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27.05.2007
 

Filmpreis Cannes

Goldene Palme für Rumänen Mungiu, Drehbuchpreis für Akin

Cannes feiert seine Stars: Die Goldene Palme der Filmfestspiele hat überraschend der Rumäne Mungiu erhalten, der mit seinem Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" gewann. Der Hamburger Fatih Akin heimste den Preis für das beste Drehbuch ein.

Cannes - Beim 60. Filmfestival von Cannes hat "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" des Rumänen Cristian Mungiu die Goldene Palme gewonnen. Das gab der britische Regisseur Stephen Frears als Jurychef am Sonntagabend bekannt. Der Preis wurde bei der Abschluss-Gala im Festivalpalast an der Côte d'Azur von der US-Schauspielerin Jane Fonda übergeben. Der Siegerfilm erzählt die erschütternde Geschichte einer Frau, die im kommunistischen Rumänien eine illegale Abtreibung vornehmen lassen will. Am Vorabend hatte der Film bereits den Preis der internationalen Kritik erhalten.

Der Deutschtürke Fatih Akin erhielt für seinen Film "Auf der anderen Seite" den Drehbuchpreis. Akin richtete nach der Entgegennahme des Preises ein Wort an die Türken: "Ich habe eine besondere Botschaft für die Türkei, weil es Wahlen gibt: Man muss geeint bleiben, sonst stürzen wir." Der in Hamburg lebende Regisseur hatte zuvor bereits den Preis der Ökumenischen Jury erhalten. Akins Film erzählt die Geschichte von sechs Menschen in Deutschland und der Türkei, die schicksalhaft aufeinander treffen. Hanna Schygulla, einst Muse des 1982 verstorbenen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder, spielt eine der Hauptrollen.

Hoch erfreut bedankte sich der Sieger Cristian Mungiu für die Goldene Palme und strahlte: "Für mich ist das wie ein Märchen." Vor sechs Monaten hätten sie noch nicht gewusst, wie sie das Geld für den Film zusammenbringen könnten. "Ich hoffe, dass diese Goldene Palme eine gute Nachricht für die kleinen Filmemacher in kleinen Ländern ist", sagte Mungiu. "Denn es scheint so, dass man endlich keine großen Budgets mehr braucht und keine großen Stars für eine Geschichte, der alle Welt Gehör schenkt."

Mungiu erzählt eine Geschichte aus seiner Heimat gegen Ende des Kommunismus. Eine Studentin ist ungewollt schwanger, Abtreibung aber streng verboten. Die junge Frau und ihre beste Freundin suchen in einem schäbigen Hotelzimmer die Hilfe eines illegalen "Engelmachers". Mungiu beschränkt sich auf diesen einen Tag der Abtreibung und erzeugt eine Atmosphäre von extremem Stress und Verzweiflung, die unter die Haut geht.

Der Große Preis des Festivals ging derweil an die japanische Regisseurin Naomi Kawase für "Mogari no mori" (Der Trauerwald). Die Koreanerin Jeon Do-yeon ("Secret Sunshine") und der Russe Konstantin Lawronenko ("Izgnanie") wurden als beste Darsteller geehrt.

Der US-Künstler Julian Schnabel bekam den Regiepreis für seinen in Frankreich produzierten Film "Le Scaphandre et le Papillon" ausgezeichnet. Etgar Keret und Shira Geffen erhielten die Goldene Kamera für den besten Erstlingsfilm mit ihrem Streifen "Meduzot" (Die Medusen). Der Zeichentrickfilm "Persepolis" von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud (Iran/Frankreich) wurde mit dem Preis der Jury bedacht.

Insgesamt hatten 22 Filme um die Goldene Palme konkurriert. Dazu gehörten Wong Kar-Wais "My Blueberry Nights", Quentin Tarantinos "Death Proof", Joel und Ethan Coens "No Country for Old Men", David Finchers "Zodiac", Kim Ki-duks "Breath", Emir Kusturicas "Promise Me This", Gus van Sants "Paranoid Park", Julian Schnabels "Le Scaphandre et le Papillon" und Alexander Sokurows "Alexandra".

tno/AFP/dpa

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