Von Nina Rehfeld
Nach dem Autorenstreik vom vergangenen Winter droht Hollywood nun ein Ausstand der Schauspieler. Gestern lief der Vertrag der Schauspielergewerkschaft Screen Actors' Guild (SAG) mit den Studios aus, ein neuer Deal ist bisher nicht in Sicht. Noch bevor ein Streik ausgerufen ist, beziehen Hollywoods Superstars medienwirksam Stellung - gegeneinander. Tom Hanks wirbt für einen schnellen Kompromiss, Jack Nicholson fordert notfalls Streik. Der Graben, der durch Hollywood läuft, ist so tief, dass sich George Clooney als Vermittler einschaltete und zur Einigkeit gegen die Produzentenverbände aufrief - bislang erfolglos.
Die Spaltung der Schauspieler reflektiert einen bitteren Streit, der zwischen den beiden wichtigsten Schauspielergewerkschaften SAG und American Federation of Radio and Television Artists (AFTRA) entbrannt ist. Seit die AFTRA Ende März einen eigenen provisorischen Vertrag mit dem Produzentenverband AMPTP (Alliance of Motion Picture and Television Producers) verhandelte, führt die SAG eine massive Kampagne gegen die kompromissbereite Schwestergewerkschaft.
Gut 44.000 US-Schauspieler sind in beiden Gewerkschaften zugleich organisiert. Während noch vor zwei Wochen die Ratifizierung des AFTRA-Vertrags als so gut wie sicher galt, ist inzwischen fraglich, ob sich am 8. Juli eine Mehrheit der AFTRA-Mitglieder dafür aussprechen wird. Der Deal spricht den Schauspielern höhere Honorare zu, klammert aber Tantiemen für Weiterverwertungsrechte im Internet und via DVD weitgehend aus, die bereits im Zentrum des Autorenstreiks standen und von der SAG gefordert werden.
"Fallt nicht auf einen Streik herein!"
Inzwischen präsentieren beide Gewerkschaften nahezu stündlich prominente Schauspieler als ihre Unterstützer. Hanks, Susan Sarandon, Kevin Spacey und Alec Baldwin stehen auf Seiten der AFTRA und fordern die Ratifizierung des Vertrages, um einen neuen, ruinösen Ausstand zu vermeiden. Auf der anderen Seite haben sich neben Nicholson Viggo Mortensen, Holly Hunter und Sean Penn hinter die SAG gestellt, die "noch nicht fertig mit der Verhandlung eines fairen Vertrages" ist, wie es auf der Web-Seite der Gewerkschaft heißt. 150.000 Dollar hat die SAG bislang in Werbemaßnahmen gegen eine Ratifizierung des AFTRA-Vertrages gesteckt, die AFTRA spricht von einer "politisch motivierten Desinformationskampagne". Sie warnt auf ihrer Webseite: "Hier geht es nicht um Politik, hier geht es um euren Gehaltsscheck! Fallt nicht auf einen Streik herein!"
Bei der Fehde zwischen den Gewerkschaften geht es nicht zuletzt um das Machtverhältnis zwischen den beiden Gewerkschaften. Traditionell repräsentiert die 70.000 Mitglieder starke AFTRA Live- und Video-Produktionen, während die SAG (120.000 Mitglieder) für auf Film gebanntes Material, also Kino und Primetime-Fernsehen, zuständig ist.
Schmerzhafte Folgen eines Ausstands
Doch die digitale Technologie verwischen die vormals scharfen Grenzen zusehends. Zahlreiche Serien aus dem Kabelfernsehen, darunter HBO's Riesenerfolg "Curb your enthusiasm", aber auch Network-Stücke wie "Project Gary" auf CBS, werden mittlerweile unter AFTRA-Verträgen produziert. Ein oft gehörter Vorwurf von Seiten der SAG lautet, die AFTRA versuche mit produzentenfreundlicheren Deals ihre Machtposition auszubauen.
Die AFTRA-Befürworter weisen dagegen auf die schmerzhaften Folgen eines Ausstands hin, der zudem keineswegs einen besseren Deal garantiere. Der dreimonatige Streik der Drehbuchautoren, der Amerikas Fernsehproduktionen fast völlig zum Erliegen brachte und dem die Golden-Globe- Verleihung im Januar zum Opfer fiel, verursachte einen Schaden von schätzungsweise zwei Milliarden Dollar.
Am härtesten würde es auch diesmal nicht die Leute vom Kaliber eines Hanks oder Nicholson treffen, sondern das Fußvolk. Techniker und Caterer, Make-Up-Künstler, Kulissenbauer und Kostümdesigner müssen erneut einen ruinösen Arbeitskampf fürchten, bei dem sie selbst nichts zu gewinnen haben. Am heutigen Mittwoch werden die SAG und die AMPTP zu erneuten Verhandlungen zusammenkommen, um einen Streik womöglich doch noch abzuwenden.
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