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11.08.2009
 

Polit-Satirefilm "Die Partei"

Lustig macht sauer

Von Thorsten Dörting

Ein heißes Gerät als Kanzlerkandidatin, wüste Gelage in Georgien: Mit der Satire-Doku "Die Partei - der Film" liefern ein paar Polit-Provokateure den bisher geistreichsten Beitrag zum Bundestagswahlkampf. Das ist leider gar nicht mal so witzig.

Martin Sonneborn, 44, ist ein ernsthafter Mann. Diese Vermutung liegt zumindest nahe, denn im Gegensatz zu Frank-Walter Steinmeier oder Angela Merkel erledigt er gewissenhaft seinen Job. Während der SPD-Kandidat irgendjemandem - womöglich gar sich selbst - vorgaukelt, er könne wirklich Kanzler werden und während die Kanzlerin ignoriert, dass da eine Wahl bevorsteht und sie sich vielleicht mal dem Volk erklären müsste, statt, ganz und gar Kohls Mädchen, auszusitzen und nur der SPD dabei zuzugucken, wie sie sich selbst zerlegt, ist es bei Sonneborn so: Er kämpft für seine Sache.

Das liest sich dann so: "Der letzte Wahlleiter in diesem Land, der derart undemokratisch mit kleinen und anderen Parteien umgesprungen ist, ist 1946 von einem alliierten Militärtribunal hingerichtet worden."

Objekt dieses ganz und gar politisch inkorrekten Vergleichs war Roderich Egeler, der eher unglücklich agierende Bundeswahlleiter. Vergangene Woche versagte er mehreren Kleinparteien die Teilnahme an der Bundestagswahl. Damit hat der Mann Martin Sonneborns Sommerpläne ziemlich versaut.

Denn der Ex-Chefredakteur der "Titanic" und derzeitige Leiter des SPIEGEL-ONLINE-Satire-Ressorts SPAM, ist zugleich Vorsitzender von "Die Partei". 2004 gegründet, hat sich diese so windige wie grundehrliche Organisation den Wiederaufbau der Mauer zum Ziel gesetzt. 2005 trat man zu diesem Zweck zur Bundestagswahl an und wollte das dieses Jahr wiederholen, 20 Jahre nach dem Mauerfall, wie passend.

Aber da war eben der Herr Egeler vor, und so bleibt, noch ehe der Wahlkampf für "Die Partei" richtig durchstarten kann, nur die flankierende Agitationsware übrig: Diese Woche läuft in den Kinos eine Art längerer Wahlwerbe-Spot an, genannt "Die Partei - Der Film", beworben als "innovativer Propaganda-Dokumentarfilm".

Diese PR-Phrase ist so unpassend nicht. Das 100-minütige Werk ist eine Art Fanfilm geworden, der im Gestus an das Zeitzeugen-Histotainment Guido Knopps erinnert. Im Jahr 2013, erfahren wir zu Beginn, ist "Die Partei" an der Macht. Jetzt sinniert Chef Sonneborn samt Mitstreitern über den steinigen Weg nach oben - und die Regie montiert sorgsam dokumentierte Aktionen der noch jungen "Partei"-Geschichte dazwischen.

Ende 2004 etwa lässt der große Vorsitzende zwischen Hessen und Thüringen fünf Meter der Mauer neu errichten - und ein örtlicher Bürgermeister fühlt sich sichtlich geschmeichelt, als Sonneborn ihm mit der richtigen Portion Großkotzigkeit eine Karriere in seinem Laden andient.

Zur Bundestagswahl 2005 nutzt die Partei einen ihr rechtlich zustehenden Werbespot und schleichwirbt für den Billigflieger HLX. Ein Höhepunkt: die Reise einer Delegation nach Georgien. Die dortige Labour Party empfängt Kampagnenkünstler Sonneborn und seine Entourage (allesamt in grauen C&A-Anzügen, Polyester, das Stück zu 49 Euro) mit allen Ehren; Auftritt in den Abendnachrichten und gemeinsames Gelage inklusive.

Dazu gibt's allerhand satirische Preziosen. Mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Siegfried Gelbhaar verhandelt Sonneborn schon mal über den Abstand für dessen Büromobiliar ("Ich lass Ihnen 200 Euro für den Schreibtisch hier!"). In Krefeld agitieren "Partei"-Mitglieder gegen ostdeutsche Spaßbäder, in Dresden fordern sie den Abriss der Frauenkirche. Schließlich kürt "Die Partei" unter dem Motto "Kanzlerin ja, aber schöner" eine junge Dame namens Samira El Ouassil zur Spitzenkandidatin ("Mitgliedsnummer 90-60-90").

Die gängige Legt-den-Finger-in-die-Wunde-hält-den-Spiegel-vor-Phraseologie, die gern mal in lobenden Rezensionen zu satirischen Filmen, Bücher oder TV-Shows zu lesen ist, sie träfe also auch für diesen Film; er ist lustig, zumindest meist. Und doch ist das Drumherum auch ein bisschen bitter.

Denn es ist ja leider genau so, wie Claudius Seidl, Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", schrieb: Ernst genommen fühlen wir, die Wähler, uns in diesem Wahlkampf nicht.

Der Dramatiker Moritz Rinke etwa empfiehlt tatsächlich, Steinmeier zum Kanzler zu wählen, ihn also zum Lenker eines 80-Millionen-Landes zu machen, weil der ihn mal, morgens um zwei, nach einer Clubnacht nach Hause gebracht hat. Und wer wissen will, was Angela Merkel eigentlich so vorhat, stößt auf ein CDU-TV-Sommerinterview, in dem die Kanzlerin sagt, sie wolle "einen Wechsel herbeiführen". Das ist eine Aussage, die, sagen wir mal, eher unterambitioniert klingt für jemanden, der seit vier Jahren die Regierungsgeschäfte führt.

Was, ja was also, soll man von diesen Menschen halten, die offenkundig so wenig von uns halten und unserem Verstand? Und was bleibt da noch, außer sich über ihren polierten Stil zu mokieren, in dem diese mit den Hochdruckreinigern der PR-Industrie steril gestrahlten Politiker ihr großes Nichts verbreiten? Kurz: Wenn nirgendwo Ernstes ist, müssen halt Lacher her.

So kommt es dann, dass Hape Kerkeling in der Rolle des Kanzlerkandidaten Horst Schlämmer rund 200 Journalisten anlocken konnte (auch Sonneborn, der ihm die Show stahl), als er seinen Film "Isch kandidiere" in Berlin vorstellte. Oder dass Gabriele Pauli und ihre - kicher, kicher - Frauenbeauftragte Kader Loth zu Dauergast sind in vielen Medien, obwohl die beiden Damen wohl in Wahrheit in einem Paralleluniversum leben, wo Begriffe wie Satire und Realität offenbar bedeutungslos sind.

Es läuft also ein reiner Fun-Wahlkampf in der Bundesrepublik, wohl der erste in ihrer Geschichte, sieht man einmal von ersten Ansätzen in früheren FDP-Kampagnen ab. Doch selbst wenn Sonneborn an der richtigen Wahl nicht teilnahmen darf: Zumindest in der Spaß-Konkurrenz gewinnt er, denn er ist nicht so klamaukig wie Kerkeling oder so außerirdisch unterirdisch wie das unfreiwillige Politkomikerinnen-Duo Pauli/Loth, die ja keiner für satisfaktionsfähig hält, weder Satiriker noch Politiker.

Außerdem macht sich Sonneborn im Gegensatz zum harmlosen Hape auch mal Feinde. Als "Die Partei" 2008 im Hamburger Wahlkampf Ole-von-Beust-Plakate aufhängte, die sehr offensiv mit der Homosexualität des Bürgermeisters spielten, verkündete CDU-Landesgeschäftsführer Gregor Jaecke über die "Bild"-Zeitung: "Das hat mit Satire nichts mehr zu tun. Das ist Schmutz!". Und als "Heimatkunde", Sonneborns ethnologische Satire-Doku über den Osten, in den Kinos lief, phantasierte der "Berliner Kurier" fiebrig erregt von einem "Hetz-Film" und beschimpfte ihn als "Ossi-Hasser".

Wie gesagt: Der Mann erledigt wenigstens seinen Job.

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14.09.2009 von fritze meier: Da kann einer sagen, was er will

Tja, der Drops ist wohl gelutscht. Sieger in der gestrigen Unterhaltungssendung ("Kanzler-Duell" - es heisst übrigens Café Kranzler und dort war es garnicht) waren weder Peter Klöppel noch diese eine Frau im schwarzen [...] mehr...

27.08.2009 von nicolai-bruno: Henne oder Ei?

Es wird behauptet, mit solchen Aktionen und deren medialem Transport fördere man Politikverdrossenheit und Apathie. Das Gegenteil ist der Fall. Die Demokratie wird sich bei Horst Schlämmer und Martin Sonneborn noch bedanken [...] mehr...

27.08.2009 von delta058: Will ich sehen

Ihr habt es in 800 Jahren nicht geschafft das richtig zu stellen und auch während (Ober)-sachsen hinter dem eisernen Vorhang war, habt Ihr euch nicht gerade bemüht die falsche Bezeichnung zu korrigieren im Gegenteil, da wurde [...] mehr...

27.08.2009 von Roggefella: Tja....

.... dann geh doch wieder ab zu "BLÖD"-Online, DA braucht man wirklich nicht lesen was drinnsteht um zu wissen dass es Schietkrams ist. Aber in einem Forum mitreden ohne zu wissen, worüber, das glänzt ja echt vor [...] mehr...

27.08.2009 von Roggefella: Historisch korrekt....

... wäre es, wenn der Titel "Sachsen" endlich aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwindet. Der Neandertaler kannte kein "Sachsen"..., und natürlich erstrecht kein "Bayern" :-) mehr...

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