Von Daniel Sander
Sex ist eine tolle Sache. Alle nicken. Nur die Filmregisseure dieser Welt nicht, denn wenn man sich so ansieht, wie die meisten Kinomacher in ihren Filmen mit dargestellter Sexualität umgehen, dann ergibt sich da ein merkwürdiges Bild: Am besten, man zeigt überhaupt nichts, das ist die sicherste Variante, vielfach praktiziert in der Mainstream-Welt Hollywoods, denn zu viel nackte Haut regt überkonservative Gemüter schneller auf als Blut und Gewalt, und wer will sich schon öffentlichen Boykott-Aufrufen aussetzen?
Und wenn dann doch mal Sex gezeigt wird, meist im Independent-Kino, dann ist das oft das gefühllose Treiben verzweifelter Paare, die auf direktem Weg in den Abgrund sind - ohne Liebe oder gar Vergnügen. In den meisten Horrorfilmen folgt auf den vollzogenen Akt für den Großteil der beteiligten Protagonisten als gerechte Strafe die brutale Ermordung. Spaß machen darf Sex offenbar nur in Pornofilmen, aber warum bloß?
Dass man durchaus Freude am Sex zeigen kann, ohne gleich in der Porno-Ecke zu landen, trotz dargestellter Erektionen und Penetrationen, hat der grundoptimistische New Yorker Filmemacher John Cameron Mitchell wunderbar mit "Shortbus" bewiesen, diesem liebevollen, melancholischen Film über ein paar junge Leute in New York, die sich noch nicht recht zurechtfinden im Ernst des Lebens, die aber festgestellt haben, dass ihnen das Ausleben ihrer Lüste und Leidenschaften durchaus weiterhilft. Ob schwul, lesbisch oder hetero ist nicht der Punkt, wichtig ist nur, dass man es auch tut, statt sich in unerfüllten Fantasien zu verlieren.
Es ist nicht so, dass die Helden von "Shortbus" - eine Paartherapeutin, die noch nie einen Orgasmus hatte, ein schwules Pärchen, das es mal mit einem dritten ausprobieren möchte, oder eine einsame Domina - sich nur so aalen würden auf der Sonnenseite des Lebens. Sie sind Außenseiter, sie haben Probleme und Neurosen, aber sie geben nicht so schnell auf und werden nicht müde, ihr Glück zu suchen.
Dass sie es sogar finden dürfen, obwohl sie so schrecklich gerne miteinander schlafen, dazu braucht es schon einen Regisseur, der so mutig und talentiert ist wie John Cameron Mitchell. Sollte sich der ein oder andere Zuschauer zwischendurch ob der vielen nackten Leiber tatsächlich mal erregt fühlen, ist das kein Grund zu verzagen. Ist doch eigentlich eine tolle Sache, oder?
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