Von Daniel Haas
So sieht er also aus, der Teutone als Kosmopolit: Groß, breitschultrig, das schwarze Hemd spannt sich über die muskulöse Brust. Florian Henckel von Donnersmarck, der Prachtkerl unter Deutschlands Kulturträgern. In der Berliner Nationalgalerie sollte er sprechen zum Thema "Das Deutsche im Filmemachen", eine Veranstaltung im Rahmen der Thomas-Demand-Ausstellung.
Demand, das ist der mit den minutiös aus Pappe nachgebauten und dann abfotografierten "Szenarien aus unserem medialen Kollektivfundus" ("SZ"): die Saarbrücker Klause, wo vermutlich Kinder missbraucht wurden, Hitlers verwüstete Wolfsschanze; die Szenerie von Lembkes "Was bin ich?"-Sendung.
Die Bilder stellen in ihrer entmenschlichten Makellosigkeit die Frage, was wir als Kernmomente deutscher Geschichte und Mentalität verstehen und wie ihre Wahrnehmung funktioniert. Es wäre interessant gewesen, dieses Verfahren mit dem von Donnersmarcks abzugleichen: Basiert die Ästhetik von "Das Leben der Anderen" nicht auch auf einem virtuosen Trompe-l'œil-Effekt, der einem Zeitzeugenschaft mit der ehemaligen DDR suggeriert, eine raffiniert inszenierte Authentizität?
Ingenieur mit Mandat
Dann wäre man mittendrin gewesen in der komplizierten Debatte um die Möglichkeiten und Grenzen der historischen Darstellung im deutschen Kino. Inwiefern unsere Geschichte die Repräsentationsweisen des Kinos überhaupt herausfordert und welche Stilformen ein geschichtlich kritischer Film entwickeln müsste, um didaktisch und zugleich spannend sein zu können.
Von Donnersmarck aber wollte in der Nationalgalerie nicht als Ideologiekritiker auftreten, er erschien als versierter Ingenieur, der nicht nach den ideologischen Bedingungen der Leinwand fragt, sondern nach den technischen und ökonomischen Umständen der Produktion.
Der Vortrag konzentrierte sich deshalb vor allem aufs Kino als technisch-industrieller Komplex, und das ist gar nicht abwertend zu verstehen. Erhellend, wie der Regisseur die visuelle Ödnis des deutschen, auf sozialdramatische Stoffe abgestellten Films aus einem Mangel an Geld herleitete: Zu wenig Geld bedeute weniger gedrehte Einstellungen, daraus folgerten weniger Schnitte, und die bedeuteten weniger Tempo und letztlich Langeweile. Auch die inkonsistente Farbdramaturgie vieler deutscher Produktionen sei dem pekuniären Schmalhans geschuldet.
Lost in Bildungsbürgertum
Amerika, du hast es besser, war dann die weiterführende Losung. Donnersmarck schwärmte vom Studiodreh, wo man ganze Stadtteile nachbaue, und von der Oscar-Academy, die gar nicht wisse, wohin mit ihrem ganzen Geld. An den fetten Trögen der US-Filmwirtschaft will er sein Kino also in Zukunft mästen, der Oscar-Gewinner, aber sein kreatives Selbstverständnis will er sich von der amerikanischen Kulturindustrie nicht verformen lassen.
Das gibt es dann nämlich irgendwie doch, es erscheint als Set aus Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, Genauigkeit und bildungsbürgerlichen Kulturmaßstäben. In Amerika werde ein Film wie "Star Trek" von der "New York Times" hoch gelobt, mokierte sich der Regisseur. So eine Feier des wenn auch gut gemachten Vulgären sei hier feuilletonistisch zum Glück undenkbar. Da war es also doch noch: das Deutsche im Filmemachen - allerdings nicht als Problemkonstruktion, sondern als Mandat. Klingonen versus Teutonen, die literarisches Kunstdenken mit ökonomischer und massenkultureller Expertise verbinden.
Der Kulturbegriff, der in diesen Einlassungen durchschimmert, ist ehrenwert, aber auch ein wenig naiv. Er glaubt an Kunst als überzeitliche, nicht als funktionale Größe, die sich im Gebrauch mit ihren Rezipienten verändert und eventuell sogar überholt. Dass "Star Trek"-Regisseur J.J. Abrams mit seinen Fernsehserien "Alias" und "Lost" das visuelle Erzählen der letzten Dekade womöglich nachhaltiger beeinflusst hat, als alle Bryan Singers ("Walküre") und Hirschbiegels ("Der Untergang") zusammen, das kann sich von Donnersmarck nicht vorstellen.
Muss er auch nicht - noch nicht. Aber wenn er tatsächlich, wie er am Mittwochabend erklärte, der "holländische Renaissance-Maler" ist, der zurzeit bei italienischen, sprich US-amerikanischen Meistern in die Schule geht, wird er seine ästhetische Haltung wohl noch einmal überdenken müssen.
Das wäre doch spannend: ein Donnersmarck-Film mit ein bisschen weniger Kitsch und ein bisschen mehr Style. Mit reduziertem Pathos und gesteigerter Coolness. Ein bisschen mehr Demand sozusagen.
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Danke für den Hinweis ;-) Eric Bana mein ich natürlich, die beiden Vögel bring ich immer wieder durcheinander... Schauspielerische Leistung war jedenfalls armselig. mehr...
Wahrscheinlich, weil er nicht bezahlt und aufs Set gelassen wurde... mehr...
Tja, wenn ich ehrlich bin weiß ich das selber nicht so genau. Bei mir überwiegen leider aber die Sachen, die mir sehr missfallen haben, über das Gute. Positiv: Das Niveau der Spezialeffekte, mit einigen verzeihbaren [...] mehr...
Danke, ich ziehe auch das Pseudo-Fan zurück. Memory-Alpha nutze ich gern und finde die dort investierte Arbeit toll. Ich hab mich auch noch nie kostümiert. Ihre Einschätzung von Abrams StarTrek teile ich dagegen ganz und gar [...] mehr...
Nur um mal meine Aussagen über das anmaßende Einschätzen von Leuten, die man gar nicht kennt, zu bestätigen: Ich hasse Fussball. Bin im Leben noch nie bei 'nem Spiel gewesen. Was die "Spinner" angeht: ich will denen [...] mehr...
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