Von Andreas Banaski
David Mamet ist kein Mann für den einfachen Weg. Aber wie das so ist bei Männern mit Ehrenkodex: Sie treten sich oft selbst auf die Füße. Und so ist Mamet mit dem heute im Kino anlaufenden "Redbelt" auch nur ein halbguter Film gelungen.
Golfkriegsveteran Mike betreibt in Los Angeles seine Jiu-Jitsu-Schule mit ethischen Grundsätzen: Er lehrt die Kunst der Selbstverteidigung und verdammt den Kommerz des sportlichen Wettkampfs. Mit diesem Anspruch schlingert er am Abgrund der Pleite entlang, aber als Mann, der sich einer "höheren Berufung" verschrieben hat, lebt er eben, wie ein Priester oder Samurai, zwangsläufig unter dem "Gelübde der Askese", wie Mamet blumig doziert, der sich selber in fünf Jahren fanatischen Jiu-Jitsu-Trainings von seinen Meistern "eine Vision korrekten moralischen Verhaltens in allen Lebenslagen" abgeschaut und deshalb ausgerechnet diese nicht gerade fotogene Kampfsportart filmisch aufgearbeitet hat.
Eine offenbar nah am Nervenzusammenbruch angesiedelte Anwältin stolpert eines Nachts in Mikes Studio, zerschießt versehentlich eine Fensterscheibe und löst damit eine Kettenreaktion aus, die Mikes Lebensphilosophie auf die Probe stellt. In der Folge stürzt er nämlich einen seiner Schüler, einen Polizisten, in einen unauflöslichen Gewissenskonflikt (hätte man so bei einem Mitglied des berüchtigten Los Angeles Police Departments nicht unbedingt erwartet).
Die Bekanntschaft mit einem Hollywood-Actionstar (Komiker Tim Allen reichlich skurril besetzt), den Mike aus einer Kneipenschlägerei haut, verspricht dann scheinbar die Lösung aller finanziellen Probleme, verstrickt Mike aber nur noch tiefer in Ehrenhändel. Am Ende muss er, ausgenutzt und betrogen, doch widerwillig in einem Kampfsportturnier seinen Mann stehen.
Genau zu erklären, wie all das schicksalhaft und zwingend zusammenhängt, würde jetzt die Luft aus dieser zu shakespearschen Größe aufgeblasenen Trash-Dramaturgie lassen. Denn durch seine Vorliebe für Täuschungen und streng konstruierte Drehbuchwendungen driftet Mamet schon arg in den Grenzbereich der Glaubwürdigkeit. Und ehrenvoll im Film bedeutet manchmal eben bescheuert und nicht ganz nachvollziehbar im wirklichen Leben.
Dass die Geschichte dennoch nicht völlig auseinanderfällt, liegt erstens an Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, der, man kann's nicht anders sagen, einfach die nötige Autorität ausstrahlt. Und zweitens an den Vorbildern, die sich Mamet ausgesucht hat. Ein Film, der sich an den Größten orientiert, an Akira Kurosawa und Sergio Leones Clint-Eastwood-Western, an Scorseses "Raging Bull", John Hustons Noir-Periode oder Jean-Pierre Melville, und sich dabei nicht völlig blamiert, ist eben auch dann noch recht gut, wenn er eigentlich nur halb gut ist.
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