Von Katharina Dockhorn
Die ARD traf mit den Amphibien "Der Untergang", "Baader Meinhof Komplex" und "Buddenbrooks" den Geschmack der Zuschauer besser. Solche Titel schmücken das Programm. Auch Highlights wie "Good Bye, Lenin" oder "Alles auf Zucker" finden schnell den Weg ins Programm - im Gegensatz zu vielen anderen Produktionen.
Denn was dem Ersten fehlt, ist ein attraktiver Sendeplatz für Spielfilme. Seit zwei Jahren suchen die Intendanten eine Lücke im Programmschema. Eine Lösung zeichnet sich nicht ab, was zur Folge hat, dass die ARD die von ihr finanzierten Programmschätze, die sie in der Regel fünf Jahre lang unbegrenzt oft ausstrahlen darf, nicht ausreichend verwertet.
Christian Petzolds "Innere Sicherheit" zierte ebenso wie Andreas Dresens "Nachtgestalten" nur einmal das Hauptprogramm. Hans-Christian Schmids "Requiem" und Sven Taddickens "Emmas Glück" laufen in diesem Sommer zu nachtschlafender Zeit. Andere Filme wie "Erbsen auf halb sechs" werden auf den Dritten versendet, unter denen der Programmaustausch zudem nur ungenügend funktioniert. Jeder Sender hat seine eigene Spielfilmredaktion, wo oft der Überblick über das Gesamtangebot oder schlicht die Sendeplätze fehlen.
Dabei macht die Konkurrenz von ZDF, ProSieben und Sat.1 vor, wie Filme sinnvoll eingesetzt werden. Das Zweite hat montags seine Sendeschiene für Fiktionales - wo allerdings leider auch mal ein Highlight wie die Martin-Walser-Verfilmung "Ein fliehendes Pferd" als "Fernsehfilm der Woche" versteckt wird.
Im Schnitt strahlt das ZDF seine Kino-Co-Produktionen vier Mal aus. Diese Marge ist auch das Ziel von Stefan Gärtner, der mit Seven Pictures für ProSieben und Sat.1 die Projekte auswählt. Er strebt zwei bis vier Mal Primetime an, was ihm auch oft gelingt.
Mit "Sonnenallee" begann die Kooperation mit Leander Haußmann, Til Schweigers "Keinohrhasen" und dessen Nachfolger "Zweiohrküken" hat sich Seven Pictures bereits gesichert, lange bevor die erste Klappe gefallen ist. Über Michael "Bully" Herbigs Hits verfügt der Sender dank eines langfristigen Deals mit der Münchner Constantin.
Mit der klaren Ausrichtung auf populäre Stoffe verfolgt Seven Pictures eine andere Programmphilosophie als ZDF und ARD. Tom Tykwer hätte "Das Parfüm", das Sat.1 herausragende Einschaltquoten bescherte, jedoch nie inszeniert, wenn seine ersten Schritte als Filmemacher zuvor nicht vom WDR gefördert worden wären. Auch damals kam der Erfolg nicht sofort. Erst "Lola rennt" lockte Millionen in die Kinos und vor den Bildschirm.
Zu viele Filme, zu wenig Platz
Ob Tykwer, Dresen, Petzold, Schmid, Dani Levy, Wolfgang Becker, Detlev Buck, Fatih Akin - eine ganze Generation von deutschen Regisseuren konnte durch die Talentförderung der öffentlich-rechtlichen Sender in den vergangenen 20 Jahren ihre Handschrift ausbilden. Die Liste der Filmemacher, die ihre ersten Filme im geschützten Rahmen des "Kleinen Fernsehspiels" oder des "Debüt im Ersten" drehten, ließe sich um Wolfgang Petersen oder Wim Wenders ergänzen und beliebig fortsetzen.
In diesem Jahr konnte sich die ARD für die Debüt-Reihe unter 15 Filmen entscheiden, Platz ist nur für 9. Das Dilemma ist hausgemacht, da der Senderverbund seit Jahren weit über Bedarf produzieren lässt. Die Entscheidung ist verständlich, kommt es doch bei risikoreichen Nachwuchsprojekten schon mal vor, dass ein Film nicht so wird, wie es sich alle im Vorfeld ausgemalt hatten. Doch auch insgesamt ist die Zahl der ARD-Kinoproduktionen so hoch, dass sie den durch den fehlenden Sendeplatz ohnehin verknappten Bedarf bei weitem übersteigt.
Außerdem scheint sich in den Köpfen von zu vielen Verantwortlichen festgesetzt zu haben, dass die selbst mitverantworteten Filme weder inhaltlich noch ästhetisch auf die vorhandenen Sendeplätze für fiktionale Programme passen.
Sicher kann ein Beziehungsdrama wie Maren Ades "Alle Anderen" nicht mit der Postkarten-Idylle der seichten Fernsehfilme des Freitagabend konkurrieren. Doch der Zuschauer ist längst nicht so anspruchslos wie viele Verfechter der Verflachung meinen, wie zuletzt der Zuspruch für Bernd Böhlichs "Du bist nicht allein" bewies.
Die verheerenden Folgen für die deutsche Filmlandschaft sind dagegen schon jetzt zu spüren: Drehs werden verschoben, seit Jahren entwickelte Bücher nicht produziert. Regisseure gehen zum Arbeitsamt, Produktionsfirmen in die Pleite.
Dann wird bald keiner mehr Erfolge feiern können wie "Das weiße Band"-Regisseur Michael Haneke, der seinen ersten Film noch mit Unterstützung des SWF drehen konnte.
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