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19.10.2009
 

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Wie die Wilden abkassieren

Szene aus "Wo die wilden Kerle wohnen": Schräg, aber massenkompatibel
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Warner Bros.

Szene aus "Wo die wilden Kerle wohnen": Schräg, aber massenkompatibel

Ein Regisseur mit Faible fürs Schräge verfilmt einen Kinderbuchklassiker - kann das gutgehen? Es kann: Spike Jonzes Adaption von "Wo die wilden Kerle wohnen" eroberte am Wochenende die US-Kinocharts. Deutschland hält den "Männerherzen" die Treue.

Los Angeles/Hamburg - Bevor es jetzt gleich um Spike Jonze geht, muss kurz erwähnt werden: Die eigentliche Sensation des amerikanischen Kino-Wochenendes ist der inzwischen mit 760 Kopien eingesetzte Low-Budget-Horrorfilm "Paranormal Activity". Der im Stil von "Blair Witch Project" pseudo-dokumentarisch inszenierte Geister-Schocker, der nur 11.000 Dollar kostete, setzte in den vergangenen drei Tagen 20 Millionen Dollar um, insgesamt sind es nach zwei Wochen schon 33,5 Millionen. Dabei lief das Regie-Debüt von Oren Peli zunächst nur in einigen ausgewählten Städten in Nachtvorführungen. Schon jetzt steht fest: Das US-Kinojahr staunt nach "District 9" bereits über einen zweiten Überraschungserfolg.

Aber nun zum neuen Spitzenreiter der Box-Office-Charts. Spike Jonze ist ein Regisseur, der sich in Filmen wie "Being John Malkovich" oder "Adaptation" mit dem irrealen Element der menschlichen Existenz beschäftigt hat. Dazu passt auch, dass der Amerikaner viele Jahre lang federführend bei der MTV-Serie "Jackass" war, die auslotete, wie viel Schmerzen sich Menschen freiwillig zufügen können - und dabei auch noch Spaß haben. Einem in der Arthouse-Szene durchaus angesehen Filmemacher mit Hang zur Schräglage 90 Millionen Dollar für die aufwendige Produktion eines phantastischen Kinderbuchs in die Hand zu drücken, muss als extreme Risikobereitschaft des produzierenden Studios Warner Bros. gewertet werden.

Doch die Rechnung ging auf: Jonzes Verfilmung von Maurice Sendaks Klassiker "Wo die wilden Kerle wohnen" ("Where the Wild Things are", Deutschlandstart am 17. Dezember) startete am Wochenende in 3735 Kinos und setzte laut "Blickpunkt: Film" 33 Millionen Dollar um - Platz eins der Charts und der Beweis, dass der ehemalige Musikvideo-Regisseur Spike Jonze nicht nur zum Kino-Avantgardist taugt, sondern mit seiner verspielt-verpeilten Art, Filme zu inszenieren, inzwischen auch massenkompatibel geworden ist.

Männerherzen schlagen länger

Platz zwei ging an die Independent-Produktion "Das Gesetz der Rache" ("Law Abiding Citizen"). Der Rachethriller von F. Gary Gray ("The Italian Job") lief in 2889 Kinos an und setzte aus dem Stand 21 Millionen Dollar um. Das Hauptdarsteller-Duo Jamie Foxx und Gerard Butler erwies sich als zugkräftig. Auf Rang drei folgt "Paranormal Activity", gefolgt von "All Inclusive". Letzte Woche noch Spitzenreiter, baute die Familienkomödie mit nun nur noch 18,5 Millionen Dollar Umsatz stark ab. Ein dritter Neustart konnte sich auf Rang fünf platzieren: "Stepfather" ist ein Remake des B-Movies "Kill, Daddy, Kill" von 1987. Mit "Nip/Tuck"-Darsteller Dylan Walsh in der Hauptrolle setzte der Horror-Thriller in 2734 Kinos 11,5 Millionen Dollar um.

Kaum Veränderung hingegen in den deutschen Kinocharts: Simon Verhoevens Ensemble-Komödie "Männerherzen" konnte mit 380.000 Besuchern ihren Spitzenplatz verteidigen und steht nun bereits kurz vor dem Überspringen der Eine-Million-Zuschauer-Marke. Auf Platz zwei landete mit dem 3D-Spektakel "G-Force - Agenten mit Biss" (rund 350.000 Besucher) der beste Neustart der Woche. Laut "Blickpunkt: Film" wurden rund 50 Prozent des Umsatzes von der 3D-Version des Films erzielt.

Rang drei ging an den Dauerbrenner "Wickie und die starken Männer", den noch einmal rund 290.000 Besucher sahen. Bully Herbigs Kinderserien-Nostalgie steuert auf die Vier-Millionen-Besucher-Marke zu. Platz vier ging an Pixars "Oben" (rund 220.000 Besucher), Platz fünf belegt "Die nackte Wahrheit" mit rund 175.000 Zuschauern.

Michael Hanekes Cannes-Gewinner "Das weiße Band" schaffte mit rund 50.000 Zuschauern als zweitbester Neustart der Woche den Sprung in die Top Ten.

Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Artikels behaupteten wir fälschlicherweise, "Lost"-Darsteller Terry O'Quinn spiele die Hauptrolle in "Stepfather".

bor

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