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09.07.2008
 

US-Schauspielerstreit

Tom Hanks und Co. feiern Punktsieg

Von Nina Rehfeld

Riss durch Hollywood: Die kleinere der zwei wichtigen US-Schauspielgewerkschaften hat einen separaten Tarifvertrag mit den Produzenten ausgehandelt - Tom Hanks und andere hatten dafür votiert. Die mächtigen Studios dürfen sich nun über eine gespaltene Schauspielerschaft freuen.

Die Gefahr eines Schauspielerstreiks in Hollywood ist zumindest abgemildert, wenn auch noch nicht gebannt: Die Mitglieder der American Federation of Radio and Television Artists (AFTRA) haben einen neuen Vertrag mit den Studios mit 62,4 Prozent der Stimmen ratifiziert.

Der neue Dreijahresvertrag für die 70.000 Mitglieder der AFTRA sieht Honorarsteigerungen für Schauspieler und eine grundsätzliche Vergütung für übers Internet ausgestrahlte Fernsehinhalte vor. Doch die 120.000 Mitglieder starke SAG hält die darin festgelegten Regeln für den Umgang mit digitalen Inhalten für löchrig und fordert weitere Zugeständnisse von den Studios. Deshalb hatte Amerikas größte Schauspielergewerkschaft in den vergangenen zwei Monaten einen heftigen PR-Krieg gegen den Vertrag mit den Studios geführt.

Die Verbreitung von Film- und Fernsehinhalten im Internet hat in den vergangenen zwei Jahren einen Boom in den USA erlebt: Viele Sender machen ihre Top-Programme schon am Tag nach der Originalausstrahlung im Netz zugänglich. Kostenpflichtige Web-Seiten wie iTunes und kostenfreie wie Hulu.com bieten Filme, Serien und Clips zuhauf feil, ohne dass die Kreativen bisher an den Erlösen aus diesen neuen Plattformen beteiligt werden. Auch die Beteiligung am überaus profitablen DVD-Geschäft ist ein brennendes Thema zwischen Studios und Kreativen.

Die SAG befindet sich derzeit in separaten Verhandlungen mit dem Produzentenverband AMPTP, doch da 44.000 Schauspieler in beiden Gewerkschaften zugleich organisiert sind, gilt die Entscheidung der AFTRA-Mitglieder als wichtiges Stimmungsbarometer für oder gegen einen Streik. Die mehrheitliche Zustimmung der AFTRA-Mitglieder zu dem neuen Vertrag fügt der bislang kaum angezweifelten Autorität der SAG in Hollywood erhebliche Kratzer zu. Noch bevor die Verhandlungen zwischen SAG und der AMPTP abgeschlossen sind, darf sich der Produzentenverband angesichts der Spaltung der Schauspielerschaft daher als heimlicher Sieger der Auseinandersetzung sehen.

De Niro warnte vor Streik

Im Vorfeld der Abstimmung hatten zahlreiche prominente Schauspieler öffentlich Stellung für oder gegen eine Ratifizierung des AFTRA-Vertrages Stellung bezogen, darunter Tom Hanks, der sich dafür aussprach, und Jack Nicholson, der dagegen argumentierte. Zuletzt hatte sich Robert De Niro, der eher als öffentlichkeitsscheu bekannt ist, in die Diskussion eingeschaltet und angesichts der wirtschaftlichen Lage im Land vor einem Streik gewarnt.

Denn die Film- und Fernsehindustrie hat mit dem Autorenstreik, der im vergangenen Winter drei Monate lang vor allem Fernsehproduktionen lahmlegte, eben erst einen wirtschaftlich desaströsen Ausstand hinter sich gebracht, der die Industrie geschätzte zwei Milliarden Dollar kostete. Zwar konnte die Autorengilde WGA mit dem Streik, der in der Absage der Golden-Globe-Verleihungen und einer drohenden Absage der Oscars kulminierte, umfassende Vergütungen für die Weiterverbreitung von Werken im Internet erzielen. Doch andere wichtige Forderungen, darunter die Einbeziehung von Animations- und Reality-Programmen, fielen unter den Tisch. Viele Beobachter werteten den Autorenstreik daher insgesamt als einen zweifelhaften Erfolg.

Abgewendet ist ein Schauspielerstreik indes noch nicht. Die SAG hat angesichts der relativ knappen Abstimmungsmehrheit bei der AFTRA-Entscheidung bereits einen moralischen Sieg reklamiert, und am morgigen Donnerstag will sich die Schauspielergewerkschaft zu abschließenden Verhandlungen mit der AMPTP treffen. Es wird allgemein erwartet, dass die SAG den vorliegenden Vorschlag der Studios, der dem AFTRA-Vertrag gleicht, ablehnt. Wie es in diesem Fall weitergeht, bleibt abzuwarten.

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