Von David Kleingers
Vielleicht ist der neue "Terminator" ja nur Hollywoods Definition der Abwrackprämie: Beim vierten Teil der Endzeitmär ist der Lack endgültig ab, aber die schrottreifen Überreste der einst zwingenden Science Fiction werden sich dank dröhnender Inszenierung und noch lauterer Kampagne dennoch kapitalisieren lassen, wenn "Terminator: Die Erlösung" an diesem Donnerstag in deutschen Kinos anläuft.
Das Fehlen der klotzigen Ikone Arnold Schwarzenegger, der sich mit "Terminator 3: Rise of the Machines" von seiner Paraderolle als kybernetischer Killer verabschiedete, versucht man hier durch eine illustre Besetzung und reichlich Feuerwerk zu kompensieren. In den USA, wo der Film bereits seit vorvergangener Woche lief,
zeigte sich das Publikum nur mäßig begeistert von der hochgejazzten Materialschlacht, die ungefähr so spannend wie ein routinemäßiger Ölwechsel ist.
Geblieben ist die nun schon ein Vierteljahrhundert alte Prämisse von James Camerons "Terminator" (1984): Das allmächtige Computersystem Skynet löst die atomare Apokalypse aus und hetzt ein Heer von Mordmaschinen auf die Überlebenden. Waren die vorherigen Filme vor dem großen Knall angesiedelt, will Regisseur McG nun den stets prophezeiten Zukunftskampf der Restmenschheit zeigen.
Die Zukunft wird abgewrackt
Im verwüsteten Amerika des Jahres 2018 wartet John Connor (Christian Bale), der seit seiner Zeugung von zeitreisenden Terminatoren gejagt wurde, auf die Erfüllung seines Schicksals: Eines Tages den menschlichen Widerstand zum Sieg gegen die Automatendiktatur zu führen.
Just als die Rebellen glauben, eine neue, kriegsentscheidende Waffe entdeckt zu haben, tritt der mysteriöse Marcus Wright (Sam Worthington) auf den Plan. Der wurde in der ausradierten Vorzeit wegen Mordes zum Tode verurteilt und steht nun Jahre nach dem Fallout ohne Erinnerung an das seitdem Geschehene von den Toten auf.
Das Rätsel seiner tatsächlichen Identität, so will es ein reichlich vorhersehbares Drehbuch, ist natürlich mit dem aktuellen Masterplan der Maschinen verwoben: Die in vielerlei Ausfertigung vorhandenen Terminatoren jagen nun Kyle Reese (Anton Yelchin), jenen noch ahnungslosen Jungen, der später einmal in Connors Auftrag in die Vergangenheit reisen soll - um sich dort, gemäß "Terminator" anno 1984, mit Schwarzeneggers T-800 zu beulen und en passant Sarah Connor zu schwängern, die daraufhin eben jenen John Connor zur Welt bringen wird.
Auch wenn "Terminator" bei der verstiegenen Vaterschaftsfrage das Blech wegzufliegen droht, klingt das Ganze doch weit verwirrender, als es sich letztlich präsentiert. Denn mehr denn je ist der elliptische Plot ein Vorwand, um auf dem Weg zur Familienzusammenführung möglichst viele Metallschergen zu zerlegen.
Womit das grundlegende Dilemma des Films deutlich wird: Die vorherigen "Terminator"-Filme schilderten den Angriff einer menschenfeindlichen Zukunft auf die Gegenwart, und die todbringende, unbekannte Maschine kündete als bedrohliche Chiffre vom bevorstehenden Untergang. Bei McG sind die Maschinen nun Legion, und ihre Faszination nimmt proportional zur Menge der aufgefahrenen Terminatoren ab.
Auch die Kulisse bietet keinerlei Reiz mehr, ist es doch ein beliebiges post-apokalyptisches Ödland, durch das ebenso gut "Mad Max" streifen könnte. Als kraftloses Landsermärchen hangelt sich dieser "Terminator" so von einem Set zum nächsten, lässt mal laufende, mal fliegende, fahrende oder schwimmende Roboter auf die Helden los und findet keinen einzigen interessanten Zwischenton im ermüdenden Krawall.
Wie raffiniert wirken dagegen die beiden Filme von James Cameron: Sein dunkles Heavy-Metal-Märchen aus dem Orwell-Jahr 84 war geradlinig und von enormer Effektivität; das epische Mensch-Maschinen-Fanal im ungleich aufwändigeren Sequel "Judgement Day" (1991) wiederum traf mit seiner blau schimmernden Eleganz genau den Geschmack postmoderner Oberflächenästhetiker. Und selbst Jonathan Mostows nachgereichter dritter Teil konnte 2003 als grundsolider Actionfilm mit Drive und Herz überzeugen.
Ödes Alteisen statt Heavy Metal
Die unerbittliche Zielstrebigkeit des Terminators, die den Filmen immer Tempo und Rhythmus diktierte, fehlt nun völlig. So zerfasert die Geschichte mit ihren behäbigen Parallelhandlungen, und potente Figuren werden zu Stereotypen degradiert.
Mechanisch ist denn auch noch die netteste Beschreibung, die sich für Christian Bales Spiel finden lässt: Die meiste Zeit röchelt sein stocksteifer John Connor eh nur Durchhalteparolen ins Funkgerät, weshalb man dem designierten Weltenretter ein Hustenbonbon und sich selbst einen starken Kaffee gönnen möchte, um das langatmige Treiben durchzustehen.
Darin vermählt sich wahlloses Effektheischen mit jenem messianischen Gedöns, das schon die "Matrix"-Trilogie bis zur absoluten Lächerlichkeit rausposaunte. Nichts davon kann darüber hinwegtäuschen, dass in McGs martialischer Modellbaukiste die menschlichen Reißbrettfiguren die eigentlichen seelenlosen Serienprodukte sind.
Insofern hat die Maschine den Krieg längst gewonnen. Und der Terminator darf sich hoffentlich endgültig zum Alteisen legen.
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Grandios :) Fortsetzungen und Remakes haben ein grundsätzliches Problem: Fanboys. Und zwar ist dieses Problem umso schlimmer, je erfolgreicher die vorangegangenen Teile waren. Die Rezensionen mutieren da zuverlässig zu [...] mehr...
also wer eine hundertprozentige übereinstimmung in allen filmteilen braucht - egal von welchem titel wir reden, um einen unterhaltsamen kinoabend zu erleben, wird wohl in der heutigen zeit der sequels und prequels nicht mehr [...] mehr...
Weshalb kann ein SPON Autor nicht so etwas schreiben? Drüber noch fett ne SPOILER Warnung und gut ist?! Was mir noch einfällt, wenn hier Zocker sind: Die Eingangssequenz erinnert irgendwie an alte C&C Teile. mehr...
Anscheinend hat nicht nur der Hybride sein starkes Herz gespendet, denn diesem Film mangelt es komplett an Herz, Leidenschaft, die "Regienutte" hat eine weitere Auftragsarbeit erledigt. Und so grenzen die unzähligen [...] mehr...
Problem Eins ist definitiv sorry die Action. Leider wird diese quälend in die Länge gezogen und man versucht immer noch eins drauf zu setzen, aber nach 20 Minuten geballter Action, lebt ein Actionfilm einfach auch mal davon [...] mehr...
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