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13.03.2008
 

Tageskarte Kino

Zombies mit Halsband

Von Daniel Sander

Jeder sollte einen haben: In der liebenswerten Zombiesatire "Fido" sind die Untoten freundliche Helfer für die Probleme des Alltags. Nur ein gelegentlicher Hang zum Massaker stört die friedliche Idylle.

Zombies sind irgendwie sympathisch. Sie sind schließlich schon gestorben, dafür verdient man erstmal einen Mitleidsbonus; außerdem sind sie langsam, kämpfen gegen unausweichliche Verwesung und haben immer Hunger – ein hartes Los. Dennoch werden sie im Kino allgemein als böse, blutrünstige Monster dargestellt (blutrünstig mag stimmen), die die Menschheit ausrotten wollen und denen es unter allen Umständen den Kopf vom Körper wegzuschießen gilt. Unfair.

DVD "Fido": Liebeserklärung an die Zombiewelt
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DVD "Fido": Liebeserklärung an die Zombiewelt

Aber es gibt auch Filmemacher mit Verständnis für die Nöte der Untoten. Der kanadische Regisseur Andrew Currie ist so einer, und sein Film "Fido", dem hierzulande leider kein offizieller Kinostart vergönnt war, ist so etwas wie eine kleine, sehr lustige Liebeserklärung an die Zombiewelt. Der Spaß spielt in einem bunten, fünfziger-Jahre-haften Vorstadtparadies mit dem Namen Willard, wo der Rasen immer grün und der Himmel immer blau ist, und alle in seliger Harmonie ihre lustvoll spießige Idylle genießen.

Das Leben könnte nicht angenehmer sein, besonders seit für lästige Arbeiten wie Putzen, Aufräumen oder Zeitung holen eine Armee von Zombies zur Verfügung steht. Die hatte nach einer mysteriösen Strahlenkatastrophe aus dem Weltall ihre Gräber verlassen und weltweit Chaos angerichtet, bis die Firma ZomCon ein elektronisches Halsband entwickelte, das den Hunger auf Menschenfleisch zügeln konnte und die Bestien zu harmlosen, etwas debil wirkenden Bediensteten mutieren ließ.

Seitdem hat in Willard jeder, der etwas auf sich hält, mindestens einen Untoten im Haus. Außer Helen (Carrie-Ann Moss) und Bill (Dylan Baker), die sich keinen leisten können, was Helen aus Furcht vor sinkendem gesellschaftlichen Status entsetzlich findet, für den Zombie-traumatisierten Bill allerdings überaus erfreulich ist. Helen besorgt sich dann doch ein Exemplar (Billy Connolly), der zwar etwas tollpatschig ist, aber schnell zum besten Freund von Sohnemann Timmy (K'Sun Ray) wird, der sonst niemanden hat, der ihm zuhört.

Abgesehen von Vater Bills Entsetzen über den neuen Mitbewohner mit dem Namen Fido könnte alles perfekt sein, wenn da nicht diese eine Fehlfunktion Fidos Halsband vorübergehend außer Kraft setzten und ihm die ungeliebte Nachbarshexe schmackhaft machen würde. Timmy vertuscht den Vorfall ein bisschen ungeschickt, weswegen Fido (und zugegebenermaßen ganz Willard) in größte Gefahr gerät, obwohl sich bald herausstellt, dass er auch ohne Halsband ein liebenswürdiger Geselle ist, und nur die frisst, die ihm oder seinen Freunden Böses wollen.

"Fido" ist keine schnelle, vor großen Lachern berstende Zombie-Komödie wie "Shaun of the Dead", stattdessen erzählt Currie seine Geschichte ganz ruhig und mit fast schon plätschernder Gelassenheit. Alles passiert wie nebenbei, sei es ein netter Plausch mit dem süßen Nachbarsmädchen oder ein gelegentliches, mit vielen Splatter-Effekten angereichertes Massaker – alles geschieht in herzlicher Idylle und Harmonie. Das macht den Film so amüsant und durchgehend liebenswert, dass man fast selbst gern einen Zombie-Freund hätte. Und sei es nur zum Beweis, dass er nur die anderen und nicht einen selbst fressen würde, wenn das Halsband mal ausfällt.


DVD Fido (Ascot Elite).

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insgesamt 17 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.03.2008 von M.S.Schneider: Ii.

II. Lovecraft ist ebenfalls sehr facettenreich, aber was bei ihm völlig fehlt, ist die Schönheit des Anderen. Das Andere ist faszinierend, alt, unmenschlich, es kommt von außen und ist dem Menschen meist unendlich überlegen und [...] mehr...

21.03.2008 von M.S.Schneider:

I. Gibt's ja gar nicht. Endlich mal ein interessantes Thema. Mach ich eben alleine weiter. Hauptsache Spaß. Also weiter im Text. Diese Gestalten bedeuten nach den schon genannten Aspekten eine ganze Menge. Es gibt noch etwas, [...] mehr...

14.03.2008 von M.S.Schneider: !

---Zitat--- Vampire, Werwölfe, Zombies, das sind einfach dereinst von Autoren bzw. Filmemachern erfundene Monster, um eben den Kampf Gut gegen Böse darzustellen und die Vampire, Werwölfe und Zombies sind eben das Böse, gegen das [...] mehr...

14.03.2008 von M.S.Schneider: !

@ CouchPotato Nur die Ruhe. Selbstverständlich sind alle 'Monster' Ausdruck sozialer oder psychologischer Verfasstheiten, was sonst? Diese Gestalten haben jeweils einen bestimmten Ursprung und wurden je nach Rezeptionslage [...] mehr...

14.03.2008 von cilina: noch schöner

Okay, okay...jeder hat seine Meinung zu Filmen, oder ganzen Genres. Aber man kann nicht einfach die Zuschauer solcher Filme in eine Schublade mit der Aufschrift „gewaltverherrlichende, blutrünstige Voyeuristen“ stecken. Ich mag [...] mehr...

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