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23.10.2007
 

Neue Bully-Komödie

Sissi, Lissi, wenig hihi

Von Lars Penning

Krachlederne Kalauer, derbe Dialekte und spleeniges Personal: Mit seiner animierten "Sissi"-Parodie kopiert Michael Bully Herbig erneut hemmungslos sich selbst. Da wird selbst der größte Klamauk-Fan langsam müde.

Kaiser Franz und seine Gemahlin Lissi werden intim: "Und jetzt lass die Glocken schwingen", feuert der erregte Monarch die Gattin beim Schäferstündchen im Boudoir von Schloss Schöngrün an. Und Lissi schwingt die Glocken – die Kuhglocken nämlich, mit denen sie ihrem Franzl sogleich eine alpenländische Weise vorspielt.

So ist er, der Humor des Michael Bully Herbig, dieses Mal zu bewundern in seinem jüngstem Werk, der computeranimierten "Sissi"-Parodie "Lissi und der wilde Kaiser", im k.u.k. Österreich. Dort regiert Kaiser Franz gelegentlich heftig durch, sofern er der Lissi nicht gerade mit dem Golfschläger Schokoladenkugeln in den Mund appliziert oder mit ihr im Park herumturtelt. Alles scheint in diesem Operetten-Reich in Ordnung: Der Feldmarschall karrt genügend Geld zum Verheizen heran, und lediglich im Wald sollen sich ein paar abtrünnige Nudisten herumtreiben, die dort gemeinsam mit den Partisanen transpirieren. Doch dann wird Lissi vom Yeti entführt.

Altbackene Kalauer, geringe Witzdichte

Bullys Witz kommt immer ein wenig anzüglich daher, ohne dabei das Familienpublikum zu verschrecken, äußerste Absurdität und Sinnfreiheit sind ein Muss. Vor allem jedoch bleibt Herbig, der seine Karriere als Komödiant 1990 in der Radioshow "Langemann und die Morgencrew" startete, seiner beruflichen Herkunft bis heute verhaftet: Wie bereits in seinen früheren Kinoerfolgen "Der Schuh des Manitu" (2001) und "(T)Raumschiff Surprise – Periode 1" (2004) sind es Wortspiele, Kalauer und süddeutsche Dialekte, die Bullys bewährten Witz ausmachen. Für dessen Umsetzung setzt der Komiker erneut auf seine langjährigen Weggefährten Christian Tramitz und Rick Kavanian als Sprecher verschiedener Rollen.

Gelegentlich funktioniert Bullys Wortwitz durchaus. Dass etwa Ignaz (Herbig) und Schwaiger (Kavanian) vom Kammerjägergeheimbataillon, die sich alsbald an die Fersen des Yetis (Waldemar Kobus) heften, derart heftig im Dialekt granteln, dass selbst Lissi kein Wort versteht und lieber Englisch mit ihnen parliert, ist ein herrlich skurriler Einfall. Oft genug fasst man sich aber ob der altbackenen Kalauer nur an den Kopf; zudem ist die Witzdichte im ersten Drittel des Films, das vornehmlich die heile Sissi/Lissi-Welt auf Schloss Schöngrün parodiert, ziemlich gering.

Herbigs Mitarbeiter betonen immer wieder die Detailversessenheit des Autors und Regisseurs, der angeblich alle Einstellungen der Original-Sissifilme aus den Fünfzigern im Kopf haben soll. Doch was nutzt das, wenn die lose auf Sketchen aus Herbigs Fernsehshow "Bullyparade" beruhende Parodie auf einen harmlosen und faden Kaiser letztlich nur fad erscheint?

Ein bisschen billig

Generell ist die Parodie ja die am wenigsten originelle Form der Komödie: Sich über konkrete Vorbilder lustig zu machen, wirkt bei aller Liebe zum Gegenstand immer auch ein bisschen billig. Deutlich an Schwung gewinnt der Film erst mit der Entführung Lissis und der daraufhin einsetzenden Verfolgungsjagd, die mehr visuelle Gags bietet und schließlich in einem flotten Finale beim bayerischen König Bussi auf dessen Nichtraucherschloss Neuzahnstein gipfelt.

Bleibt die Frage, ob man "Lissi und der wilde Kaiser" auch als Animationsfilm ernst nehmen kann. Vermutlich wird Herbig keine Karriere als Zeichentrickkünstler anstreben, und das avisierte Publikum seines Films dürfte weniger aus klassischen Animationsliebhabern denn aus Bully-Fans bestehen. Aber auch die sind mittlerweile den hohen Standard der amerikanischen CGI-Filme (Computer Generated Imagery) gewohnt, mit denen europäische Produktionen in punkto Budget und Aufwand einfach nicht konkurrieren können.

In keiner anderen Filmgattung macht sich fehlende Finanzkraft so deutlich bemerkbar wie in der Computeranimation: Wenn sich auf Wasseroberflächen keine Welle kräuselt, sich die Blätter der Bäume nicht im Wind bewegen, die Kleider keine Falten werfen und die Frisuren der Figuren wie zementiert aussehen, dann fehlt es in aller Regel nicht am Know-how, sondern an Geld. Ein Manko, mit dem bislang noch alle deutschen CGI-Filme zu kämpfen hatten - und von dem auch "Lissi und der wilde Kaiser" nicht verschont geblieben ist.

Drollige Figuren, naive Gesichtszüge

Folglich haben sich Herbig und seine Mitarbeiter vor allem auf ein drolliges Design der Figuren konzentriert: Neben Lissi, die nicht nur Herbigs Fistelstimme, sondern auch dessen naive Gesichtszüge verpasst bekam, sind es der aufgeregte Feldmarschall, den die andauernden sexuellen Avancen der Kaiserin Mutter aus der Fassung bringen, sowie der mächtig durchhängende König Bussi mit seiner Ihr-könnt-mich-alle-mal-Haltung, die für Vergnügen sorgen. Doch das bleibt insgesamt ein zwiespältiges - und deshalb ist man letztlich schon ein wenig froh, dass sich Herbig, der mit "Lissi" bereits zum dritten Mal die Ideen seiner "Bullyparade" geplündert hat, für weitere filmische Abenteuer nun definitiv etwas Neues einfallen lassen muss.

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