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13.09.2007
 

Film-Tipp

Auf kleiner Flamme

Von KulturSPIEGEL-Autor Daniel Sander

Wenn Hollywood einen europäischen Film fürs Massenpublikum neu aufbereitet, beweinen Puristen gern das Original. Aber warum eigentlich? Das "Bella Martha"-Remake "Rezept zum Verlieben" bringt es ohne großen Ehrgeiz zu charmanter Kinounterhaltung.

Am liebsten haben es die Studio-Bosse in Hollywood, wenn sich ein Film in einem Satz zusammenfassen lässt. Kein Wunder, dass ihnen "Bella Martha" gefallen hat, Sandra Nettelbecks Überraschungserfolg aus dem Jahr 2001: unentspannte Köchin in der Großstadt übernimmt unverhofft die Erziehung ihrer kleinen Nichte und findet nebenbei die große Liebe. Ein schöner Film war das, humorvoll und rührend, mit charmanter Leichtigkeit erzählt und mit einer tollen Martina Gedeck in der Titelrolle. Obwohl er in den USA in der deutschen Fassung mit englischen Untertiteln lief, hat er dort über vier Millionen Dollar eingespielt. Da lag es nah, mal über eine amerikanische Version nachzudenken.

Eckhart und Zeta-Jones in "Rezept zum Verlieben": Humorvoll und rührend und charmant
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WARNER

Eckhart und Zeta-Jones in "Rezept zum Verlieben": Humorvoll und rührend und charmant

Mit "Rezept zum Verlieben" kommt diese nun in die deutschen Kinos, eine auch ziemlich tolle Catherine Zeta-Jones spielt die Hauptrolle, ihr Rivale/Bald-Partner (Aaron Eckhart) ist kein Italiener mehr, die Nichte gibt Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine"), und der unbekannte Vater der Kleinen spielt überhaupt keine Rolle mehr. Das war es auch schon mit den großen Abweichungen, sonst hält sich Regisseur Scott Hicks nahezu sklavisch an die Vorgaben der Vorlage. Es ist alles ein bisschen poliert und aufgehübscht, die Farben sind satter, die Interiors gediegener, insgesamt jedoch regiert der Grundsatz: Warum etwas ändern, wenn es schon einmal so gut funktioniert hat?

Wie jedes amerikanische Remake eines europäischen Filmerfolges steht "Rezept zum Verlieben" erstmal unter dem Verdacht, das Original für kommerzielle Zwecke ausgebeutet, wenn nicht gar vergewaltigt zu haben. Was eine etwas übertriebene Reaktion ist, denn am allerwenigsten leidet unter einem Remake doch immer das Original. Jean-Luc Godards grandiosem Klassiker "Außer Atem" von 1960 hat es mit Sicherheit nicht geschadet, dass 1983 eine weitaus schwächere, aber trotzdem höchst unterhaltsame Kopie mit Richard Gere herauskam. Und dass Cameron Crowes "Vanilla Sky" mit Tom Cruise 2001 so gründlich daneben ging, lässt Alejandro Amenábars mäßig spannendes Original "Open your Eyes" im Nachhinein wie ein filmisches Kleinod aussehen.

"Bella Martha" hat das Kino nicht neu erfunden, und genauso wenig tut das "Rezept zum Verlieben". Wer an diesem Wochenende den künstlerisch interessantesten, intelligentesten und auch packendsten Film sehen möchte, ist in Christian Petzolds furiosem Psychodrama "Yella" am besten aufgehoben. Wer sich aber nur einen netten Kinoabend zu Zweit gönnen will, einen romantischen Appetizer, der findet mit "Rezept zum Verlieben" eine leicht verdauliche Alternative, die ohne großen Ehrgeiz auf kleiner Flamme köchelt und am Ende doch ziemlich gut geschmeckt hat. Humorvoll und rührend und charmant ist das Ganze dabei immer noch. Das ist doch schon ganz schön viel.

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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
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13.09.2007 von kamau: zum erstenmal

man muss kein purist sein, sondern ganz im gegenteil kino-genießer um die verhunzung durch hollywood zu beklagen. wäre das erstemal dass ein hollywood-remake besser wäre als das original! mehr...

13.09.2007 von ismirwurscht: Ist Bella Martha nicht gut genug?

Das Original ist doch schön genug, finde ich. Wieso muss daraus den ein Remake gemacht werden? Habe immer gedacht, Bella Martha ist so ein richtiger Vorzeigefilm - nach dem Motto: auch aus Deutschland können gute Filme stammen. [...] mehr...

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