Cannes - Der Film "Entre les murs" ("Zwischen den Mauern") des französischen Regisseurs Laurent Cantet ist zum Abschluss des 61. Filmfestivals in Cannes am Sonntagabend mit der Goldenen Palme geehrt worden. Das teilte Jurypräsident Sean Penn mit. Der Film, der zuvor nicht zu den Favoriten zählte, bringt Frankreich die erste Goldene Palme seit 1987 ein.
"Entre les murs" erzählt mit vielen Laiendarstellern vom multikulturellen Alltag einer Schule in Paris, in der ein Lehrer versucht, Migrantenkindern die französische Sprache beizubringen. Nachdem die Jury den Film einstimmig zum Sieger gewählt hatte, feierten die mitwirkenden Schüler die Auszeichnung ausgelassen auf der Bühne des Festivalpalais' von Cannes.
"Der Film, den wir machen wollten, sollte aussehen wie die französische Gesellschaft: Mit vielen Gesichtern, lebendig und komplex, mit Konflikten, die nicht übertüncht werden sollten", sagte Cantet nach der Verleihung des Preises. Jurypräsident Sean Penn hatte die Auseinandersetzung mit der Gegenwart als ein wichtiges Kriterium ausgegeben. Dem Gewinner müsse "bewusst sein, in welchen politischen Zeiten er lebt".
Gleich zweimal vergab die Jury Preise für das Lebenswerk: Sie gingen an die französische Filmdiva Catherine Deneuve und an den US-Schauspieler und -Regisseur Clint Eastwood.
Wenders geht leer aus, "Wolke 9" gewinnt Preis
Der Große Preis der Jury ging an den italienischen Anti-Mafia-Film "Gomorra" von Matteo Garrone. Bester Hauptdarsteller wurde erwartungsgemäß Benicio Del Toro für seine Darstellung des Revolutionsführers Ernesto Che Guevara in Steven Soderberghs Film "Che".
Als beste Schauspielerin wurde die Brasilianerin Sandra Corveloni ausgezeichnet. Sie spielt in dem Drama "La linha de passe" von Walter Salles eine alleinerziehende Mutter, die verzweifelt versucht, ihren Söhnen einen erträglichen Start ins Leben zu ermöglichen.
Der Film "Palermo Shooting" des Deutschen Wim Wenders ging leer aus. Dafür gewann in der Nebenreihe "Un certain regard" von Andreas Dresen mit "Wolke 9", einer Liebesgeschichte zwischen alten Menschen in Berlin, den " Herzschlag-Preis" der Jury.
Der Regiepreis ging an den türkischen Regisseur Nuri Bilge Ceylan für "Üc Maymun" ("Die drei Affen"). Die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die schon zweimal die Goldene Palme gewonnen hatten, siegten beim Drehbuchpreis mit ihrem Film "La silence de Lorna.
Die Sieger von Cannes
Goldene Palme
"Entre les murs" ("Zwischen den Mauern") von Laurent Cantet, Frankreich
Großer Preis der Jury
"Gomorra" von Matteo Garrone, Italien
Preis der Jury
"Il Divo" von Paolo Sorrentino, Italien
Bestes Drehbuch
"La silence de Lorna" von Jean-Pierre und Luc Dardenne, Belgien
Regiepreis
"Üc Maymun" von Nuri Bilge Ceylan, Türkei
Spezialpreis Lebenswerk
Catherine Deneuve, Clint Eastwood
Bester Schauspieler
Benicio Del Toro in "Che"
Beste Schauspielerin
Sandra Corveloni in "La ligna de passe"
Bester Debütfilm
"Hunger" von Steve McQueen, Großbritannien
Goldene Palme Kurzfilm
"Megatron" von Marian Crisan, Rumänien
Besondere Erwähnung Kurzfilm
"Jerrycan" von Julius Avery, Australien
Quelle: dpa
tno/AFP/dpa/AP
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