Paris - Wim Wenders zeigt in Cannes seinen soeben fertig gestellten Film "The Palermo Shooting". Er handelt von einem Fotografen, gespielt von Tote-Hosen-Sänger Campino, der in der sizilianischen Stadt ein neues Leben beginnt. Außerdem dabei: Milla Jovovich und Dennis Hopper. Der aus Düsseldorf stammende Regisseur, 63, nimmt zum wiederholten Mal am Wettbewerb um die Goldene Palme teil, vor 15 Jahren gewann er mit "In weiter Ferne, so nah" den Großen Preis der Jury; 1984 wurde er für "Paris, Texas" als bislang letzter Deutscher mit der Goldenen Palme geehrt. Zuletzt reiste er 2006 mit seinem letzten Film "Don't Come Knocking" an die Croisette.
Offizielles Plakat der 61. Filmfestspiele in Cannes: Hollywood-Glamour und Autorenfilm-Größen
Weitere Highlights des Wettbewerbs sind die beiden italienischen Beiträge: "Il Divo" von Paolo Sorrentino zeichnet ein kritisches Porträt der grauen Eminenz italienischer Politik, Giulio Andreotti; Matteo Garrones "Gomorra" ist die Verfilmung des brisanten Mafia-Bestsellers von Roberto Saviano.
Mit Spannung erwarten darf man auch den neuen Film des brasilianischen Regisseurs Walter Salles ("The Motorcycle Diaries") sowie das neue Werk der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, "Le silence de Lorna", die vor zwei Jahren mit "L'Enfant" die Goldene Palme gewannen.
Viel zu entdecken also beim 61. Wettbewerb in Cannes, aber einige hochkarätige Filme konnte Festival-Chef Thierry Frémaux dann doch nicht gewinnen: Der neue CIA-Thriller "Burn After Reading" der Regie-Brüder Joel und Ethan Coen zum Beispiel, wäre nach dem Erfolg von "No Country for Old Men" vor einem Jahr an der Croisette ein Muss gewesen. Zudem hätten George Clooney, Tilda Swinton und Brad Pitt für Glamour gesorgt.
Fernando Meirelles ("City of God") bekam seine Verfilmung des José-Saramago-Romans "Blindness" wohl nicht rechtzeitig für Cannes fertig, Julianne Moore und Mark Ruffalo sollen die Hauptrollen spielen. Ein weiteres Glanzlicht läuft nun auch nicht an der Cote d'Azur: Der von Fans ersehnte Kinofilm zur TV-Serie "Sex and the City".
Außer Konkurrenz läuft Woody Allens "Vicky Cristina Barcelona" in Cannes. Ebenfalls außerhalb des Wettbewerbs wird der vierte Teil der Abenteuerreihe "Indiana Jones" von Steven Spielberg uraufgeführt. Das Abenteuer-Spektakel mit Harrison Ford läuft am 22. Mai regulär im Kino an und wird wahrscheinlich am Sonntag, den 18. Mai, in Cannes zu sehen sein. Der Eröffnungsfilm des Festivals steht noch nicht fest.
Das deutsche Kino ist noch mit einem weiteren Beitrag in Cannes vertreten: In der Reihe "Un certain regard" läuft "Wolke 9" von Andreas Dresen ("Sommer vorm Balkon"). In der offiziellen Kurzfilmauswahl "Cinéfondation" wird "Gestern in Eden" von Jan Speckenbach gezeigt.
In der Jury des Festivals sitzen unter anderem die deutsche Schauspielerin Alexandra Maria Lara und ihre US-Kollegin Natalie Portman; den Vorsitz der Jury hat der US-Filmemacher und Schauspieler Sean Penn.
Vergangenes Jahr hatte der rumänische Filmemacher Cristian Mungiu für "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" die Goldene Palme gewonnen; der Hamburger Regisseur Fatih Akin wurde als bester Drehbuchautor geehrt. In diesem Jahr hat Akin den Vorsitz der Cannes-Nebenreihe "Un certain regard".
Die Wettbewerbsfilme des 61. Filmfestivals in Cannes im Überblick:
"Üç Maymun" (Die drei Affen): Nuri Bilge Ceylan (Türkei)
"Le silence de Lorna": Jean-Pierre und Luc Dardenne (Belgien)
"Un conte de Noël": Arnaud Desplechin (Frankreich)
"Changeling": Clint Eastwood (USA)
"Adoration": Atom Egoyan (Kanada)
"Waltz with Bashir": Ari Folman (Israel)
"La Frontière de l'aube": Philippe Garrel (Frankreich)
"Gomorra": Matteo Garrone (Italien)
"24 City": Jia Zhang-Ke (China)
"Synecdoche, New York": Charlie Kaufman (USA)
"My Magic": Eric Khoo (Singapur)
"La mujer sin cabeza" (Die Frau ohne Kopf): Lucrecia Martel (Argentinien)
"Serbis": Brillante Mendoza (Philippinen)
"Delta": Kornel Mundruczo (Ungarn)
"Linha de Passe": Walter Salles, Daniela Thomas (Brasilien)
"Che": Steven Soderbergh (USA)
"Il divo": Paolo Sorrentino (Italien)
"Leonera": Pablo Trapero (Argentinien)
"The Palermo shooting": Wim Wenders (Deutschland)
bor
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