Es schien alles perfekt: nach dem Welterfolg der "Herr der Ringe"-Trilogie soll nun auch "Der kleine Hobbit" mit Starbesetzung und in drei Teilen verfilmt werden. In wenigen Wochen beginnen die Dreharbeiten unter der Regie von Guillermo del Toro. Doch die Produktionsgesellschaft New Line Cinema hat die Rechnung ohne den Erben gemacht: Christopher Tolkien - Sohn von J.R.R. Tolkien und Verwalter seines Trustfonds - hat Klage gegen New Line Cinema eingereicht. Am 6. Juni beginnt der Prozess "Christopher Reuel Tolkien v. New Line Cinema Corp., BC385294" in Los Angeles.
Christopher Tolkien, 83, geht auf "einen letzten Kreuzzug", wie er der britischen "Sunday Times" sagte. der greise Erbe habe angekündigt, mit dem Prozess New Line Cinema die Filmrechte "kündigen" zu wollen. Sein Kreuzzug wird aber nicht erst im Juni beginnen. Seit Jahren liegt er im Clinch mit New Line Cinema. Tolkiens Anwälte bezichtigen die Produktionsfirma laut "Sunday Times" der "berechnenden Schikane". Hintergrund: Laut Tolkien Junior schuldet New Line dem Tolkien Trust 150 Millionen Dollar. Gemäß Vertrag sollte der Tolkien Trust mit 7,5 Prozent an den Einnahmen der "Herr der Ringe"-Verfilmungen beteiligt werden. Bis auf einen Vorschuss von 62.500 Dollar habe der Trust aber noch kein Geld gesehen. Tolkien verlange nun die Gewinnbeteiligung sowie eine Vertragsstrafe, so die Zeitung.
Geister der Vergangenheit
Die Rechtslage ist kompliziert: Christopher Tolkiens Vater, J.R.R. Tolkien, hatte im Jahr 1969 Steuerschulden und verkaufte widerstrebend die Filmrechte am "Herrn der Ringe". Den Verkauf übernahm sein Verleger Allen & Unwin, heute HarperCollins. Der Käufer war die Filmgesellschaft United Artists. Über mehrere Umwege hielt schließlich New Line Cinema die Filmrechte. Die Aushandlung des Vertrags dauerte zwei Jahre und ergab einen 50-seitigen sehr komplexen Vertrag, der heute den Anlass zu den Rechtsstreitigkeiten liefert.
"Der kleine Hobbit" ist der Vorläuferroman zur "Herr der Ringe" -Trilogie. Bilbo Beutlin, Onkel des berühmten Frodo, erlebt darin sagenhafte Abenteuer und gelangt in den Besitz des "Einen Rings".
Der "Hobbit" soll - mit Peter Jackson als Produzent - ebenso wie die "Herr der Ringe"-Trilogie in Neuseeland verfilmt werden. Für die Hauptrollen konnten erneut Ian McKellen als Gandalf und Andy Serkis als Gollum gewonnen werden. Viggo Mortensen ist für die Rolle des Aragorn ebenfalls im Gespräch, obwohl er im Roman gar nicht auftaucht. Der erste Teil des Hobbits soll im Jahr 2010 seine Premiere feiern können, für 2011 ist der zweite Teil geplant.
ibl
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