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17.06.2007
 

Filmdiven ab 40

Alter, ganz schön traurig

Von Daniel Haas

Nicole Kidman wird 40, die Kritik prophezeit ihr ein weiteres Karriere-Hoch. Die Erfahrung zeigte bislang aber anderes: Frauen haben ab dem vierten Lebensjahrzehnt in Hollywood meist ausgespielt - da können sie noch so schön sein.

Jenseits der 40 sei es, "als ob man Lepra hätte", erklärte Sharon Stone bei einer Pressekonferenz, letztes Jahr in Berlin. Da war sie bereits 47 und promotete ihren neuen Film "Basic Instinct 2". Was die coole Schöne noch einmal schaffte - ein Comeback -, bleibt vielen Darstellerinnen jenseits des 40. Geburtstags verwehrt. Talent und Klugheit sind in Hollywood nur begrenzt verwertbar, die so genannten bankable stars, jene Frauen, die sich auszahlen an der Kinokasse, sind seit jeher möglichst jung, also in den Zwanzigern und Dreißigern.


Wenn die "FAS" Nicole Kidman als ein Schauspielgenie feiert, das sich noch viele Male wird verpuppen dürfen, dann ist das ein legitimer, aber auch ein frommer Wunsch. Seit Greta Garbo mit 36 dem Filmgeschäft den Rücken kehrte und Bette Davis 1962 ihre legendäre Anzeige aufgab - "Schauspielerin mit 30-jähriger Erfahrung sucht feste Anstellung in Hollywood" -, haben sich die Verhältnisse verschlechtert, nicht entspannt.

"Wo sind sie geblieben?", fragte das Branchenblatt "epd film" vor zwei Jahren bekümmert und erklärte gleich eine ganze Riege weiblicher Forty- und Fiftysomethings zum "missing link" in großen Hollywood-Produktionen. Michelle Pfeiffer, Debra Winger, Demi Moore - für die Zielgruppe der Teenager sind sie gängigem Kalkül zufolge kaum mehr vermittelbare Größen.

Zwar taucht die eine oder andere sporadisch in Film und Fernsehen wieder auf (Ellen Barkin gerade in einer lieblos zurechtgeschusterten Rolle in "Ocean's 13"), die Generation 40 plus ist insgesamt jedoch zum cinematographischen Problemfall geworden. In Sigourney Weavers Worten: "Ich nehme nicht sehr viele Jobs an, weil die meisten Drehbücher furchbare Rollen für ältere Frauen haben" ("epd").

Klischees statt Kunst

Die Zahlen sind deutlich: Schon 2002 wurden 78 Prozent der weiblichen Hauptrollen unter 40 besetzt, Schauspielerinnen wie Winger, 51, Jessica Lange, 57 oder Holly Hunter, 49, tauchten entweder ganz ab oder landeten auf dem Abstellgleis der immer gleichen Nebenrollen. Mütter, Krankenschwestern oder Lehrerinnen sind vorzugsweise die Figuren, die Hollywood für seine großen Aktricen bereithält. Differenzierte Charaktere, womöglich Heldinnen mit eigener sexueller Agenda? Keine Chance.

Wer dann nicht mitspielt, muss entweder wie Sandra Bullock oder Meg Ryan eine eigene Produktionsfirma gründen oder wie Whoopi Goldberg Trickfilme synchronisieren. Die anderen dürfen neben den Klischeetypen weiblichen Gutmenschentums die intrigante Zicke spielen. So hatte Demi Moore, 44, in "Drei Engel für Charlie 2" ein Comeback, das eigentlich eine Bestrafung war: Sie gab die bösartige Killerin, die am Ende von ihren jüngeren Gegenspielerinnen abserviert wird. Noch schlimmer traf es Stone mit "Cat Woman": Da verkörperte sie eine Kosmetik-Unternehmerin, die für eine straffe Epidermis über Leichen geht.

Wollen Darstellerinnen dem Sexismus Hollywoods entgehen, so müssen sie auf Angebote aus Europa hoffen. Das europäische Autorenkino hat seine weiblichen Stars meist bis ins Alter gewürdigt; die Karrieren von Jeanne Moreau und Catherine Deneuve legen eindrucksvoll Zeugnis davon ab. In den letzten Jahren entdeckten Regisseure wie Pedro Almodovar und Francois Ozon eine reife kritische Weiblichkeit als Filmthema.

Die Furor, mit der zum Beispiel Diane Keatons Rolle einer fast 60-Jährigen, die in "Was das Herz begehrt" Keanu Reeves verführt (und fallen lässt), gefeiert wurde, ist so gesehen pure Heuchelei. Ein Feigenblatt vor jener Rollenpolitik, die Darstellern wie Bruce Willis und Harrison Ford Hauptrollen in Action-Reißern beschert, exzellente Schauspielerinnen wie Glenn Close oder Michelle Pfeiffer aber aufs Altenteil abschiebt.

Und die Oscar-Nominierungen für Meryl Streep, Helen Mirren und Judi Dench Anfang des Jahres? Entdeckte da die Traumfabrik nicht doch noch das Faszinierende reifer professioneller Frauen? Mitnichten. Streep spielte eine sadistische Journalistin, Dench eine von Hass zerfressene Lesbe und Mirren eine schockgefrorene Briten-Queen. Auch hier feierte Hollywood nur seine schon als "Naturgesetz behauptete Altersbeschränkung" , seine hämische Freude an Drachen, Hexen und kaltherzigen Königinnen.

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