Von Jenny Hoch
Kalt sind bei diesem Mann höchstens die Eiswürfel im Whiskeyglas. Ansonsten wärmt sich der Politiker Charlie Wilson (Tom Hanks) mit Vorliebe an den Herzen schöner Frauen, und die eine oder andere Prise Kokain tut ihr Übriges für das Wohlbefinden dieses Lebemannes. Auf diese Weise schlängelt sich der unbedeutende Kongressabgeordnete eines unbedeutenden Wahlkreises im texanischen bible belt höchst elegant durch ein Leben voller Annehmlichkeiten.
Im Büro wartet ein Schwarm heißer Sekretärinnen täglich auf das Erscheinen des agilen Chefs und in einer Hotelsuite räkeln sich schon mal halbnackte Blondinen mit ihm im dampfenden Whirlpool. Dass sein Kerngeschäft als Abgeordneter vorwiegend darin besteht, sich um Pfadfinderbelange und Weihnachtskrippen-Stellplätze zu kümmern, fällt bei so viel demonstrativ zur Schau getragener Lebenslust kaum auf.
Doch dann dies: Ausgerechnet bei der Whirlpool-Sause erweicht eine Afghanistan-Reportage das unstete Partyherz des Politikers. Im Fernsehen sieht er, welche Gräueltaten die russischen Besatzer in dem fernen Land am Hindukusch anrichten. Und weil wir die achtziger Jahre schreiben und der Kalte Krieg in vollem Gange ist, wittert Charlie eine Gelegenheit, doch noch im ganz großen Politikgeschäft mitzumischen und dabei sogar Gutes zu tun: Die Mudschaheddin für den Aufstand gegen die Russen zu bewaffnen.
So unglaublich es klingen mag, Hollywood-Veteran Mike Nichols ("Die Reifeprüfung", 1967, "Hautnah", 2004) erzählt in "Der Krieg des Charlie Wilson" eine rundherum wahre Geschichte, die auf der Wilson-Biografie des Journalisten George Crile basiert. Der Original-Wilson lebt heute in Lufkin, Texas und saß vom 1973 bis 1996 als eine Art konservativer Liberaler - damals noch kein Widerspruch - im amerikanischen Kongress. Dort festigte er nach Kräften seinen legendären Ruf als Playboy und Lebemann und wurde bald von allen nur noch bewundernd "Good Time Wilson" genannt.
Afghanistan im Alleingang
Sein plötzlicher Auftritt auf dem internationalen Parkett geriet dementsprechend eindrucksvoll: Quasi im Alleingang organisierte dieser Hallodri einen hocheffizienten Feldzug gegen die Sowjets und wurde so zum Strippenzieher einer der größten Geheimdienstoperationen der US-Geschichte.
Auf diese Weise reanimieren Sorkin und Nichols aufs Schönste das beinahe ausgestorbene Genre der Screwball Comedy. Die geballte Star-Power tut ihr übriges: Tom Hanks spielt diesen irrlichternden Helden Wilson mit so viel aufrichtigem Charme, dass man ihn während seiner Wandlung vom Halunken zum Gutmenschen, der sich nach geglückter Mission vergeblich um Geld für Schulen und Krankenhäuser bemüht, richtig lieb gewinnt. Julia Roberts mimt mit platinblonder Perücke seine Komplizin und Bettgefährtin Joanne Herring, eine steinreiche, republikanische Salonlöwin, die nach einem Quickie mit Wilson ihre getuschten Wimpern mit einer Sicherheitsnadel auf Linie bringt. Ebenso brachial setzt sie ihr Geld und ihren Körper nur für ein Ziel ein: Möglichst viele Kommunisten töten.
Zynische Mechanismen der Macht
Den beiden stiehlt jedoch der Dritte im Bunde die Show: Philip Seymour Hoffman reißt als wunderbar cholerischer CIA-Agent Gust mit getönter Brille und Walross-Schnauzer alle Szenen an sich. Doch die Kollegen lassen ihn gewähren und so trägt Hoffman als Mann fürs Grobe einige der witzigsten Szenen des Films und baut im Namen der Waffenbeschaffungs-Mission auch noch ein hanebüchenes Netzwerk aus israelischen Waffenhändlern und arabischen Hintermännern auf.
Die Mechanismen der Macht und ihre mitunter grotesken Auswüchse setzt Nichols weder thesenhaft, noch moralinsauer in Szene. Wenn etwa ein erzkonservativer Abgeordnetenkollege Wilsons in einem Flüchtlingslager in Afghanistan steht und zusammen mit bewaffneten Gotteskriegern frenetisch "Allahu Akbar" skandiert, dann bedarf diese bitterböse Szene keiner weiteren Erklärung à la "wie sich die Zeiten doch wandeln können". Nur einmal gestattet Nichols sich einen Kommentar: CIA-Mann Gust sagt, Amerika führe keine religiösen Kriege und dafür liebe er dieses Land. Kurz darauf äußert Wilson einen geradezu prophetischen Gedanken: "Früher oder später wird Gott auf beiden Seiten dieses Krieges stehen".
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