Von Daniel Haas
"Zwei Dinge suchen junge Frauen, wenn sie nach New York kommen. Labels und Liebe." So erfährt man gleich zu Beginn von "Sex and the City - der Film", dabei hat man es ja schon immer gewusst: Der Markt und die Romantik, das Geld und das Begehren sind in diesen Zeiten nur zwei Seiten derselben Medaille.
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Bradshaw wird gespielt von Sarah Jessica Parker, die durch die Serie zur Fashion-Ikone wurde. Dass sie auf immer als Werbeträgerin für Manolo-Blahnik-Stilettos durch die Fernsehgeschichte stöckeln wird, stört sie nicht. Im Gegenteil: "Ich präsentiere demnächst eine eigene Modelinie für Frauen allen Alters und aller Körpermaße", sagt sie im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Und ich starte eine Karriere in der Parfumbranche, in der sehr großer Konkurrenzdruck herrscht."
Auch unter den Firmen, die ihre Produkte in "Sex and the City" unterbringen konnten, war ein harter Verteilungskampf im Gange. 81 Marken-Outfits hat der Internetdienst Femalefirst im Film gezählt. "SATC" - ein Garderobenzirkus, in dem sich Frauen nicht verkleiden, sondern durch die verschiedenen Looks zu sich selber kommen.
Man selbst, das ist in der Logik der Liebe natürlich der Andere, und für Carrie war das immer Mr. Big (Chris Noth). Im Film wollen sie heiraten, und auch diese romantischste aller romantischen Gesten wird gleich wieder vermarktet. Carrie kommt auf die Titelseite der Hochzeits-"Vogue", die Geschichte dazu heißt: "Das letzte Single-Girl".
"40 ist das letzte Alter, in der eine Frau fotografiert werden kann, ohne dass man dabei an Diane Arbus denkt", sagt die "Vogue"-Chefin (Candice Bergen) bitter. Die Bilder der Fotografin Diane Arbus (1923 bis 1971) bestechen durch ihren schonungslosen Blick auf das Elend und das Heruntergekommensein der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft – keine schöne Assoziation.
Der Film ist voll von solchen Kommentaren über das Alter und die Romantik. Parker selbst sagt: "Es geht um den Unterschied, wer man mit 20 ist und wer mit 40 und wie man in diesen Lebensphasen mit Liebe umgeht. Wer man wirklich ist, kriegt man ja erst später heraus."
Als Frau ist man jedenfalls immer auch eine Ware. Die Zweierbeziehung fungiert als Partnerbörse, und zwar buchstäblich: Man spekuliert auf den größtmöglichen Gewinn - emotional und auch finanziell -, und wenn es schiefgeht, schlägt man bestenfalls aus der Misere Kapital. Wie die Milliardärsgattin, die im Film nach der Scheidung alle Geschenke ihres Ex verhökert. Bei der Verkaufsausstellung sagt Carries Freundin Samantha (Kim Cattrall): "Im Gegensatz zur Ehe funktioniert Botox immer."
Wer nicht verkaufen oder kaufen kann wie Carrie (Schuhe), Samantha (Brillanten) und Charlotte (Designer-Babykleidung), der muss leihen. Carries Assistentin Louise, gespielt von der schwarzen Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson, erwirbt bei einem Leihdienst Nobel-Bags auf Zeit.
Am Ende bekommt sie von ihrer Chefin eine Louis-Vuitton-Tasche. "Jetzt bin ich Louise Vuitton!", sagt die Beschenkte stolz. Kann man die Warenförmigkeit des modernen Menschen besser zum Ausdruck bringen?
Parker deutet die Szene anders. "Meiner Ansicht nach gehört es zum Wesen der Frau, sich zu verschwistern. Es liegt ein riesiger Trost in dieser Unterstützung." Die Schwestern-Theorie gehört zu den Grundlagen des "SATC"- Erfolgs: Sie besagt, dass die Solidarität der Frauen untereinander alle romantischen Wünsche übersteigt.
Schuhe im Panic Room
Aber auch diese Utopie durchkreuzt der Film mit einer Szene: Da versöhnen sich Big und Carrie in einem riesigen begehbaren Schuh- und Kleiderschrank. Der Raum wirkt wie ein panic room, ein Tresor, der alle Einflüsse von außen fernhält. Es gibt nur sie, ihn und den Warenfetisch: ein faszinierendes Bild für das Eingeschlossensein in die Verhältnisse.
Ist "Sex and the City" also ein deprimierender, unter der Oberfläche zynischer Film? Eine Abrechnung mit den Klischees der Beziehungskomödie? Vielleicht sogar ein Tritt mit dem Highheel nach unserer kulturellen und psychologischen Schwachstelle: dem Wunsch nach Gemeinsamkeit?
Nein, ist er nicht, aber der perfekte Partner ist nicht Big oder Steve (der Mann von Miranda, gespielt von David Eigenberg), sondern New York selbst. Die größte Sehnsucht von Samantha, die zu Beginn des Films in Los Angeles lebt, ist die nach dem Big Apple; das höchste der Gefühle für Carrie ein Appartment an der Upper East Side. "Hier haben sie also das ganze Licht versteckt", sagt sie bei einer Wohnungsbesichtigung dem Makler, der nur wissend grinst.
"Männer kommen und gehen", erklärt Parker im Interview. "Aber die Stadt ist die große Liebe." Der 11. September hat für viele New Yorker dieses Gefühl noch verstärkt. Und er hat, so verrückt es klingt, das bewirkt, worauf die Heldinnen in "SaC" immer hoffen: auf eine Vertiefung der Beziehungen – und das Gefühl, am rechten Platz zu sein. "Wir, die wir da waren, wollten nirgendwo anders sein", sagt die Darstellerin, die als Carrie in der Serie selbst kein einziges Wort über die Katastrophe verliert. "Es hat uns zu besseren Menschen gemacht."
Im Film verabreden sich Miranda (Cynthia Nixon) und Steve nach einem schlimmen Ehestreit auf der Brooklyn Bridge. Am besagten Tag kommt sie zur Brücke, die Menschen strömen ihr entgegen, verzweifelt späht sie in die Menge, ob ihr Liebster dort zu finden sei.
Die alten Bilder von der Unübersichtlichkeit nach der Katastrophe schwingen hier mit; die Angst um die Nächsten, ob sie noch da sind, ob sie bald kommen werden. Kurz scheint er auf, ein Moment jenseits von Sex und Mode, Style und Erfolg. Ein Augenblick der Sorge.
Der Rest ist dann wieder Labels und Love.
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Ist irgendwie an mir vorbei gegangen, dieser ganz Hype um die Serie mit unrealistischen Frauenfiguren, die nichts anderes als Sex und Mode im Kopf haben. Ich glaube nicht, dass ich mir den Film anschauen werde. mehr...
Die Damen aus "Sex and the city" wirken auf mich wie Marsmenschen. Ich kann mich mit ihnen nicht im Geringsten identifizieren und gleichzeitig fehlt der exotische Reiz des Fremden. Falls es tatsächlich Frauen gibt, die [...] mehr...
Ja, einige. Aber warum verallgemeinern sie das "Frauenbild". Anscheinend möchten hier einige nicht verstehen, dass es eine Serie bzw. ein Film ist, der einschließlich der Unterhaltung dient, und nicht, um irgendein [...] mehr...
Na viele finden das tatsächlich erstrebenswert. Kann man doch nicht leugen, dass das quasi "Vorbilder" geworden sind. Trauriges Frauenbild aber naja. mehr...
Nun ja, Humor ist Geschmackssache, und wie ich - ohne die Aussicht auf Sex - wiederwillig in die Situation geraten bin, mir den Kram mal zwangsweise als Marathon anzusehen, ohne einmal lachen zu können, will ich Ihnen ersparen, [...] mehr...
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