Von David Kleingers
Gerade als das Kino wieder sicher schien, kehren die "Fantastic Four" zurück: Zwei Jahre nach der ersten, gründlich misslungenen Leinwandadaption des legendären Comics von Jack Kirby und Stan Lee folgt "Rise of the Silver Surfer" leider dem schlechten Beispiel des Vorgängers und zerrt weiter an den Nerven der erwachsenen Fans. Dabei verschenkt das Sequel unter der Regie von Wiederholungstäter Tim Story nicht nur erneut das dramatische Potential der seit Anfang der sechziger Jahre existierenden Superhelden-Wohngemeinschaft, sondern kratzt obendrein noch ungelenk am Ruhm einer der ungewöhnlichsten Figuren im Marvel-Universum.
Comic-Held Silver Surfer: Mutige Ausnahme im Marvel-Kabinett
Die Rede ist vom Silver Surfer, dem ewig zweifelnden Außenseiter aus dem All. Bei seinen denkwürdigen Heftauftritten war der galaktische Beach Boy mal messianische Lichtgestalt, mal existentialistischer Grübler, dabei jedoch immer erhaben und von tragischer Aura umflort. Seine Wandlung vom unfreiwilligen Weltenzerstörer zum philosophierenden Menschheitsbeobachter macht ihn zur mutigen Ausnahme im Kabinett aus Schurken und Helden, weshalb er die Marvel-Fans bis heute über Lesergenerationen hinweg fasziniert.
Umso größer die Enttäuschung, dass diese strahlende Kreuzung aus Feingeist und Hippie ausgerechnet für ein derart infantiles Spektakel auf die Leinwand gehievt wird.
Denn sobald die faden Vier auf den Plan treten, kann selbst die klassische Storyline nichts mehr retten: Um seine eigene Welt zu retten, führt der einsame Silver Surfer (Doug Jones) ein nimmersattes Weltraummonstrum Namens Galactus zu immer neuen Planeten, die dann dem Energiehunger des überdimensionierten Wesens zum Opfer fallen. Auf der Erde trifft der unglückliche Unheilsbote auf Widerstand in Gestalt des Mutantenquartetts um Reed Richards (Ioan Gruffudd), auch bekannt als Gummimensch "Mr. Fantastic".
Gemeinsam mit der "Invisible Woman" Sue Storm (Jessica Alba), dem unter "The Thing" firmierenden Steinkoloss Ben Grimm (Michael Chiklis) und Sues zur "Human Torch" entflammbaren Bruder Johnny (Chris Evans) muss Richards den um den Globus sausenden Surfer stellen. Auf den hat es auch Dr. Doom (Julian McMahon), der traditionelle Gegenspieler der Fantastic Four abgesehen – was die Suche komplizierter, aber keineswegs spannender gestaltet.
Ohnehin nicht mit Dramatik gesegnet, verweilt der Film zudem ungebührlich lange an Nebenschauplätzen. Dazu gehören die leidlich amüsanten Hochzeitsvorbereitungen von Mr. Fantastic und Sue Storm ebenso wie der holprige Versuch, wie einst in den Ur-Comics der Serie den Celebrity-Status der prominenten Vier satirisch aufzuspießen.
Wie virtuos dagegen die Verzahnung von privater Befindlichkeit und erdrückend großer Heldenrolle gelingen kann, haben zuvorderst Sam Raimis "Spider Man"-Verfilmungen bewiesen. Aber all die liebgewonnen Charakteristika der Marvel-Familienmitglieder – ihr Hadern mit der entfremdeten Körperlichkeit, das liberal-amerikanische Plädoyer für das Recht auf Differenz, kurz ihr fulminantes In-die-Welt-geworfen-sein – fehlen schmerzlich in diesem Film, der komplexe Kunstfiguren zu Abziehbildern degradiert und großes Drama in die Kleinkariertheit einer Seifenoper zwängt.
So schnurren denn auch etliche Dialogszenen auf muffiges TV-Format zusammen, weshalb die New Yorker Super-WG ihr papierneres Palaver genauso gut in einer provinziellen Vorabendserie abhalten könnte. Und für die im Gegensatz zum ersten Film technisch überzeugenden Schauwerte weitet sich zwar die Perspektive, aber die Katastropheneinsätze auf diversen Kontinenten wirken dennoch beliebig und sonderbar kleinmütig: Selbst wenn die Londoner Themse in einem gigantischen Krater versickert und gleichzeitig ein Riesenrad vorm Einsturz bewahrt werden muss, bleibt der Zuschauer angesichts der Attraktionen letztlich ungerührt.
Das Problem ist hier beileibe nicht fehlende Originalität, schließlich gehört die Wiederholung zum alltäglichen Geschäft der Superhelden: DC-Ikone Superman wird immer wieder mit Kryptonit angegangen, "Spider-Man" Peter Parker verheddert sich regelmäßig im eigenen Beziehungsgeflecht und der Hulk läuft stets grün an, wenn es mal schlecht läuft.
Aber die eigentlich vorhersehbare Action gründet dabei stets tief im Wesen der Figur, sie ist zugleich heroischer Akt und unverwechselbarer Ausdruck der Persönlichkeit. Die Kinoinkarnation der Fantastic Four chargiert hingegen wie eine zusammengewürfelte Schaustellertruppe, die mit lautem Budenzauber um Aufmerksamkeit eines minderjährigen Publikums buhlt.
Darum bleibt nur der schweigsame Silver Surfer als optischer wie emotionaler Lichtblick. Entrückt schwebt er über dem uninspirierten Treiben seiner vier Comicverwandten, wohl wissend das deren kleinliches Kuddelmuddel nie seine Heimat sein kann. Und ebenso wenig werden sich die Verehrer der wahren fantastischen Vier in "Rise of the Silver Surfer" zu Hause fühlen.
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