Aus London berichtet Siegfried Tesche
Queen Elizabeth war zweimal dort. Ebenso Prinzessin Anne. Charles und Diana kamen sogar fünfmal. Aber für die Prinzen William und Harry war es eine echte Premiere: Sie besuchten am Mittwochabend erstmals eine Welturaufführung eines Bond-Films in London.
Bei Bond ist ja immer alles größer als bei allen Anderen - und so wurde auch dieses Mal richtig geklotzt. Die Macher ließen den kompletten, rund 8000 Quadratmeter großen Leicester Square absperren, errichteten eine Batterie aus Tribünen, roten Teppichen, Videowänden und Gittern, positionierten einen der handgefertigten Aston Martin DBS (Stückpreis ab 240.000 Euro aufwärts) auf einer Bühne und schickten die über 2500 Gäste gleich in zwei Kinos: das traditionelle Odeon am Leicester Square und das Empire Kino schräg gegenüber.
Mindestens 50 Pfund (rund 63 Euro) musste jeder Gast bezahlen, um zum erlauchten Kreis der Besucher zu zählen. Erwartet wurde freilich mehr: Schon seit Jahrzehnten ist es beste Bond-Tradition, dass die Einnahmen aus dem Kartenverkauf, dem Verkauf der Weltpremierenprogramme und der darin plazierten Anzeigen wohltätigen Organisationen zugute kommen.
Dieses Mal waren "Help For Heroes" und "The Royal British Legion" die Begünstigten; beide werden von den Prinzen unterstützt. Dahinter verbergen sich zwei Vereine britischer Veteranen, die 1921 und 2007 gegründet wurden, um Kriegsopfer und deren Angehörige zu unterstützen. An diesem Abend kamen exakt 505.138 Pfund zusammen – mehr als 650.000 Euro.
Harry und William waren ohne Freundinnen gekommen. Und sie scherten sich, ganz im Gegensatz zum Herrn Papa früher, kein bisschen um den Luxusschlitten, sondern kümmerten sich vor allem um die rund 50 anwesenden Soldaten.
Die beiden jungen Prinzen schüttelten Hände, ließen sich Geschichten erzählen, lernten die Soldatenbräute kennen, posierten für Fotos und spendeten den Veteranen das eine oder andere Quantum Trost. Über eine Stunde dauerte das - inklusive Smalltalk mit den Stars des Films.
Mancher Kinobesucher rutschte wegen dieser Warteschleife nervös auf dem Sessel hin und her oder tat sich an kostenlos gereichten Schokoladentafeln und Wasserflaschen gütlich. Einige hämmerten sogar auf eingeschmuggelten Handys herum, obwohl strengste Sicherheitskontrollen ein striktes Telefon- und Kameraverbot durchsetzen sollten. Schließlich versuchten die Premierengäste sogar, mit rhythmischem Klatschen dafür zu sorgen, dass es nun endlich losgehen möge - vergeblich.
Das strenge Protokoll ignorierte jegliche Unmutsbekundung - ebenso wie der Agent ihrer Majestät. Denn Daniel Craig machte gute Miene zum zähen Spiel.
Craig war wenige Minuten nach Mathieu Amalric, der den Gangster Dominic Greene spielt, und Dame Judi Dench, die wieder als M dabei ist, schon um kurz nach 18.00 Uhr auf dem roten Teppich erschienen.
Dem Händeschütteln und Autogramme schreiben musste Craig allerdings an diesem Abend zumeist entsagen - denn der Schauspieler trug seinen rechten Arm in einer Schlinge. Bei einem der Unfälle, denen er während der Dreharbeiten ausgesetzt war, wurde seine rechte Schulter offenbar schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Die Blessur hat sich mittlerweile so unangenehm entwickelt, dass Ärzte ihm rieten, den Arm zu schonen. Dennoch bedankte er sich bei den "phantastischen" Fans, beschrieb das Premierenfeeling als "besser als beim letzten Mal" und hoffte, dass sich "bloß niemand erkältet".
Unbegründet war seine Fürsorge für frierende Fans nicht: das erste Mal seit 70 Jahren in England hatte es schon Ende Oktober geschneit. Später nutzte Craig die Bühne des Odeon-Kinos sogar dafür, seiner Freundin, der Filmproduzentin Satsuki Mitchell, noch ein "I love you" zuzurufen. Ein Novum in der Bond-Premierengeschichte - und in der ist wirklich einiges passiert.
So hatten fanatische Fans bei der Uraufführung von "Goldfinger" am 17. September 1964 dafür gesorgt, dass Polizeiabsperrungen und eine Kinotür zu Bruch gingen. Bewaffnete Damen mit goldschillernden Blusen brachten damals die Filmrollen ins Kino. Prinz Charles dagegen brachte seine Freundin Lady Diana am 24. Juni 1981 mit zur Bond-Premiere - fünf Wochen vor ihrer Hochzeit. Gemeinsam mit Countess Snowdon sahen sie "For Your Eyes Only".
Bei anderen Weltpremieren waren John McEnroe, Liza Minnelli, Michael Caine, Tom Selleck, Patrick Swayze, Damon Hill, Bono, Bob Geldof und Mickey Rourke zu Gast. Sean Connery und Roger Moore, die vermeintlichen Konkurrenten um den Titel "Bester Bond aller Zeiten", kamen 1971 sogar Arm in Arm.
Und 1967, während der Premiere von "You Only Live Twice", teilte Sean Connery der Queen mit, seine Rolle als Bond aufzugeben. Folgender Dialog ist überliefert: "Hatten Sie das Gefühl, dass Sie als 007 zu sehr auf einen bestimmten Typ abgestempelt wurden und als Schauspieler diesen Spion nicht mehr loswerden?" "Ja, Sie haben recht, Madame. Das ist der Grund."
Daniel Craig sieht das offenbar (noch) nicht so. "Nachdem ich diesen Film überstanden habe, habe ich das Gefühl, dass ich im nächsten einfach alles machen kann", verkündete er auf dem roten Teppich. Für zwei weitere Bond-Abenteuer hat er unterschrieben und sich zur Abwechslung schon jetzt die Haare total kurz schneiden lassen.
Immerhin kam er nicht mit Bart, sonst hätte er hinterher vielleicht unfreundliche Worte der Produzenten zu hören bekommen. So geschah es nämlich George Lazenby 1969, als er seinen einzigen Bond "On Her Majesty's Secret Service" vorstellte.
Und auch Timothy Dalton musste sich nach seiner ersten Premiere ("The Living Daylights", 1987) ein Donnerwetter anhören, weil er seinen Haarschnitt Bond-untypisch hatte verändern lassen.
Jene Schauspieler, die beim nächsten Bond wohl nicht mehr dabei sind, pfiffen an diesem Abend allerdings auf jegliche Etikette. Regisseur Marc Forster und der Schweizer Schauspieler Anatole Taubman kamen mit Dreitagebart.
Mathieu Amalric ignorierte sogar die "Black Tie"-Anweisung auf der Eintrittskarte - und erwies sich damit nicht nur im Film als echter Bösewicht. Die sieben gigantischen Videowände zeigten den kleinen Franzosen rauchend auf dem roten Teppich.
Wenn das die Queen gesehen hätte.
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Mit diesem Rundumschlag gegen alte Filme haben sie mal eben 100 Jahre Filmgeschichte entsorgt. In dieser Anmaßung ist das kindisch. Billy Wilders Drehbücher sind also, um nur ein Beispiel von sehr vielen zu nennen, [...] mehr...
Sie sind wirklich im Besitz der "objektiven Meinung"? mehr...
Robin Hood von 1938 ist auch heute noch für die heutigen Verhältnisse toll. Entweder ist ein Film gut und zwar in allen Zeiten und Epochen, oder nicht. Gut für jene, aber nicht gut für diese Zeit zu sein: das gibt es nicht. [...] mehr...
Wen interessiert denn das? Ich will "objektiv" gute Filme sehen und keine, die lediglich "für damalige Verhältnisse" toll waren. Und das Filmhandwerk hat sich auf allen Bereichen weiterentwickelt, vor allem [...] mehr...
Sie werden jeden James-Bond-Film ablehnen, der anders ist als Sie es gewohnt sind. Von daher fordern Sie selbstverständlich Stagnation, Sie wollen's nur nicht zugeben. Casino Royale war der beste James Bond seit langem und [...] mehr...
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