SPIEGEL ONLINE: Sie haben den Film zum großen Teil aus den Einkünften Ihres Weingutes finanziert, sogar einen Wein mit dem Namen "Director's Cut" auf den Markt gebracht. Was haben Filme- und Weinmachen gemein?
Coppola: Oh, da gibt es sogar viele Gemeinsamkeiten. Denn wie Filmemachen ist Weinmachen eine Kunst. Es gibt drei Phasen. Da ist zum einen die Produktion des Grundmaterials, der Trauben. Schon hier hängt viel von Faktoren ab, die man nicht beeinflussen kann. Ich habe keine Ahnung, wie das Wetter wird, ich muss davon ausgehen, dass nicht alle Trauben grandios sein werden. Du versuchst dein Bestes. Aber dann hat der Schauspieler einen schlechten Tag oder du bist nicht gut beieinander. Kurz: die Ernte wird sehr gemischt. Im Schnitt versucht du das Beste daraus zu machen, indem du selektierst. Auch das ist genau wie bei der Produktion eines Weins. Dann das Finishing: In welchen Fässern lagerst du den Wein, wie viel Eiche ist angebracht. Und das nennt man beim Film schlicht Postproduktion... (lacht). Eigentlich gibt es keinen Unterschied.
SPIEGEL ONLINE: War dieser Film, der erste seit Ihrer Grisham-Adaption "Der Regenmacher" von 1998, für Sie ein kreativer Befreiungsschlag?
Coppola: Am liebsten würde ich einen Film nach dem anderen drehen. Ich habe immer Woody Allen bewundert: Er hat tatsächlich fast jedes Jahr einen neuen Film gemacht und sie alle selbst geschrieben. Er ist der einzige, der diesen phantastischen Output an Originalmaterial hat. Die Filme sind mal besser und mal schlechter, aber ich finde immer etwas Wundervolles darin.
SPIEGEL ONLINE: Ihr zu Beginn des Films noch sehr alter Protagonist fürchtet sich davor zu scheitern. Haben Sie als Regisseur auch Angst davor?
Coppola: Wie könnte ich Angst davor haben? Eigentlich bin ich bei jeder neuen Produktion lang hingeschlagen. Und wundersamerweise habe ich überlebt! Ich habe diese peinlichen Niederlagen erlebt, wurde von der Kritik vernichtet, und zehn Jahre später sagte man, es sei interessant. Nehmen wir "Apocalypse Now": Den mochte damals auch niemand. Glücklicherweise besitze ich die Rechte an diesem Film, denn der ist heute meine "Cash Cow". Sehen Sie sich mal die Kritik aus "Variety" zur Premiere an. Sie haben nie etwas Grausameres gelesen.
SPIEGEL ONLINE: Und das tut heute, dreißig Jahre später, noch weh?
Coppola: Es tut verdammt weh, das kann ich Ihnen sagen! Ich arbeite so hart an meinen Filmen, und dann lese ich, es sei amateurhaft, langweilig, dämlich und grauenhaft. Es gibt nur eines, was noch schlimmer ist... so etwas über einen Film meiner Kinder zu lesen! (lacht)
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie glücklich, dass Sofia in Ihre doch recht großen Fußstapfen getreten ist?
Coppola: Sie hat drei Filme gemacht, die ich alle sehr schön finde. Da bin ich ganz stolzer Vater. Aber als ich dann die Kritiken zu "Marie Antoinette" lesen musste, den ich für einen der originellsten Filme der vergangenen Jahre halte, das tat weh! Und jetzt stellen Sie sich mal vor, wie sich George Bush Senior fühlen muss, wenn er abends ins Bett geht... (lacht). Er muss völlig fertig sein. Aber Sofia geht ihren eigenen Weg, da versuche ich mir keine Sorgen zu machen.
SPIEGEL ONLINE: Müssen wir uns Sorgen um Ihren neuen Film "Tetro" machen? Angeblich wurde Ihnen Filmmaterial in Buenos Aires gestohlen?
Coppola: Wir wurden tatsächlich von vier Männern ausgeraubt. Und sie haben den rührenden, jungen Fotografen mit einem Messer verletzt, der versuchte, die Kameras zu verteidigen. Letztendlich haben sie zehn Laptops gestohlen, alle Backup-Laufwerke, Kameras und solche Sachen. Ich habe ungefähr ein Jahr Arbeit verloren, hauptsächlich Fotos und Notizen. Das ist zu verschmerzen. Und da Sie mich vorhin nach dem kreativen Befreiungsschlag fragten: Ich bin sehr enthusiastisch!
Das Interview führte Christian Aust
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