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21.12.2009
 

Star-Regisseur Cameron

"Wir entwickeln uns zur Avatar-Gesellschaft"

2. Teil: "King Kong hat mich überzeugt."

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie sich als Pionier?

Cameron: Ja, unbedingt. Ich möchte dorthin, wo niemand vor mir war - und Millionen Zuschauer dabei mitnehmen. Ich nehme sie mit an Orte, an denen sie noch nie waren. Als ich "Titanic" drehte, ging es mir vor allem darum, das Schiff zu erforschen. Die Liebesgeschichte war der Preis, den ich dafür zahlen musste.

SPIEGEL ONLINE: Es schien Ihnen auch immer extrem wichtig zu sein, in technologischer Hinsicht mit jedem Film Neuland zu betreten.

Cameron: Ja, das Hauptziel bei "Avatar" war es von Anfang an, die technologische Entwicklung des Kinos möglichst weit voranzutreiben. Schon bevor ich "Titanic" drehte, hatte ich über "Avatar" nachgedacht, doch die Zeit war noch nicht reif. Auch nach "Titanic" nicht. Also habe ich andere Projekte in Angriff genommen, Dokumentarfilme.

SPIEGEL ONLINE: Für die Sie neuartige 3-D-Kameras entwickelt haben.

Cameron: Das waren schon Forschungsarbeiten für "Avatar". Wir haben vor etwa sieben Jahren 3-D-Kameras entwickelt, sie aber erst mal in Dokumentarfilmen ausprobiert. Es gab damals auch noch kaum Kinos, die Filme in 3D vorführen konnten. Ich musste also warten, mich in Geduld üben. Doch es ist nicht meine Art, rumzusitzen und Däumchen zu drehen. So habe ich die 3-D-Kameras immer mehr verfeinert und gleichzeitig sehr genau verfolgt, wie meine Kollegen die visuellen Effekte weiterentwickelten. Nach den "Herr der Ringe"-Filmen und nach "King Kong" dachte ich mir: Jetzt rückt "Avatar" in den Bereich des Möglichen.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie letztlich überzeugt?

Cameron: Die Mimik von King Kong! Da war mir klar: Es ist möglich, mit Hilfe des Computers Gesichter zu erschaffen, die es mit dem menschlichen Gesicht an Feinheit der mimischen Regungen aufnehmen können. Aber die Tatsache, dass wir gleich mehrere computeranimierte Hauptfiguren hatten sowie Hunderte von Nebenfiguren, die alle individuelle Gesichter brauchten, und alles in 3D - das stellte das Team vor eine ungeheure Aufgabe. Ich glaube aber, wir haben für den Film den richtigen Zeitpunkt erwischt.

SPIEGEL ONLINE: Macht es Ihnen Spaß, neue Werkzeuge für das Filmemachen zu entwickeln? Oder kommt der wahre Spaß erst, wenn Sie sie anwenden?

Cameron: Es macht ungeheuren Spaß, Werkzeuge zu entwickeln! Es ist enorm befriedigend, etwas zu entwerfen und zu bauen, was man dringend braucht, was es aber noch nicht gibt. Wenn man dann am Ende das fertige Gerät vor sich hat - etwa die ferngesteuerten 3-D-Kameras, mit denen wir in "Ghosts of the Abyss" ins Wrack der Titanic tauchen konnten -, und es funktioniert - das ist ein echter Glücksmoment! Ich bin kein Ingenieur, aber ich kann sehr gut ein Team von Ingenieuren führen. Ich liebe das Problemlösen. Deshalb kann ich Leute dazu bringen, über sich selbst hinauszuwachsen, um etwas Neues zu erschaffen.

SPIEGEL ONLINE: Als wir vor einigen Jahren über "Ghosts of the Abyss" sprachen, sagten Sie, Sie hätten das Gefühl gehabt, Ihre Arme würden "unendlich verlängert", während Sie die ferngelenkten Kameras steuerten. Ist es nicht ein Traum von Ihnen, die Grenzen des menschliches Körpers zu überwinden?

Cameron: Die Erfahrung, mit der Technik zu verschmelzen, ist unendlich faszinierend, aber auch zutiefst beunruhigend. Der Held in "Avatar" degeneriert körperlich, weil er ein Leben in einem fremden Körper führt. Doch genau das passiert in unserer modernen Gesellschaft: Viele der heutigen Teenager empfinden den Controller ihrer Playstation als weiteren Körperteil. Allerdings verfetten sie dabei zusehends. Wir entwickeln uns in Richtung einer Avatar-Gesellschaft, in der Körperlichkeit mehr und mehr an Bedeutung verliert.

SPIEGEL ONLINE: James Cameron - der Fortschrittskritiker?

Cameron: Warum nicht? "Avatar" erzählt davon, wie wir durch den technischen Fortschritt nicht nur die Welt um uns herum zerstören, sondern auch unsere eigene Natur verkümmern lassen. Fast jeder von uns könnte athletischer sein, aber wer den ganzen Tag am Computer sitzt, wird träge und schlaff. Unsere Lebensweise entfremdet uns unserer eigenen Natur.

SPIEGEL ONLINE: Nun sind Sie selbst Mitte Fünfzig. Finden Sie die Vorstellung, in einen jungen, unverbrauchten Ersatzkörper zu schlüpfen wie Ihr Held, verlockend?

Cameron: Tja, wenn ich erfahren würde, dass ich unheilbar an Krebs erkrankt bin, würde ich meinen Geist sofort in einen Cyborg implantieren lassen, falls so etwas möglich wäre.

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insgesamt 110 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.02.2010 von Hirschmann12: technische Hindernisse??

Das liegt in der Natur der Sache. Auch ich war in der ersten Zeit versucht meine Augen durch den virtuellen Raum schweifen zu lassen, was natürlich nicht gelingen konnte. Erst wenn man sich absolut auf die Führung der Kamera und [...] mehr...

07.01.2010 von Nosoj: Hinsehen.

Ganz recht ... wenn man genau hinschaut ... bzw. sich den Film mal anguckt, kann man sehen, daß das Cokpit ein abgeschloßener Bereich ist und auch nach dem Beschuß, während dem das Cokpit geschossen wurde (während dem die [...] mehr...

07.01.2010 von stonecold: .

Nochmal was zu den Diskussionen über die Treue von US Marines Die Militärs in diesem Film waren keine Marines, sondern Söldner im Auftrag dieses Rohstoffkonzerns. Für all die empörten Corpsexperten- der Protagonist hat also [...] mehr...

07.01.2010 von stonecold: Schmerzmittel)))

Um Ihnen den Schmerz zu nehmen: dass das Cockpit vom (offenen) Transportraum getrennt sein könnte, ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen? ;) Natürlich ist die Story nichts Besonderes, aber die 3D-Effekte waren wirklich nicht [...] mehr...

07.01.2010 von luke99: Buch und Film

Haben Sie jemals versucht, aus einem Buch ein Filmskript zu machen? Da gewinnt man eher den Eindruck, dass die Erzählprinzipien von Büchern und Filmen nichts miteinander zu tun haben. mehr...

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Zur Person

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James Cameron, der Mann, der die teuersten Filme der Welt dreht: Bekannt wurde der gebürtige Kanadier als Autor, Produzent und Regisseur der "Terminator"-Reihe. Er drehte zudem 1986 "Alien 2" mit Sigourney Weaver und den Blockbuster "Titanic", der 1998 sagenhafte elf Oscars gewann. Seither verantwortete Cameron vor allem Dokumentationen sowie die Fernsehserie "Dark Angel". Das Science-Fiction-Projekt "Avatar", Camerons erster Kino-Spielfim seit zwölf Jahren, wurde dank spektakulärer 3D-Optik und epischer Story zum erfolgreichsten Film aller Zeiten. Fast drei Milliarden Dollar Umsatz machte "Avatar" weltweit - ganz ohne große Stars.






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