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26.11.2007
 

Interview

"Tolkien ist trivial"

Der britische Bestsellerautor Philip Pullman, 61, über den Reiz von Parallelwelten, kluge Fantasy-Romane und die Verfilmung seiner Trilogie "His Dark Materials"

KulturSPIEGEL: Mr Pullman, Sie als ehemaliger Oxford-Dozent sind ein kluger Mann. Glauben Sie an Parallelwelten?

Pullman: Warum nicht? Ganz Oxford ist voll von sehr viel schlaueren Menschen, und viele davon haben mir ernst und ausführlich versichert, dass Parallelwelten wahrscheinlich sind. Ich muss gestehen, dass ich ihren Ausführungen nicht ganz folgen konnte, meine Kenntnisse der Physik sind begrenzt, aber warum sollten diese Wissenschaftler Märchen erzählen? Außerdem sind Parallelwelten, zumindest in der Literatur, doch sehr attraktiv. Was wäre Alice ohne ihr Wunderland?

KulturSPIEGEL: Ihre gefeierte Fantasy-Trilogie "His Dark Materials", in der es nur so wimmelt von Parallelwelten mit sprechenden Tieren, Hexen und Dämonen, galt lange als unverfilmbar. Nun hat man sich mit großem Aufwand doch noch an den ersten Band "Der Goldene Kompass" gewagt. Ist man Ihrem Buch gerecht geworden?

Pullman: Der große Schriftsteller James M. Cain hat mal gesagt: Meine Bücher stehen hier im Regal, was andere daraus machen, ist ihr Problem. Das unterschreibe ich. Was ich vom Film gesehen habe, war toll, aber er ist eben ein eigenständiges Werk, in dem ich nicht Regie führe. Es gab ja auch bereits diverse andere Umsetzungen der Geschichte: Hörbücher, Hörspiele und Theater-Adaptionen. Da wurde viel gekürzt oder umgebaut, aber wenn ich mich da überall einmischen würde, käme ich nicht mehr zum Arbeiten.

KulturSPIEGEL: In Großbritannien gilt Ihre multi-millionenfach verkaufte Trilogie bereits als Klassiker. Auch Sie geraten zunehmend ins Rampenlicht. Stört das?

Pullman: Das ist seit einiger Zeit durchaus ein Problem. Ich gebe nur sehr selten Interviews und sah mich auch gezwungen, aus dem Zentrum von Oxford in einen abgelegenen Vorort zu ziehen. Fast täglich klingelten Fans und baten um ein Autogramm - das war okay. Aber zunehmend waren manche empört, wenn ich sie nicht ins Haus bat, um mit ihnen ausgiebig meine Bücher zu analysieren. Ich musste da weg.

KulturSPIEGEL: Zu Ihren Verehrern gehört auch die "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling. Profitieren Sie von deren Erfolg?

Pullman: Rowlings Erfolg ist einzigartig, mit nichts zu vergleichen und sehr wahrscheinlich nicht wiederholbar. Es war ein glücklicher Zufall, dass "Der Goldene Kompass" 1995 erschien und der erste "Harry Potter"-Band 1997. Das hat meiner Auflage sicher nicht geschadet. Überhaupt hat Rowling dafür gesorgt, dass Romane wieder populärer geworden sind. Sie hat die Konkurrenzfähigkeit von Büchern im Computer-Zeitalter bewiesen. Ein Geniestreich.

KulturSPIEGEL: In Ihrer spannenden Märchengeschichte ist die Kirche eine verbrecherische Organisation und Gott ein hilfloser alter Mann. Das brachte Ihnen Ärger: Ein britischer Zeitungskolumnist hat Sie, den Atheisten, gar den "gefährlichsten Autor Großbritanniens" genannt. Wird das Thema Religion im Film abgeschwächt?

Pullman: Nichts wird zensiert, aber erst einmal muss ich betonen, dass ich nicht gegen Religion bin. Ich habe nur nichts übrig für Theokratie. Immer wenn in Gottes Namen Politik gemacht wird, geht das schief: Wenn Kirchen Armeen aussenden und den Gläubigen exakte Vorschriften für ihr Leben diktieren, ist das falsch.

KulturSPIEGEL: Trotzdem werden Sie wegen des Films wohl Ärger bekommen.

Pullman: Vermutlich, in Amerika macht bereits eine katholische Liga mobil. In der englischen Zeitung "The Observer" las ich dagegen gerade eine Beschwerde, dass der Film von allen religiösen Belangen befreit worden sei. Beides ist befremdlich, weil ja noch keiner den Film gesehen hat.

KulturSPIEGEL: "Der Goldene Kompass" und die beiden Fortsetzungen "Das magische Messer" und "Das Bernstein-Teleskop" gelten einerseits als Fantasy-Bücher für jüngere Leser und wurden andererseits von Feuilletonisten auch für ihre raffinierte Vielschichtigkeit und Anleihen bei Blake, Milton und Homer beklatscht. Sind Kinder überhaupt clever genug für diese Geschichte?

Pullman: Es geht nicht um Cleverness, sondern um Lebenserfahrung. Kinder und Erwachsene lesen die Bücher unterschiedlich. Diese lange und komplexe Geschichte erleben junge Leser durch die staunenden Augen der kleinen Hauptdarstellerin, des Mädchens Lyra. Die bewegt sich auch durch eine Welt, die sie oft nicht versteht. Erwachsene entdecken dafür andere Themen und Gedanken, die das Leben betreffen. In Amerika und England werden meine Bücher deshalb auch in einer Edition für Erwachsene angeboten.

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Das mag ja alles sein, aber wo ist da ein Zusammenhang zu Philip Pullman??? mehr...

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10.01.2008 von lis:

Jo, das hat wirklich Spass gemacht, weil ich die seiten eben nicht "langatmig" fand. Entscheidend ist doch nicht die Zahl der Seiten (der bei Pulman ja auch nicht gerade wenige sind), sondern was auf diesen drauf [...] mehr...

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