Von Daniel Sander
Regisseur Robert Zemeckis hat sich fest vorgenommen, das Kino zu revolutionieren. Eigentlich hat er das längst, denn mit "Zurück in die Zukunft", "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" oder "Forrest Gump" gehen einige der spektakulärsten Hollywood-Erfolge auf sein Konto.
Doch das war ihm nicht genug. 2004 präsentierte er mit dem Weihnachtsfilm "Der Polarexpress" eine neue Technik zwischen Realfilm und Animation, die für ihn die Zukunft bedeutete: "Performance Capture" nannte sich das und machte aus "Polarexpress"-Hauptdarsteller Tom Hanks eine Art Zeichentrickfigur, die sich frei durch animierte Welten bewegen konnte.
Der Rest der Welt war davon nicht so beeindruckt wie Zemeckis. Die Figuren aus dem "Polarexpress" hatten mit ihren toten Augen etwas Zombiehaftes, manche fanden das eher gruselig als herzerwärmend. Der Film war kein Flop, blieb aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Vor zwei Jahren legte Zemeckis mit "Die Legende von Beowulf" nach, diesmal mit einer Fantasy-Action-Geschichte und einer animierten Angelina Jolie. Die Technik sei nun viel weiter, hieß es. Sehr teuer war "Beowulf" - und noch weniger erfolgreich.
Ein Geizhals terrorisiert seine Mitmenschen
Jetzt hat sich Zemeckis Charles Dickens' legendäre Erzählung "Eine Weihnachtsgeschichte" aus dem Jahr 1843 vorgenommen, die Disney heute in die Kinos bringt. Es gibt schon unzählige Verfilmungen, einige davon - wie die Version von 1951 mit Alastair Sim, der Bill-Murray-Spaß "Die Geister, die ich rief" von 1988 oder die entzückende Fassung mit den Muppets von 1992 - sind selbst zu Klassikern geworden.
Zemeckis findet, mit seiner Performance-Capture-Methode habe er die Geschichte nun erst so verfilmen können, wie es Dickens "ursprünglich vorgeschwebt hatte". Und weil es eben gerade der letzte Schrei ist, gibt es das Ganze auch noch in 3D zu sehen.
In der Tat bleibt Zemeckis sehr nah an der Vorlage und übernimmt ganze Dialoge wörtlich aus dem Original. Viele Motive gleichen den Illustrationen von John Leech, die Dickens' Geschichte damals begleiteten, und die Handlung ist die altbekannte: Der Geizhals Ebenezer Scrooge terrorisiert in London seine Mitmenschen, bis er an einem Heiligabend von drei Geistern vorgeführt bekommt, was für ein schrecklicher Mensch er geworden ist und dass es ein böses, einsames Ende für ihn geben könnte, wenn er so weiter macht.
Jim Carrey - oder vielmehr eine Jim Carrey ähnelnde Animationsfigur - ist als Scrooge durchaus überzeugend. Zusätzlich gibt er auch noch die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Weihnacht als imposante und liebevoll animierte Gestalten. Gary Oldman ist gleichzeitig Scrooges rechtschaffener Sekretär Bob Cratchit wie auch dessen kranker Sohn Tim, dem Scrooge schließlich das Leben retten wird.
Wilde Kamerafahrten
Schlecht sieht das alles nicht aus. Die Straßen des alten London und Scrooges düsteres Anwesen sind mit großem Aufwand und einiger Liebe zum Detail in Szene gesetzt, auch wenn alles merkwürdig poliert wirkt. Die Figuren wirken erheblich lebendiger als noch zu "Polarexpress"-Zeiten.
Doch der unbändige Willen zu spektakulärer Technik tut der Geschichte nicht immer gut. Ständige wilde Kamerafahrten wollen aus dem 3D-Effekt Nutzen schlagen, ohne das es in der Handlung immer besonders wild zugeht. Ganze Szenen werden darauf verwendet, mal eine Nase oder einen Finger aus der Leinwand hervorstechen zu lassen, ohne dass sonst etwas Nennenswertes passiert.
Was im Gegenzug bedeutet, dass Zemeckis eher eilig durch die Handlung prescht. Die Blicke in Scrooges Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind viel zu kurz, als dass sie seine große Wandlung zum guten Menschen glaubhaft machen könnten. Der kleine Tim - in allen Verfilmungen ein zentraler Sympathieträger - ist nicht mehr als eine Randfigur. Scrooges einstige Verlobte wird fast zur Komparsin degradiert.
Das macht die Story weit weniger rührend und lehrreich, als sich das Dickens gedacht haben wird. Und weil in 3D trotz gegenteiliger Behauptungen immer noch eine ganze Menge der Farbigkeit verloren geht, sehen die Bilder bei der eh schon ziemlich düsteren Atmosphäre manchmal fast schon fade und dunkel aus. Und immer noch wirken die Animationen von Pixar-Filmen wie "Oben" oder "Wall-E" nicht unrealistischer als alles, was mit Performance Capture möglich ist.
Ein Klassiker wird diese "Weihnachtsgeschichte" kaum werden, das Kino wird sie auch nicht revolutionieren - was nicht heißt, dass es Robert Zemeckis nicht bald schon wieder versuchen könnte.
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ist auch die Version mit Patrick Stewart. Lief, soweit ich mich erinnere, letztes Jahr auch im Fernsehen... obwohl eigentlich die Original-DVD erst richtigen Genuß bedeutet :) Ansonsten hatte ich bereits meine ersten Zweifel, als [...] mehr...
Das der Film nicht viel mehr wird als eine Technik-Demo sollte eigentlich jedem klar sein, der die Trailer gesehen hat. Ich finde die 3D-Technik eigentlich eine ganz nette Sache. Allerdings sollte es doch bitte immer so [...] mehr...
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