Los Angeles/New York - Für sein Drehbuch zum Marlon-Brando-Klassiker "Die Faust im Nacken" erhielt er 1955 einen Oscar, aber da war Budd Schulberg schon eine Berühmtheit. Bereits 1941 hatte er einen Skandal provoziert mit seinem Hollywood-Roman "Was treibt Sammy an?".
Das Buch ist ein Schlüsseltext über die Traumfabrik, es gilt neben "Tag der Heuschrecke" von Nathanael West (1939) und "Der letzte Tycoon" (1941) von F. Scott Fitzgerald als einer der kanonischen Texte über Amerikas Verhältnis zum Entertainment.
Die Geschichte des Botenjungen Sammy Glick, der sich binnen weniger Jahre mit Lügen und Intrigen an die Spitze eines Filmstudios kämpft, verkaufte sich millionenfach und schaffte es über 50 Jahre nach seinem Erscheinen wieder in die Top Ten der amerikanischen Bestsellerliste.
Das Porträt eines skrupellosen Erfolgsmenschen machte Schulberg allerdings zur Persona non grata in Hollywood. John Wayne verdammte das Werk als antiamerikanischen Schund; Louis B. Mayer, der Studiochef von MGM, wollte den Autor sogar "deportieren" lassen.
Schulberg zog sich aus Hollywood zurück und widmete sich seiner zweiten großen Leidenschaft neben dem Schreiben: Boxen. Er richtete einen Boxstall ein und nahm mit Archie McBride einen Schwergewichtler unter Vertrag - jenen Sportler, der später das Vorbild für die Figur von Marlon Brando in "Die Faust im Nacken" werden sollte.
Mit Elia Kazan, dem Regisseur von "Die Faust im Nacken" (Original: ("On The Waterfront") und dem ebenfalls von Schulberg geschriebenen Film "Ein Gesicht in der Menge" ("A Face In The Crowd") sagte der Autor vor dem "Ausschuss für unamerikanische Umtriebe" aus und schwärzte Kollegen als Kommunisten an. Eine weitere unrühmliche Episode, die man dem Starschreiber nur schwer verzieh.
In den letzten Jahren erinnerte man sich des Autors wieder - als Kreativer, dessen Stoffe weiterhin brisant und spannend sind. Steven Spielbergs Dreamworks-Studio soll die Filmrechte am "Sammy"-Buch für 2,6 Millionen Dollar erworben haben. Regisseur Spike Lee hatte angekündigt, den legendären Boxkampf zwischen Max Schmeling und Joe Louis nach einem Script von Schulberg drehen zu wollen.
Der Romancier und Drehbuchautor wird die Aktualisierung seiner Werke nicht mehr erleben: Er starb am Mittwoch in seinem Haus in Long Island im Alter von 95 Jahren. Er bleibt den Zuschauern und Lesern einem zeitlos scharfsinnigen Werk erhalten.
dan/dpa
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