Von Dirk Brichzi
Dann wird der Bildschirm einfach schwarz. Ein paar Sekunden nur, aber zu lang, um zur nächsten Szene zu blenden, schließlich mündet die Dunkelheit im Abspann. Mitten im größten Cliffhanger, den sich die "Sopranos" je geleistet haben. Eine Serie, die nie welche benötigte, weil sie einfach zu gut war. Stattdessen saß Tony am Ende einzelner Folgen mit FBI-Agenten bei Espresso und Sandwich zusammen oder mit Frau und Kindern unterm Weihnachtsbaum. Und nun wird der Bildschirm einfach schwarz.
Er hat sich richtig breitgemacht im globalen Fernsehgeschäft: James Gandolfini als TV-Mafioso Tony Soprano
Wer nicht stirbt, kämpft mit dem Verfall. "Ich bin alt", sagt Tony zu seiner Frau, als er bei einer Prügelei mit seinem Schwager den Kürzeren gezogen hat. Dennoch muss er sich um die Probleme seiner Familie selbst kümmern. Neffe Christopher dreht lieber Filme, als die Geschäfte zu übernehmen, Sohn A.J. verzweifelt am Leben, und Uncle Junior, der Tony in der vergangenen Staffel fast erschoss, kann sich nicht mehr an seinen Namen erinnern, als er im Altersheim Frieden mit ihm schließen will.
Also mordet Tony wieder. Geht zur Therapie, liebt seine Frau, treibt es mit einer Hure. Schlürft im Bademantel mit zersausten Haaren Espresso, um Stunden später im feinen Zwirn über Menschenleben zu entscheiden. Keine Figur der "Sopranos" war nur gut oder nur böse, die moralische Inkostistenz der Helden verlieh der Serie eine beispiellose Komplexität. Und James Gandolfini als Tony Soprano treibt dieses Spiel mit den Unwägbarkeiten des Menschlich-Allzumenschlichen in der letzten Staffel auf die Spitze. Zwischen charmantem Grinsen und dem nächsten Wutausbruch liegen oft nur Bruchteile von Sekunden.
Der Erfolg der "Sopranos" war ein Triumph des Fernsehens über das Kino. Früher wurde schlechten Kino-Regisseuren geraten, sie sollen es doch lieber beim Fernsehen versuchen, heute zieht es die Kino-Macher und -Darsteller auf die Mattscheibe. Erst vor kurzem beschwerte sich Michael Douglas darüber, dass in den vergangenen Jahren viel Kreativität vom Kino zum Fernsehen abgewandert sei und es deshalb immer schwieriger werde, gute Filme auf die Leinwand zu bringen.
Zeit für mehr Qualität
Wer einige frühere Filme von Gandolfini gesehen hat, wundert sich, in welch lächerlich kleinen Rollen ("Crimson Tide", "Get Shorty") er vor den "Sopranos" im Kino untergegangen ist. Das war auch neu bei Tony und seinen Kollegen: Keine TV-Serie war bis in die kleinste Nebenrolle so gut besetzt, entwickelte ihre Plots und Figuren mit derart literarischer Raffinesse. Kein Wunder, dass Dominic Chianese als Corrado "Junior" Soprano, Edie Falco als Carmela oder Vincent Curatola als Johnny "Sack" Sacramoni in den Heldenkanon des modernen Fernsehens gehören wie Ben Cartwright und J.R. Ewing.
Die Bezahlsender wie HBO hätten das Fernsehen revolutioniert, sagte David Simon, Erschaffer der Baltimore-Krimi-Saga "The Wire", in einem Interview. Statt Cliffhanger im Fünf-Minuten-Takt wegen der Werbepausen durften sich die Autoren plötzlich Zeit mit der Geschichte und den Personen lassen. Heraus kamen solche Meisterwerke wie die "Sopranos" oder die Bestatterserie "Six Feet Under". 21 Emmys und fünf Golden Globes heimsten Tony und Co. in ihren acht Sendejahren ein, das Finale sahen zwölf Millionen Zuschauer.
Die Einschaltquoten in Deutschland waren dagegen mau. Wer von Kindesbeinen an "Lindenstraße" oder "GZSZ" gewohnt ist, tut sich halt schwer mit neuer Kost. Vor allem, wenn sie erst mitten in der Nacht und dazu am Wochenende über den Bildschirm flimmert wie die "Sopranos". Vielleicht lag es aber auch ein wenig daran, dass die Sopranos so uramerikanisch waren wie Baseball oder Thanksgiving und sich Folklore-Traditionen nicht so schnell in fremde Kulturräume verpflanzen lassen.
Der nächste Killer ist schon auf dem Weg
Gibt es ein Leben nach den "Sopranos", werden sich Serienfans nun fragen? Die Antwort lautet: ja. "Six Feet Under"-Star Michael C. Hall geht im Frühjahr als Hobby-Serienkiller "Dexter" auf Sendung, um "den Müll von den Straßen Miamis zu entfernen", für den Comedy-Hit "My Name is Earl" um einen Underdog, der sein Leben mit Wiedergutmachungsaktionen verschlimmbessert, hat sich RTL schon die Rechte gesichert. Vielleicht finden sich auch noch für "Californication" mit David Duchovny als abgehalftertem Schriftsteller oder "Dirty Sexy Money" mit Peter Krause ("Six Feet Under") als Mädchen für alles im Dienst einer wohlhabenden Familie Abnehmer bei den TV-Sendern.
Bis dahin können die "Sopranos" nachwirken. Und beweisen, wie man im richtigen Moment den Abgang macht. Das kann ganz einfach sein: Bildschirm schwarz, Ton weg, Abspann.
DVD Die Sopranos, Staffel sechs, Teil zwei (Warner)
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mal diese SEnder sind eh nur Abspielbüros , sag ich mal, mesit kommt am Wochenende so ein Folgenmarathon. der mann am Pulkt drückt nen Knopf und geht dann heim, damit macht man dei besten Serien kaputt, meist kommen dann ch [...] mehr...
Tun Sie das. Die werden sich bestimmt freuen. mehr...
Leider sind unsere Fernsehkanäle immer noch mit diesen unsäglichen TV-Serien rund um Tötungsdelikte vollgestopft. Obwohl mit Monk und gerichtsmediziner Serien ja unglaubliche Kreativität bewiesen wurde. Für die Drehbuchautoren [...] mehr...
Ich würde mich gern über das Finale der letzten Curb your Enthusiasm-Staffel austauschen. Gibt es hier Leute die Curb genauso mögen wie ich, oder wird hier nur Käse wie V, Navy CIS, Firefly geschaut? Do you guys respect wood? mehr...
ich mal Unitymedia anrufen müssen, was die mir für Sender einspeisen ? mehr...
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