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Berlinale Der Berlinalist

4. Teil: Dezember 2008/Januar 2009

WARTEN, WARTEN, WARTEN

Kein freier Tag. Schneiden auch an Silvester und Neujahr. Es wäre fatal, wenn "The Good American" nicht angenommen werden sollte. Der Film wäre dann wohl tot. Das will ich mir gar nicht vorstellen, bei all der Zeit und dem Geld, das ich investiert habe. Es muss einfach klappen. Die nächsten großen internationalen Festivals, bei denen vielleicht Chancen hätte, finden erst im August und September statt, in Montreal und Toronto, und das wäre dann wirklich zu spät. Langzeitbeobachtung hin oder her, irgendwann muss man das Ding ja auch herausbringen.

7. 1. 2009: PRESSEMITTEILUNG

Per Pressemitteilung kündigt das Berlinale-Büro die ersten 21 Filme von insgesamt 50 Beiträgen für das Panorama-Programm an. "The Good American" ist nicht dabei. Kein gutes Gefühl, in weniger als einem Monat geht das Festival los. In mir wächst die Sorge, doch ich versuche, optimistisch zu bleiben. Viele Filme werden erst drei Wochen vor Festivalbeginn eingeladen.

13. 1. 2009, 22.27 Uhr: DAS PANORAMA-BÜRO RUFT AN

Anruf auf dem Handy, es ist Arndt Roeskens aus dem Panorama-Büro. Der Tonfall seiner Stimme lässt es schon erahnen: "The Good American" hat es geschafft. Ich freue mich riesig, aber viel Zeit zu feiern bleibt nicht, das Büro hätte gern noch in dieser Nacht eine schriftliche Zusammenfassung der Handlung und die Creditlisten. Ich rufe die engsten Beteiligten an.

14. 1. 2009: E-MAIL

Per E-Mail erfahre ich ungewöhnlich zügig den Premierentermin: am 9. Februar um 17 Uhr. Finde ich gut. Spätabends haben es Dokumentarfilme immer schwerer, da sind die Leute müde und haben Hunger. Am Nachmittag und in der ersten Festivalhälfte sind sie noch einigermaßen frisch. Meine erste Dokumentation auf der Berlinale startete 1995 wegen Verzögerungen erst um 0.50 Uhr. Das ist niemandem zu wünschen.

19. 1. 2009: TONMISCHUNG

Das Wochenende verbringe ich mit der Tonmischung des Films. Wir versuchen hochkonzentriert zu arbeiten, trotz völliger Übermüdung. Meine Arbeitstage sind 17 oder 18 Stunden lang. Ab Januar habe ich immer den Eindruck, die schlafen überhaupt nicht mehr im Panorama-Büro. Man bekommt manchmal um 3.30 Uhr früh eine Mail, in der sie um ein Bild in einer bestimmten Auflösung bitten. Ich kann die Premiere kaum erwarten, denn alles vorher ist der pure Stress. Die Untertitelung muss gemacht werden, die Mischung, die Texte für den Katalog, Fotos, letzte minimale Schnittänderungen, die Musikrechte müssen endgültig geklärt werden, der Abspann will kontrolliert sein, damit man nichts und niemanden falsch geschrieben oder gar vergessen hat. Dazu kommen Presse und Vertriebsarbeit, es fehlen Grafiken, Poster und Flyer. Am 24. Januar muss ich auch noch für neun Tage in die USA. Dreharbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff, ließ sich nicht mehr verschieben. Das wird aber was fürs Fernsehen, nicht für die Berlinale. Es muss ja noch andere Dinge im Leben geben.


Das Tagebuch geht weiter. Jochen Hick berichtet am 10.2. auf www.spiegel.de, wie die Berlinale-Premiere von "The Good American" gelaufen ist.

The Good American: Weltpremiere auf der Berlinale am 9.2., 17 Uhr. Weitere Vorführungen am 11. und 12.2.

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