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22.10.2009
 

Bestseller-Verfilmung "Die Päpstin"

Vergib uns unser Debakel

Von Hannah Pilarczyk

Foto: Constantin

Es ist eine der absurdesten Legenden der Kirchengeschichte: Eine Frau regiert im Vatikan. Jetzt ist der Bestsellerroman "Die Päpstin" verfilmt worden. Doch Sönke Wortmann verpatzt seine Chance zu einem großen Historienfilm - und mutet seiner Hauptdarstellerin einen grotesken Geschlechterspagat zu.

Wenn geflüstert wird, lohnt es sich in der Regel, genauer hinzuhören. Und in Sachen "Die Päpstin" flüsterten die PR-Agenturen auffällig leise. Nur wenige Pressevorführungen und Interviews waren für die Bestseller-Verfilmung angesetzt. Verständlich, denn was Regisseur Sönke Wortmann abgeliefert hat, mögen wohl selbst PR-Profis nicht an die große Glocke hängen.

1996 veröffentliche die US-Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross den Roman "Die Päpstin". Darin nahm sie sich der Legende der Päpstin Johanna an, die im neunten Jahrhundert als Johannes Anglicus in das höchste Kirchenamt gelangt sein soll. Mit seinem Mix aus Historienschinken, Emanzipationsdrama und Liebesgeschichte erreichte das Buch ein internationales Millionenpublikum und wartete eigentlich nur darauf, verfilmt zu werden. Doch das dauerte länger als gedacht: Erst wurde Regisseur Volker Schlöndorff gefeuert, weil er sich kritisch über das Konstrukt sogenannter Amphibienfilme geäußert hatte. Als Amphibienfilme werden Produktionen bezeichnet, die sowohl im Kino als auch später, zum Zweiteiler umgeschnitten, im Fernsehen laufen sollen. Auch "Die Päpstin" wurde so gedreht. Dann sprang die ursprüngliche Hauptdarstellerin Franka Potente ab; und wie der "Tagesspiegel" am Dienstag berichtete, soll auch US-Star John Goodman versucht haben, aus dem Projekt auszusteigen. Vergeblich: Als wankelmütiger Papst Sergius ist er nun doch an der Seite der neuen Hauptdarstellerin Johanna Wokalek ("Der Baader-Meinhof-Komplex") zu sehen.

Bevor sich die beiden in Rom begegnen, muss Johanna (als Kind erst von Tigerlily Hutchinson, dann Lotte Flack dargestellt) zunächst noch unter ihrem despotischen Vater, einem Dorfpriester, aufwachsen; verbotenerweise lesen und schreiben lernen; ihren geliebten Bruder verlieren; an seiner Stelle in der Domschule aufgenommen werden; sich in ihren Gastvater Gerold (David Wenham, bekannt als Faramir aus "Der Herr der Ringe") verlieben; von dessen eifersüchtiger Ehefrau fast zwangsverheiratet werden; einem Angriff der Normannen entkommen und schließlich getarnt als Mönch Johannes in der Kirchenhierarchie aufsteigen.

Spagat zwischen Mönch und Liebhaberin

Dass das gehetzt wirkt liegt in der Natur der Literaturverfilmung: 566 Taschenbuchseiten wollen in 149 Kinominuten eingefangen werden. Dass das gleichzeitig sehr ungelenk wirkt, liegt am betulichen Erzähler aus dem Off. Er fasst in Worte, was Bilder besser erzählen könnten. Leider finden Regisseur Wortmann und sein Co-Autor Heinrich Hadding keine filmische Übersetzung für Johannas Neugier, ihre Geschicklichkeit und ihr Einfühlungsvermögen. Stattdessen springt "Die Päpstin" von Episode zu Episode und entwickelt mitunter eine unfreiwillige Komik - etwa wenn Johanna bei einem Reitausflug von Gastvater Gerold mit einer selbstgebauten Türschließmaschine überrascht wird. Augenscheinlich ein erotisches Erweckungserlebnis: Wenig später küssen sich die beiden leidenschaftlich.


Durch die Wahl eines Erzählers bekommt der Film aber noch ein anderes Problem: Ihm fehlt die innere Perspektive der Johanna. Sie braucht es aber, um die Figur zusammen zu halten - deren äußerlicher Spagat ist schließlich riesig, sie muss glaubhaft als gottesfürchtiger Mann durchgehen, aber auch als gefühlvolle Liebhaberin überzeugen. Doch unter diesen Umständen schafft das selbst eine herausragende Schauspielerin wie Johanna Wokalek nicht. Im Gegenteil. Wenn sie als Papst mit weiß gepudertem Gesicht, schwerem Schmuck und affektierter Gestik auftritt, ist die Gender-Schraube endgültig überdreht: eine Frau, die einen Mann spielt, der die Tunte gibt - fast erscheint der Vatikan als Käfig voller Päpste.

Trotzdem: "Die Päpstin" wird ihr Publikum finden. Sönke Wortmann sagte zur Diskussion um Amphibienfilme schon: "Ich bin ein Fan der Filme, die für Kino und TV produziert werden. Die sind erfolgreicher."

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insgesamt 31 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.11.2009 von DanielaMund: blöder Titelzwang

Johanna Wokalek könnte wahrscheinlich auch Logarithmentafeln eindringlich spielen - sie hat diesem dann doch eher mittelmäßigen Film etwas Würze und Authentizität gegeben. Die "Bösewichte" in diesem Films - ich weiß [...] mehr...

20.11.2009 von Sveto: .....

Lustig (oder je nach Standpunkt traurig) finde ich auch, dass viele ungebildete Zeitgenossen diese Schauergeschichte aus den finstersten Tagen des Mittelalters (so sinngemäß Ferdinand Gregorovius in seiner "Geschichte der [...] mehr...

19.11.2009 von oliver twist aka maga: Ein Käfig voller Päpste?

Ist der Film denn gescheitert? Und was macht das Scheitern aus? Ein Flop an den Kinokassen oder Verrisse von Filmkritikern. Ich habe mir den Film heute Abend angesehen und fand ihn - ordentlich. John Goodman und Johanna Wokalek [...] mehr...

23.10.2009 von Wallenstein: filmverwertung

Sie irren: Im Fernsehen macht kein Film richtig Kasse. Die Haupteinnahmequellen sind Kino und DVD. Und in der ARD, wo der Film als Zweiteiler laufen wird, macht er überhaupt keine Kasse, weil keine Werbung dazwischen zu sehen [...] mehr...

23.10.2009 von Wallenstein: .....

Oder von einem indischen Eunuchen .... mehr...

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"Die Päpstin"

(D/GB 2009)

Regie: Sönke Wortmann

Buch: Heinrich Hadding und Sönke Wortmann

Darsteller: Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman

Produktion: Constantin Film

Länge: 149 Minuten

Start: 22. Oktober 2009

Offizielle Website zum Film







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