• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Miese Filmförderung Stich ins Herz des deutschen Kinos

2. Teil: Regisseure beim Arbeitsamt, Produktionsfirmen in der Pleite

Die ARD traf mit den Amphibien "Der Untergang", "Baader Meinhof Komplex" und "Buddenbrooks" den Geschmack der Zuschauer besser. Solche Titel schmücken das Programm. Auch Highlights wie "Good Bye, Lenin" oder "Alles auf Zucker" finden schnell den Weg ins Programm - im Gegensatz zu vielen anderen Produktionen.

Denn was dem Ersten fehlt, ist ein attraktiver Sendeplatz für Spielfilme. Seit zwei Jahren suchen die Intendanten eine Lücke im Programmschema. Eine Lösung zeichnet sich nicht ab, was zur Folge hat, dass die ARD die von ihr finanzierten Programmschätze, die sie in der Regel fünf Jahre lang unbegrenzt oft ausstrahlen darf, nicht ausreichend verwertet.

Christian Petzolds "Innere Sicherheit" zierte ebenso wie Andreas Dresens "Nachtgestalten" nur einmal das Hauptprogramm. Hans-Christian Schmids "Requiem" und Sven Taddickens "Emmas Glück" laufen in diesem Sommer zu nachtschlafender Zeit. Andere Filme wie "Erbsen auf halb sechs" werden auf den Dritten versendet, unter denen der Programmaustausch zudem nur ungenügend funktioniert. Jeder Sender hat seine eigene Spielfilmredaktion, wo oft der Überblick über das Gesamtangebot oder schlicht die Sendeplätze fehlen.

Dabei macht die Konkurrenz von ZDF, ProSieben und Sat.1 vor, wie Filme sinnvoll eingesetzt werden. Das Zweite hat montags seine Sendeschiene für Fiktionales - wo allerdings leider auch mal ein Highlight wie die Martin-Walser-Verfilmung "Ein fliehendes Pferd" als "Fernsehfilm der Woche" versteckt wird.

Im Schnitt strahlt das ZDF seine Kino-Co-Produktionen vier Mal aus. Diese Marge ist auch das Ziel von Stefan Gärtner, der mit Seven Pictures für ProSieben und Sat.1 die Projekte auswählt. Er strebt zwei bis vier Mal Primetime an, was ihm auch oft gelingt.

Mit "Sonnenallee" begann die Kooperation mit Leander Haußmann, Til Schweigers "Keinohrhasen" und dessen Nachfolger "Zweiohrküken" hat sich Seven Pictures bereits gesichert, lange bevor die erste Klappe gefallen ist. Über Michael "Bully" Herbigs Hits verfügt der Sender dank eines langfristigen Deals mit der Münchner Constantin.

Mit der klaren Ausrichtung auf populäre Stoffe verfolgt Seven Pictures eine andere Programmphilosophie als ZDF und ARD. Tom Tykwer hätte "Das Parfüm", das Sat.1 herausragende Einschaltquoten bescherte, jedoch nie inszeniert, wenn seine ersten Schritte als Filmemacher zuvor nicht vom WDR gefördert worden wären. Auch damals kam der Erfolg nicht sofort. Erst "Lola rennt" lockte Millionen in die Kinos und vor den Bildschirm.

Zu viele Filme, zu wenig Platz

Ob Tykwer, Dresen, Petzold, Schmid, Dani Levy, Wolfgang Becker, Detlev Buck, Fatih Akin - eine ganze Generation von deutschen Regisseuren konnte durch die Talentförderung der öffentlich-rechtlichen Sender in den vergangenen 20 Jahren ihre Handschrift ausbilden. Die Liste der Filmemacher, die ihre ersten Filme im geschützten Rahmen des "Kleinen Fernsehspiels" oder des "Debüt im Ersten" drehten, ließe sich um Wolfgang Petersen oder Wim Wenders ergänzen und beliebig fortsetzen.

In diesem Jahr konnte sich die ARD für die Debüt-Reihe unter 15 Filmen entscheiden, Platz ist nur für 9. Das Dilemma ist hausgemacht, da der Senderverbund seit Jahren weit über Bedarf produzieren lässt. Die Entscheidung ist verständlich, kommt es doch bei risikoreichen Nachwuchsprojekten schon mal vor, dass ein Film nicht so wird, wie es sich alle im Vorfeld ausgemalt hatten. Doch auch insgesamt ist die Zahl der ARD-Kinoproduktionen so hoch, dass sie den durch den fehlenden Sendeplatz ohnehin verknappten Bedarf bei weitem übersteigt.

Außerdem scheint sich in den Köpfen von zu vielen Verantwortlichen festgesetzt zu haben, dass die selbst mitverantworteten Filme weder inhaltlich noch ästhetisch auf die vorhandenen Sendeplätze für fiktionale Programme passen.

Sicher kann ein Beziehungsdrama wie Maren Ades "Alle Anderen" nicht mit der Postkarten-Idylle der seichten Fernsehfilme des Freitagabend konkurrieren. Doch der Zuschauer ist längst nicht so anspruchslos wie viele Verfechter der Verflachung meinen, wie zuletzt der Zuspruch für Bernd Böhlichs "Du bist nicht allein" bewies.

Die verheerenden Folgen für die deutsche Filmlandschaft sind dagegen schon jetzt zu spüren: Drehs werden verschoben, seit Jahren entwickelte Bücher nicht produziert. Regisseure gehen zum Arbeitsamt, Produktionsfirmen in die Pleite.

Dann wird bald keiner mehr Erfolge feiern können wie "Das weiße Band"-Regisseur Michael Haneke, der seinen ersten Film noch mit Unterstützung des SWF drehen konnte.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 53 Beiträge
Querspass 07.07.2009
Wenn schon Zwangsgebühren, dann auch hiermit in die Zukunft investieren. Bis auf Regionales die "Dritten" schließen. In Sachen Kultur liegt sowieso arte, 3sat und der Theaterkanal vorn.
Wenn schon Zwangsgebühren, dann auch hiermit in die Zukunft investieren. Bis auf Regionales die "Dritten" schließen. In Sachen Kultur liegt sowieso arte, 3sat und der Theaterkanal vorn.
b_frank 07.07.2009
dieser Artikel erschiene in den USA... Wieso soll staatliches Geld – Steuergelder – nötig sein, um Filme zu fördern? Und wieso wird das hier mit einer Selbstverständlichkeit gefordert, gerade so als gäbe es ein Grundrecht für [...]
dieser Artikel erschiene in den USA... Wieso soll staatliches Geld – Steuergelder – nötig sein, um Filme zu fördern? Und wieso wird das hier mit einer Selbstverständlichkeit gefordert, gerade so als gäbe es ein Grundrecht für Filmemacher dieses Geld aus Steuermitteln zu erhalten? Ich finde das unglaublich und unverantwortlich!
onkel18 07.07.2009
es freut mich zu hören das dieser förderungswahnsinn ein ende findet. wieso sollte eine mehrheit mit abgaben programm für eine minderheit fördern? ganz abgesehn von dem verschwenderischen umgang mit den fördermitteln und der [...]
es freut mich zu hören das dieser förderungswahnsinn ein ende findet. wieso sollte eine mehrheit mit abgaben programm für eine minderheit fördern? ganz abgesehn von dem verschwenderischen umgang mit den fördermitteln und der indiskutablen miserablen schauspielerischen qualität deutscher darsteller im internationalen vergleich.
jan_nebendahl 07.07.2009
Wieso sorgen denn bitte die Gebühren dafür, dass diese Regisseure ihre ersten Gehversuche machen konnten? Kann man nur mit öffentlichen Geldern Filme drehen? Wieso kann man denn keine Kurzfilme, Fernsehfilme oder privat [...]
Wieso sorgen denn bitte die Gebühren dafür, dass diese Regisseure ihre ersten Gehversuche machen konnten? Kann man nur mit öffentlichen Geldern Filme drehen? Wieso kann man denn keine Kurzfilme, Fernsehfilme oder privat finanzierte Filme drehen? Vielleicht wäre es ja auch mal ganz sinnvoll, wenn sich Produzenten und Regisseure mal um Stoffe kümmern müssten, die statt des Wohlwollens von Förderungsabteilungen das Wohlwollen des Publikums finden. Und die Verringerung der Budgets mit der Gebührenbefreiung von Hartz IV Empfängern zu begründen, ist schlicht und ergreifend zynisch.
bay-eSports 07.07.2009
Warum sollte man weiterhin deutsche Filme fördern wenn denn bisher auch nichts unterhaltsames dabei rum kam? Natürlich haben deutsche Filme ihre Daseinsberechtigung, auch wenn ich persönlich kaum einen davon anschaue. Wo bleibt [...]
Warum sollte man weiterhin deutsche Filme fördern wenn denn bisher auch nichts unterhaltsames dabei rum kam? Natürlich haben deutsche Filme ihre Daseinsberechtigung, auch wenn ich persönlich kaum einen davon anschaue. Wo bleibt der Mut der deutschen Filmemacher? Wenn man einen Blick nach England wirft, so bemerkt man einen drastischen Unterschied in der Qualität der Filme. Dort versteht man es, Filme zu machen. Trainspotting, Layer Cake, 28 days/28 weeks later, shaun of the dead, the signal, Brügge sehen und sterben. Wieso kann man solch erfrischende, unterhaltsame, gut gemachte Filme nicht auch aus deutscher Hand sehen? Weil man sich in England an großes Kino heran traut, während man sich in Deutschland auf die Aufarbeitung unserer Geschichte oder seichte Dummschwätzer-Filme wie (K)ein-Ohrhasen beschränkt. Uns fehlt es einfach am Mumm.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Kino

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP