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28.01.2010
 

Französische Komödie

Frau Marceau trifft Herrn Schweiger

Von Andreas Banaski

Was ist bloß aus dem französischen Esprit geworden? Die Komödie "Auf der anderen Seite des Bettes" mit Sophie Marceau ist erschütternd geistlos - und könnte hierzulande dennoch ein Erfolg werden. Die deutschen Zuschauer lachen ja auch über Til Schweigers reaktionären Geschlechterklamauk.


Mehr als zwei Millionen Franzosen sind bereits ins Kino gerannt, um über ein gestresstes Leistungsträger-Paar beim Rollentausch abzulachen. Grund des Ehe-Experiments in "Auf der anderen Seite des Bettes": Ariane (Sophie Marceau) fühlt sich nicht recht gewürdigt. Mit Haushalt, Kindern und einer (überflüssigen, nur der Filmdramaturgie geschuldeten) Renovierung ihres ohnehin schon edlen Heims scheint sie ziemlich überfordert. Dennoch gönnt sie sich nicht, wie in diesen Besserverdienerkreisen üblich, eine Migrantenhaushilfe, sondern bindet sich noch einen Schmuckvertrieb ans Bein. Weil so eine Profession wohl genauso zu ihrem Selbstverständnis passt wie ihr rosa Kleinwagen.

Gender-reaktionäre Klamotte

Als Hugo (Dany Boon) - der ihren Nöten gegenüber ignorante Ehemann - auch noch quengelt, wird er zum Selbstversuch in ihren Alltag gepresst. Sie mischt dafür seine Baumaschinenfirma auf. Erste Amtshandlung: ein neuer Kaffeeautomat. Woran Frauen eben denken. Und wenn Frauen erst mal anfangen nachzudenken (inszeniert hat diese Gender-reaktionäre Klamotte übrigens eine Frau - Pascale Pouzadoux!), kommt es zu solch genialen Geschäftsideen: Den unpatenten, in froher Erwartung kreischenden Leidensgenossinnen werden zur Baumaschine gleich die passend knackigen Handwerker vermittelt, die ausschauen wie Chippendales-Striptänzer.

Ihr Mann wird inzwischen als "Hausfrau" enteiert, gefällt sich aber immer besser als Softie, der mit den Waffen des Weibischen am Pool schnatternden Gänsen den Schmuck seiner Frau andreht. Über das ganze Treiben stirnrunzelt dann noch Arianes Mutter (Anny Duperey), feministisch angehaucht, emotional allerdings angeknittert, müsste nur mal wieder glattgebügelt werden.

So weit, so TV-Privatsender-Comedy. Kann man/frau auch schicksalsergeben und achselzuckend drüber hinweggehen, statt sich sauertöpfisch aufzuregen. Schade nur um Dany Boon, der mit treuherzigem Blick gerade so etwas wie der neue Pierre Richard zu werden versprach. Immerhin kann er sich aber noch besser aus der Affäre ziehen als Sophie Marceau, die gesichtsentstellend grimassieren und am Ende entwürdigend zu Kreuze kriechen muss.

Kann das nun den deutschen Nerv treffen? Bestimmt. Solche Humorbomben hätten auch die Frauenversteher Mario Barth und Til Schweiger nicht explosiver zünden können.

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insgesamt 22 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.01.2010 von queerdenker2009: Gender-reaktionär

Finde ich eigentlich ne prima wortschöpfung. die meisten leute hier im blog jammern doch der alten rollenteilung wie weicheier hinterher. ich finde frauen, die karriere machen statt kinder zu kriegen, ihre frau stehen und mit [...] mehr...

28.01.2010 von grafkoks2002: A Prophet

Die Rechte sind nach Deutschland verkauft, international wird der Film als "A Prophet" von Sony vertrieben. Es gab zumindest mal einen einen angedachten Kinostart hierzulande, nämlich den 11.03.2010. Ob der noch gilt, [...] mehr...

28.01.2010 von sam clemens: Diskussion

Diese Diskussion ist bezeichnend: Vor allem die, die hier für leichte, humorvolle und nicht zwanghaft anspruchsvolle Filme eintreten, ziehen gleich das Messer, sobald es gegen Schweiger geht. Wo bleibt euer vielbeschworener Humor [...] mehr...

28.01.2010 von Hugh Theo: update

Das mag stimmen. Ich weiss nicht, ob 'Un Prophète' schon in Deutschland gezeigt wird. Aber nachdem Sie diesen einzigartig guten Film gesehen haben, werden Sie wahrscheinlich "39,90" als 'ferner liefen...' einstufen. [...] mehr...

28.01.2010 von br0iler: jaja

Das muss Ihnen nicht Leid tun. Ich lebe ziemlich entspannt, weil ich auch mal über Quatsch lachen kann. Mir tun eher Leute leid, die ihre Umwelt peinlich finden, weil es nicht ihrem Intellekt entspricht und dabei gar nicht [...] mehr...

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