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27.04.2007
 

Erschütternde Irak-Doku

Der Horrortrip der Screaming Eagles

Von Marc Pitzke, New York

2. Teil: Der Horror von Sadr-City

"Lass den Feind langsam sterben, Amen"

Steele hält ein gefaltetes Sternenbanner hoch. Von Ground Zero gerettet, behauptet er. "Unser Kampf begann mit dieser Flagge." Er ballt die Faust: "Es ist Zeit, jagen zu gehen!" Die Soldaten brüllen freudig zurück: "Hoo-ah!"

Und so geht's auf die Jagd. Erste Station: Kuweit. Sand und Langeweile. "Wir trainieren für einen Guerilla-Krieg, aber mit unseren Taktiken und Konventionen", sagt Murphy, ahnungsvoll. Im irakischen Samarra lauern sie auf einem Dach, mit Blick auf die goldene Kuppel der al-Askari-Moschee, ein Heiligtum der Schiiten. "Wir sind die härteste Gang in Samarra", prahlt Sergeant Brian Little, sonst Cop in New York.

Doch nichts passiert, obwohl sie sich jeden Tag mit Energy-Drinks aufputschen. "So ein Quatsch", sagt einer. "Wir warten auf nichts." Sie vertreiben sich die Zeit mit Videospielen und Lehrvideos über selbstgebastelte Bomben.

An Halloween bemalen sie sich die Gesichter - "wie Rambo" - und ziehen in die Nacht, um Aufständische zu jagen. "Schnappt sie euch", ruft Sergeant Terenas. "Killt sie, killt sie, killt sie noch mal." Zuvor noch ein gemeinsames Gebet: "Herr, rüste uns fürs Gefecht. Lass den Feind langsam sterben. Amen."

"Rumms!"

Leider werden die Soldaten am falschen Ort abgeladen. Kein einziger Aufständischer lässt sich blicken. Unverrichteter Dinge kehren sie zurück. "Ist zu lässig hier", klagt Herd. "Ich will dem Feind in die Augen gucken. Wie diese tapferen Helden, die in die Geschichte eingegangen sind."

Die Gelegenheit ergibt sich: Herd feuert auf ein Auto mit drei Zivilisten - Unschuldige, wie sich herausstellt. Einer stirbt. "Ein paar Tage lang fühlte ich mich schlecht", sagt Herd. "Jetzt denke ich nicht mehr wirklich darüber nach." Er kann darüber sogar schon wieder Witze reißen. Sie ziehen aus Samarra ab. Kurz darauf, im Februar 2006, wird die Moschee von einer Bombe zerstört - der Beginn des Bürgerkriegs.

Die Charlie Troop kommt nach Bagdad, ins Schiiten-Viertel Sadr City. Ihre Mission wird zur unmöglichen Farce. Die Gesetzlosigkeit des Viertels schockiert selbst Terenas. "Wir können absolut nichts dagegen tun. Wir dürfen nicht zurückschießen. Es ist degradierend und abscheulich." Sein Frust richtet sich gegen Washington: "Ihr habt diese Typen legitimiert!"

25. April 2006. "Rumms!", erinnert sich Murphy. Der Konvoi der Charlie Company fährt auf eine Bombe im Sand. "Ich dachte, ich sei tot", sagt Murphy. "Es tat höllisch weh." Ian Gallegos, der Einheitsarzt, rettet Murphy das Leben. Sein Bein kann er nicht retten.

"Ein letztes Mal auf den Irak gepinkelt"

Murphy kommt ins Walter Reed Militärhospital in Washington. "Mein Leben lang hatte ich Glück." Doch in Bagdad, da habe er es gleich geahnt: "Shit, jetzt bin ich dran." Seine Kameraden müssen noch ein paar Monate im Irak aushalten. Zum Abschied lässt Sergeant Terenas die Hose runter. "Ich habe ein letztes Mal auf den Irak gepinkelt."

Der Empfang in der Heimat ist peinlich patriotisch - ein krasser Gegensatz zum Frontdienst. Die Familien warten jubelnd in einem Hangar. "Ich will nur, dass das vorbei ist und ich nach Hause kann", sagt Terenas.

Die Generäle halten große Reden. Die Soldaten sind desillusioniert. Wofür sie im Irak gekämpft haben? "Bars, Alkohol, MTV, McDonald's", sagt einer. Ein anderer: "Wir kämpfen nicht für unser Land. Uns geht es nur um unsere Freunde und Buddys." Ein weiterer: "Das amerikanische Volk sollte sich fragen, ob es das wert ist, dass ein Junge sein Bein verliert."

Im Abspann erfährt der Zuschauer, dass Oberst Steele später einen Verweis erhielt, der seine Karriere faktisch beendete. Der Grund: Drei Soldaten seiner 101st bekannten sich schuldig, im Mai 2006 bei Samarra drei Iraker ermordet zu haben (der Prozess gegen einen vierten GI beginnt Anfang Mai). Oberst Steele meldete den Vorfall damals nicht nach oben.

Den nächsten Feldzug wird Steele also wohl nicht mitmachen. Obwohl er sich gegen Ende des Irak-Einsatzes vor seine Soldaten stellt, abermals die 9/11-Flagge in der Hand. "Kann sein", grinst er da, "dass wir sie jetzt sauber machen und nach Iran bringen müssen."

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