Von Daniel Sander
Die Bilder brennen sich ein. Der verführerische Alptraum einer Stadt, riesig und brutal. Der verrückte Wissenschaftler, der seinen menschgewordenen Roboter losschickt, um Böses anzurichten. Das Elend der schuftenden Massen im Untergrund, die nur Räderwerk sind. Der Prunk der Wohlhabenden im Spaßviertel Yoshiwara, von Dekadenz berauscht. Der "Neue Turm Babel", von dem aus der alte Fredersen seine Stadt steuert. Die Flut, die alles mitreißt. Die Motive finden sich immer wieder in der späteren Kinogeschichte, und wenn die großen, grausamen Städte der Zukunft auftauchen, dann sind sie Variationen von Fritz Langs Vision - ob in Ridley Scotts "Blade Runner", in Luc Bessons "Das fünfte Element", in Steven Spielbergs "A.I. - Künstliche Intelligenz" oder Gotham City in den diversen "Batman"-Filmen.
"Metropolis" hätte die Ufa beinahe für immer erledigt, als der etwa fünf Millionen Reichsmark teure Film im Januar 1927 in die Kinos kam und die Zuschauer zu Hause blieben. Ein kommerzielles Desaster. Auch die Kritiken waren damals nicht alle freundlich. Kitschig oder überstopft fanden manche den Film, unglaubwürdig und nicht zeitgemäß. Und wenn sich auch die meisten vor der Virtuosität der Technik verbeugten, als Meisterwerk mochte "Metropolis" damals fast niemand erkennen.
Diese Fehleinschätzung hat der Lauf der Zeit in Ordnung gebracht. Manchmal erkennt man es erst spät, wenn man es mit einer Legende zu tun hat. Was Fritz Lang mit "Metropolis" geschaffen hat, ist ein Geschenk an das Kino von damals, von heute und von morgen.
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