Los Angeles - Das US-Finanzministerium prüft, ob der erfolgreichen Regisseur bei den Dreharbeiten seines neuen Films "Sicko" ein Embargo der USA gegen Kuba missachtet hat. Die Behörde wirft Michael Moore vor, ohne die erforderliche Genehmigung in den Inselstaat eingereist zu sein, wie die Nachrichtenagentur AP heute berichtete. Der Filmemacher war im Februar mit zehn Arbeitern, die nach Rettungseinsätzen im Anschluss an den Terrorangriff auf das World Trade Center erkrankt waren, zur Behandlung nach Kuba geflogen. Zuvor soll er die Reise zwar beim Ministerium angemeldet, aber keine Genehmigung erhalten haben. Angeblich verweigerte Moore Angaben zur Ankunfts- und Abflugszeit. Auch den Grund des Trips sowie die Namen und Adressen seiner Begleiter teilte er der Behörde nicht mit.
Welche Strafen ein Verstoß gegen das Embargo nach sich ziehen kann, ist unklar. 2003 zahlten die New York Yankees 75.000 US-Dollar (rund 53.000 Euro) an die Regierung, die dem Baseball-Team vorgeworfen hatte, mit Geschäften in Kuba gegen das Embargo verstoßen zu haben. Um was es sich genau handelte, wurde nicht bekannt.
In seiner Dokumentation "Sicko" geht Moore mit dem amerikanischen Gesundheitssystem hart ins Gericht. Die Idee entwickelte der Filmer nach einer Sendung seiner Show "The Awful Truth". Darin inszenierte er vor dem Sitz einer Krankenversicherung, die einem Diabetiker eine Bauchspeicheldrüsentransplantation verweigert hatte, eine Beerdigung. Im vergangenen September präsentierte Moore auf dem Internationalen Film Festival in Toronto Auszüge aus seiner Dokumentation. Eine Szene zeigte eine Verletzte, die eine Krankenwagenfahrt nach einem Frontalzusammenstoß selbst bezahlen sollte. Der Grund: Sie hatte den Unfall nicht vorher angemeldet.
Moore ist einer der populärsten Kritiker der Bush-Regierung. In den vergangenen Jahren sorgten seine Bücher und vor allem seine Filme weltweit für Aufregung. Für seine Dokumentation "Bowling for Columbine", in der er die Waffenliebe der Amerikaner kritisiert, erhielt er 2002 einen Oscar. Auch mit dem Film "Fahrenheit 9/11" war der Oppositionelle erfolgreich. Hier bemängelte er den Umgang der Regierung Bushs mit den Ereignissen vom 11. September 2001.
Zu den aktuellen Ermittlungen des US-Finanzministeriums bezog der Regisseur zunächst keine Stellung. Angeblich ließ Moore aber eine Kopie von "Sicko" an einen sicheren Ort außerhalb der USA bringen. Damit will er verhindern, dass die Regierung den Film einzieht. "Sicko" hat am 19. Mai auf dem Filmfest in Cannes Premiere, wo er außer Konkurrenz gezeigt wird. Vom 29. Juni an soll die Dokumentation in den amerikanischen Kinos laufen. Die Ermittlungen des Finanzministeriums bringen Moore aller Wahrscheinlichkeit nach zwar einigen Ärger, wecken allerdings auch das öffentliche Interesse für den neuen Film.
"Ich erwarte nicht, dass Moore die Wahrheit über Kuba oder das Gesundheitswesen erzählt", sagte der für das Ermittlungsverfahren zuständige Abteilungsleiter des Finanzministeriums, Dale Thompson. "Ich verteidige sein Recht, zu tun, was er tut, aber Moores Talent für clevere Lügen ist zu gut dokumentiert."
Vielleicht spielte der Amtsleiter damit auch auf den Film "Manufacturing Dissent" an, der jüngst auf verschiedenen Festivals gezeigt wurde.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Kino | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH