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11.03.2010
 

Action-Komödie "Jerry Cotton"

Wenn Flachwitz cool sein will

Von Andreas Banaski

Komödie "Jerry Cotton": Trivialkino-Neuaufguss
Fotos
2010 Constantin Film Verleih

Das Unvermeidliche ist geschehen: Mit dem FBI-Agenten "Jerry Cotton" ist ein weiterer Trivialkino-Mythos der Sechziger deutschen Comedy-Fachkräften in die Hände gefallen.

Wer von hemdsärmlig-verschmitzten Neuauflagen alter Legenden, die die Selbstparodie ja schon in sich tragen, einfach nicht genug kriegen kann, ist bei Cyrill Boss und Philipp Stennert, Experten des überdeutlichen Humors, wohl in guten Händen. Dachte sich wohl Produzent Christian Becker und ließ das einschlägig beleumundete Regie- und Autoren-Duo ("Neues vom Wixxer", "Die ProSieben Märchenstunde") eine Story zusammenspinnen, die wirkt wie an einem gammeligen Nachmittag mit Hilfe eines Kasten Bieres rausgehauen.

Das New Yorker FBI, angeführt von der spröden Dienstaufsicht Daryl D. Zanuck (verkniffen: Christiane Paul), ist seinem besten Mann Jerry Cotton (Christian Tramitz) auf den Fersen. Üble Schurken, darunter der einarmige und einäugige Schwabe Klaus Schmidt ( Heino Ferch) und die Ganovenbraut Malena (herrenmagazinerotisch: Penélopes kleine Schwester Mónica Cruz), haben dem tollen Hecht Cotton nämlich zwei Morde angehängt. Nur dessen neuer Partner, die unfähige Nervensäge Phil Decker ( Christian Ulmen), hält ihm die Stange. Gemeinsam bringen die beiden Bundespolizisten die Kapitalverbrecher zur Strecke, klären einen lange zurückliegenden Goldbarrenraub auf und beginnen eine wunderbare Freundschaft.

Bemitleidenswert farblos

Nun war der Original-Cotton - der hier nicht parodiert, sondern dem liebevoll action-komödiantisch gedacht werden soll - in Wort (Groschenheftreihe) und Bild (acht minder talentierte Verfilmungen von 1965 bis 1969) selbst im Trashkontext der Sechziger nur zweit- bis drittrangig. Immerhin besaß er aber den Anstand, sich nicht über seine kindliche und kindgebliebene Kundschaft erheben zu wollen. Peinlich dagegen, wie in völliger Verkennung der Realitäten die Macher des neuen, derb gestrickten "Jerry Cotton" durch inflationäre Beanspruchung des Wortes "cool" im Pressematerial ihrem Produkt auf die Schulter klopfen:

Becker: "Im Anzug versprüht Christian Tramitz eine unglaubliche Coolness."
Boss: "Coole Frisur, cooler Anzug, coole Waffe, cooles Auto."
Stennert: "Ein cooler Hardliner mit Stil."
Boss: "Ein männeraffiner Stoff durch all die coolen Typen."
Stennert: "Die Frauen sind wirklich cool."
Ulmen: "Ich helfe Christian Tramitz, extrem cool rüberzukommen."

Statt extrem cool kommt Tramitz aber bemitleidenswert farblos rüber. Ausgerechnet Grobdarsteller Ulmen zieht sich noch am Achtbarsten aus der Affäre, weil er dem bemühten Flachwitz, der hier grassiert, durch eine besonders schamlose Gimpel-Performance die Krone aufsetzt.

Immerhin besser als "Die Supernasen"

Wie ist nun der neue "Jerry Cotton" film- und humorhistorisch einzuordnen? In der Ahnengalerie deutschsprachiger Kumpelkomödien von "Der Mann, der Sherlock Holmes war" (Spitze, mit Hans Albers und Heinz Rühmann) über "Graf Bobby" (ziemlich weit unten, mit Peter Alexander und Gunther Philipp) bis zu den "Supernasen" (Bodensatz, mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger) knapp hinter "Graf Bobby".

Um diesen Text dennoch versöhnlich abzuschließen, noch ein Kollegenurteil des Monatsblatts "Cinema" über den "Look des Films": "Jedes Bild wirkt wie komponiert und kann sich mit internationalen Maßstäben messen lassen."

Stimmt sogar irgendwie. Wenn es auch nur die internationalen Maßstäbe sind, die neuere und ähnlich klamaukige US-Serienadaptionen wie "Starsky & Hutch" oder "I Spy" vorgeben. Wer sich in dieser Liga gut aufgehoben fühlt, darf sich schon jetzt auf das nächste Projekt vom "Cotton"-Team freuen: "Dr. Mabuse".

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insgesamt 21 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.03.2010 von kunstdirektor: Werter Vincent72

Ich habe eben erst Ihren Kommentar gelesen. Da kann ich jeden Satz unterschreiben. Sehr gut. mehr...

16.03.2010 von kunstdirektor: Da hat doch tatsächlich einer von ...

... literarischer Vorlage geschrieben, an die sich der Film halten soll. Wieher! Wieher! Der Film ist sehr gute Unterhaltung und nichts für Leute, die im Keller lachen. - Das wird man in Deutschland doch wohl noch sagen dürfen! mehr...

15.03.2010 von aqualung: --------------------------

Ich kenne sowohl die Heftchen als auch die Filme mit George Nader und Heinz Weiss und auch Ulmen (+) und Tramitsch (eher +/-). Daher erwarte ich etwas ähnliches wie bei der "Wixxer". Also im Grunde alberne Filmchen, [...] mehr...

14.03.2010 von Stäffelesrutscher: Sie sollten lieber Filme besprechen als zerreißen!

Oh du zerrissene Kritikerseele, mal wünschst du dir mehr Filme aus Deutschland, dann beschwerst du dich bitterlich über jeden deutschen Film, der nicht in der obersten künstlerisch-eloquenten Sphäre der hochtrabenden [...] mehr...

13.03.2010 von tobi12: Wenn ein Kritiker Popjournalist sein will

Da es Herrn Banaski in erster Linie nicht um den Film Jerry Cotton, geschweige denn um eine differenzierte Betrachtung geht, sondern vordergründig darum die Personen hinter den Kulissen fertig zu machen , sollte man fairerweise [...] mehr...

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