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02.03.2010
 

Tim Burtons "Alice im Wunderland"

Kopf an!

Von Hannah Pilarczyk

Mädchen mit Mission: In Tim Burtons Version von "Alice im Wunderland" jagt die Heldin nicht nur einem Kaninchen, sondern auch ihrem Schicksal hinterher. Das Update tut dem Kinderbuchklassiker mehr als gut - und hat dazu noch einen tollen Johnny Depp zu bieten.


Manche Kombinationen erscheinen so perfekt, dass sie eigentlich schon wieder langweilig sind: Tim Burton, Johnny Depp, Alice im Wunderland, 3D - was soll schon schiefgehen? Natürlich nichts. Und so ist Burton ("Edward mit den Scherenhänden") denn auch ein bezauberndes, optisch umwerfendes Fantasy-Spektakel gelungen, in dem Johnny Depp wieder einen ebenso schrulligen wie liebenswerten Charakter spielt. Trotzdem ist der Film keine stilvolle Fingerübung geworden, und das liegt vor allem an einer Sache: dem Drehbuch von Linda Woolverton, das der Geschichte vom Wunderland eine wirklich neue Wendung gibt.

Alice, das war bislang ein kleines Mädchen, das beim Spielen durch Zufall in eine Zauberwelt fiel und dort von einer schrägen Gestalt zur nächsten stolperte. Bei Woolverton ist Alice eine 19-Jährige, die kurz vor dem Eintritt ins Erwachsenenalter steht. Weil der aber mit der Heirat eines schnöseligen Trottels verbunden ist, flieht Alice in den Wald - und landet nicht nur mit einem spektakulären Sturz im Wunderland, sondern auch in einer Mission: herauszufinden, wer sie wirklich ist.

"Ich habe mehr an einen Action-Abenteuerfilm mit einer weiblichen Hauptfigur gedacht als an eine viktorianische Maid", sagte Woolverton der "New York Times". "Ich halte es für sehr wichtig, entschlossene und tatkräftige Frauen zu zeigen, weil Frauen und Mädchen Vorbilder brauchen." Sie hat sich vor allem durch ihre Drehbücher zu den Disney-Klassikern "Der König der Löwen" und "Die Schöne und das Biest" einen Namen gemacht. Unter der Regie von Tim Burton und mit Hilfe der Kinematografie von Dariusz Wolski ("Sweeney Todd") werden ihre Figuren nun jenen entscheidenden Farbton dunkler, den es für wirklich interessante Filme braucht.

Unterland, nicht Wunderland heißt hier die Welt, in die Alice eintaucht. Bei ihrem ersten Besuch als kleines Mädchen hatte sie sich nur verhört. Wunderlich sind die Bewohner - von gehetzten Kaninchen über eierförmige Zwillinge bis hin zu sprechenden Raupen - noch immer. Doch ihre Stimmung ist neuerdings gedrückt. Seit die cholerische Rote Königin regiert, haben sich Angst und Gewalt im Zauberreich breitgemacht. Rettung naht zwar: Laut einer Prophezeiung soll eine Lichtgestalt namens Alice das Unterland vom Terror befreien. Aber kann das blasse, zögerliche Mädchen, das jetzt durchs Kaninchenloch gefallen ist, tatsächlich diese Erlöserin sein?

Am Rande des Wahnsinns und des Tuntenklischees

Die 20-Jährige Mia Wasikowska ("In Treatment", "The Kids Are All Right") spielt Alice mit wunderbarer Neugier. Erst entdeckt sie das Unterland mit all seinen bizarren Kreaturen, dann ihre Rolle darin. Auf der Suche nach Sinn in einem Reich voller Verrückter - das ist natürlich auch eine Parabel aufs Erwachsenwerden. Doch zum Glück vergisst Burton vor lauter Coming-of-Age die Schauwerte nicht und fährt ein paar tolle Nebenfiguren auf: Großartig dämlich ist zum Beispiel Matt Lucas ("Little Britain") in einer Doppelrolle als Tweedledee und Tweedledum. Helena Bonham Carter als Rote Königin sowie Anne Hathaway als Weiße Königin geben ein groteskes Schwestern- und Feindespaar ab. Dass Wasikowska mit ihrem kaum geschminkten Gesicht inmitten all diesen Spektakels bestehen kann, zeigt, welches Starpotential sie selbst hat.

Die Show stiehlt ihr aber trotzdem Johnny Depp. Wie bei seinem Captain Jack aus dem "Fluch der Karibik" gelingt ihm als verrückter Hutmacher das Kunststück, die Figur sowohl am Rande des Wahnsinns als auch des Tuntenklischees vorbeischrammen zu lassen - ohne jemals abzustürzen. Sein Hutmacher hat nämlich allen Grund durchzudrehen. Zum einen macht ihm eine für seinen Beruf typische Quecksilbervergiftung zu schaffen (orangenes Haar! Unterschiedlich große Augen!), zum anderen verzweifelt er an der Willkür der tyrannischen Roten Königin. Er ist nicht nur optisch, sondern auch politisch ein Abweichler und damit stets vom Tod durch Köpfen bedroht. Bei allen Neuerungen liebt es die Königin nämlich auch bei Burton, beständig "Kopf ab!" zu fordern.

Trotz aller Widerstände kann der Hutmacher Alice zum Aufstand gegen die schreckliche Herrscherin bewegen. Im Showdown mit deren Monstren bezwingt Alice schließlich stellvertretend auch die gesellschaftlichen Zwänge des viktorianischen Zeitalters. Als moderne Heldin kehrt sie in ihre angestammte Welt zurück. Tim Burton, Johnny Depp, Linda Woolverton, Alice und das 21. Jahrhundert - das ist ab sofort die perfekte Kombination.

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
02.04.2010 von team_frusciante: ...

Tim Burton könnte sich auch mal nach einem anderen hauptdarsteller umsehen. Depp macht das ja nicht schlecht, aber in jedem Burton-Film? Was mich an dem Film hauptsächlich gestört hat, war Danny Elfman. Nicht eine Sekunde, die [...] mehr...

02.04.2010 von macroth72: Tim Burton mal anders...

...nämlich langweilig ohne Ende. Ich hatte mich wirklich gefreut, mal wieder einen Burton im Kino zu genießen. Bisher war das für mich immer ein Garant für ausergewöhnliches Kino. Aber das? Ich bin zwischendurch eingenickt (ist [...] mehr...

19.03.2010 von dr.hellyeah: Alice im Niemandsland

Muss mich leider meinem Vorgänger (afrodalic) anschließen. Was Tim Burton hier abgeliefert hat, hat weder Story, noch Spannung,noch herausragende Effekte. Am besten man bewegt seine Erwartungen vorher in Richtung Minusbereich, [...] mehr...

11.03.2010 von afrodalic: alice ganz schlecht

voller vorfreude ging ich in diesen film und wurde bitter enttäuscht. die story ist sowas von lahm, dass mehrere zuschauer in meiner vorstellung phasenweise laut schnarchend ihre kritik am film uns mitteilten. die effekte sind, [...] mehr...

03.03.2010 von badevil: Nun...

...macht also auch Tim Burton einen Film, in dem nahezu alles aus dem Computer stammt (animierte Tiere: *wuerg*). Ziemlich schade, zumal wenn die Effekte und die ganzen Green-Screen-Szenen dann auch noch so aussehen, wie sie es [...] mehr...

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