Hamburg/Los Angeles - "Who watches the Watchmen?" - wer schaut eigentlich den Menschen zu, die uns überwachen? Diese Frage hat in den achtziger Jahren nicht nur Alan Moore und Dave Gibbons beschäftigt, die beiden Schöpfer des Comics "Watchmen", die in ihrem zum Kultklassiker gewordenen Werk eine düstere, vom kalten Krieg zerfressene Welt zeichneten. Nein, sie beschäftigte zuletzt auch die Produzenten der Kinoversion des als unverfilmbar geltenden Superhelden-Stoffs - auf einer wirtschaftlichen Ebene versteht sich.
Nach dem Startwochenende können sie sich zumindest in den USA, dem Kernland, etwas entspannter im Kinosessel zurücklehnen. Laut "Blickpunkt Film" landete mit 55,6 Millionen Dollar Einspiel auf Platz eins am Box Office. Zack Snyders Comicverfilmung schaffte damit das bislang beste Startwochenende des Jahres.
Aufgrund der enormen Publicity hatte man zwar ein gutes Ergebnis erwartet, aber angesichts einer Laufzeit von knapp drei Stunden und eines R-Rating ist der Erfolg des in 3611 Kinos gestarteten Films doch erstaunlich - auch wenn er damit nicht so stark war wie Snyders Vorgänger "300", der vor exakt zwei Jahren mit 70,9 Millionen Dollar angelaufen war.
Platz zwei ging an den beständigen "Madea Goes to Jail", den vierten Teil einer Komödienreihe von und mit Tyler Perry. Der Film, in dem Perry als Frau verkleidet eine Südstaaten-Lady spielt, konnte sein Gesamtergebnis nach 8,8 Millionen Dollar auf 76,5 Millionen Dollar steigern und ist damit der erfolgreichste Film seiner Karriere.
Gut läuft weiterhin auch der Thriller "Taken/96 Hours", der am sechsten Wochenende nur 24 Prozent abbaute und nach 7,4 Millionen Dollar insgesamt bereits 118 Millionen Dollar umgesetzt hat.
Die 100-Millionen-Dollar-Marke hat auch Oscar-Gewinner "Slumdog Millionär" schon übersprungen. Danny Boyles hoch dekorierter Film setzte seinen guten Lauf am Wochenende mit weiteren 6,9 Millionen Dollar Einspiel fort und kommt nun auf ein Gesamtergebnis von 125,4 Millionen Dollar.
Die Top fünf beschließt "Der Kaufhaus Cop" mit King-of-Queens-Star Kevin James, der 4,2 Millionen Dollar einspielte und mit 133,6 Millionen Dollar Gesamteinspiel bis dato erfolgreichster Film des Jahres ist.
Rasant bergab ging es dagegen mit dem Boyband-Film "Jonas Brothers - Das ultimative 3D Konzerterlebnis" aus dem Hause Disney, der ein Minus von 78 Prozent verkraften musste und damit von Platz zwei auf neun fiel.
Triumph einer ziemlich blonden Familie
In Deutschland haben es Comic-Verfilmungen schwerer als in den USA, und so kam in 371 Kinos gestartet, mit 185.000 Zuschauern (ohne Previewzahlen) nur auf Platz drei. Gehofft hatte man auf ein Ergebnis, wie es "Batman Begins" 2005 verzeichnen konnte. Der erste Batman-Film von Regisseur Christopher Nolan (rund 900.000 Zuschauer insgesamt) kam an seinem ersten Wochenende auf etwa 218.000 Besucher, war allerdings auch mit fast doppelt so vielen Kopien gelaufen (674).
Auf Platz eins landete dagegen ein anderer Neustart, der von der Grundstimmung her wohl das genaue Gegenteil zum dunklen "Watchmen" ist: "Marley & ich". Die romantische Komödie um eine blonde Familie (Owen Wilson, Jennifer Aniston und ihr Labrador) war schon in den USA zum Überraschungserfolg avanciert und kam hierzulande in 548 Kinos auf rund 370.000 Besucher.
Dahinter folgte der Spitzenreiter der vergangenen Woche, " Der Vorleser", der nochmals von etwa 310.000 Zuschauern gesehen wurde und nun bereits zielstrebig auf die Eine-Million-Besucher-Marke zusteuert. Mit insgesamt mehr als 700.000 Besuchern ist die Bestsellerverfilmung mit Oscar-Gewinnerin Kate Winslet schon jetzt der zweiterfolgreichste Film des Senator Film Verleihs seit seiner Restrukturierung vor zwei Jahren.
Auf Platz vier landete der Disney-Kinderfilm "Hexe Lilli", für den 165.000 Tickets gelöst wurden, und der damit ebenfalls auf die Eine-Million-Besucher-Marke zusteuert. Die Top fünf beschließt ein weiterer Neuling, Clint Eastwoods "Gran Torino", der in 143 Kinos mit gutem Schnitt auf 100.000 Besucher kam und damit etwas besser ins Rennen geht als "Million Dollar Baby" vor vier Jahren.
"Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" kam in 223 Kinos mit 65.000 Zuschauern gerade noch in die Top Ten, "Willi und die Wunder dieser Welt" hätte es in 163 Kinos mit 60.000 Kinogängern fast geschafft.
Insgesamt wurden etwa 2,1 Millionen Tickets in Deutschland gelöst.
chc
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