartet, kurz gesagt
Volker Schlöndorff jedenfalls hatte sich für sein exklusives Gespräch mit De Niro am Sonntagmorgen in der American Academy ganz offensichtlich auf seinen wortkargen Counterpart eingestellt. Der Regisseur, 67, der in wenigen Wochen sein Solidarnosz-Drama "Straijk" in die Kinos bringt, hatte gemeinsam mit dem De-Niro-Freund und Ex-Botschafter Richard C.Holbrooke zum Kollegenplausch geladen - und die Presse war zahlreicher erschienen als das geladene Publikum.
In gemütlichen Ledersesseln und vor märchenhaft zugefrorener Wannsee-Kulisse ging es gleich richtig zur Sache: Schlöndorff schickte noch kurz ein kokettes "Ich bin ja kein großer Redner" vorweg (De Niro: "Ich auch nicht."), dann verwickelte er den graumelierten Method Actor in ein rund halbstündiges Gespräch übers Filmemachen im Allgemeinen und Speziellen. Das drohte, man ahnte es, bald etwas einseitig - und daher ermüdend - zu werden, zumal De Niro auf die hübschen Anekdoten Schlöndorffs zwar wohlwollend und interessiert, aber eben auf seine Art antwortete. "Sicher", "Ja, genau", "So ist es" oder "Genau so ist es" waren die Lieblingselemente seines Konversations-Baukastens.
Da hätte selbst ein Dauerredner wie Dieter Thomas Heck irgendwann die Segel gestrichen. So gab denn auch der tapfere Volker Schlöndorff zu, dass ihm nun nicht mehr so viel einfiele - und gab das Wort ohne viel Effekt an die Gäste weiter. Zum Glück hatte De Niro, der sich inzwischen wohl auch schon mit gebotener Selbstironie betrachten kann, einen Gastredner mitgebracht. Und der hieß Matt Damon.
Ein Jungstar spricht sich aus
Der Hauptdarsteller in "Der gute Hirte" hatte bereits am Vortag auf der Pressekonferenz für große Erleichterung bei der Presse gesorgt, als sich De Niro - siehe oben - partout nicht auf die Fragen der Journalisten einlassen wollte und Martina Gedeck aus dem Plappern gar nicht mehr herauskam. Damon aber, zu Unrecht als Langweiler geschmäht, hatte immer eine lustige Episode auf Lager und rettete mit jungenhaftem Charme die Veranstaltung.
So auch in der American Academy. Während die Journaille in einer kollektiven Übersprungshandlung immer lauter kicherte, je einsilbiger De Niro antwortete, ließ sich der leger in Sweatshirt und Jeans gekleidete Matt Damon einen Stuhl neben die beiden Ledersessel stellen und bestritt das Gespräch von da an sozusagen vom Katzentisch aus.
Wie Hohepriester und Adlatus wirkten die beiden Schauspieler, wie sie so nebeneinander hockten. Und Damon, der sagt, er habe beim Drehen des "guten Hirten" von De Niro viel gelernt ("Ich bin brav seinen Anweisungen gefolgt"), bewies, dass er zumindest bei der Rollenverteilung im Promotionplan gut aufgepasst hat. Mit launigen Kommentaren über seine professionelle Vorliebe für die deutsche Hauptstadt ("Berlin ist super, mal benutzen wir es als Berlin, mal als Moskau") sorgte er für die lockernde Stimmung, die eine ewas steifbeinige Veranstaltung wie diese, zumal um 10 Uhr morgens, dringend brauchte. Und De Niro? Konnte öffentlich auftreten, sich feiern lassen - und dabei trotzdem seinem Mythos treu bleiben.
So endete dieser Berlinale-Randtermin nach einer guten Stunde mit einer amüsanten Note. Hatte man etwas Interessantes erfahren? Nein, aber man hatte nicht nur einen, sondern gleich zwei große Schauspieler in Aktion erlebt.
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